Lautsprecher 180 – der „Was mit Reisen“-Standpunkt
Ich bin gerade etwas verunsichert von den Nachrichten, die uns aus Ägypten erreichen. Und das war’s jetzt? Drei Jahre nach der Revolution, und alles wird so wie früher? Umgekehrt wie bei Monopoly? Verlassen Sie das Gefängnis, kommen Sie über Umwege wieder zurück, machen Sie sich fertig für das neue Los und ziehen sie wieder mehr als 4000 Mark ein..?
Nach unserem Rechtsverständnis ist es ein juristisches Irrenhaus, das am Nil den Eid auf Verfassung, Gerechtigkeit und Unbestechlichkeit schwört. Richter, bei denen sich Amtskollegen aus demokratischen Ländern demonstrativ abwenden müssten, weil sie die Jurisprudenz zu einer Farce verkommen lassen.
Ein Todesurteil löst sich in Luft auf. Nicht, dass ich es unterstützt hätte. Es war genauso barbarisch, wie jetzt der Freispruch im Angesicht der Opfer. (mehr …)
Eine Farbe macht noch keinen Sommer; genauso wenig ein Duft oder ein lautmalerisch feinziselierter Hotelname. Für ein exklusives Konzept sollte es schon mehr sein. Aber dieses „mehr“ ist ungleich kompliziert. Da müsste soziologisch geclustert, Bedürfnisse von Zielgruppen analysiert und Angebote maßgeschneidert werden, um keine Mogelpackung auf den Hoteklmarkt zu werfen. (mehr …)
Eine Destination, eine Definition, eine Deutung und eine Dramatisierung – das sind die Zutaten für die heutige, die 179. Ausgabe von „Was mit Reisen“.
Fangen wir mit der Destination an: Thailand. Das buddhistisch geprägte Sehnsuchts-Ziel vieler Deutscher in Asien, fast 740.000 waren es letztes Jahr, schwächelt gerade in Folge der schon lange die Nachrichten prägenden Unruhen zwischen Rot und Gelb, der Landbevölkerung und den irgendwie sich als Eliten Fühlenden. Die Vehemenz der Auseinandersetzung ist schon lange keine Folklore mehr. Es gab Bilder, die arg an die Auseinandersetzungen in Ägypten erinnerten. Und trotzdem fühlten sich Thailand Urlauber lange nicht unsicher; zeigten auch keine Buchungszurückhaltung wegen einer indifferenten Angst. Deshalb erwähnte ich am Anfang das Wort Buddhismus. Denn trotz fast vergleichbarer Vorfälle verschreckt in Ägypten der latente Islamismus die Urlauber ungleich stärker. Aber nun wirkt die Krise auch langsam im fernöstlichen Sonnen-Traumziel. Die „Land und Leute“ Buchungen schwächeln. Matthias Rotter, der Chef von Meier’s Weltreisen, klärt uns gleich auf über die Situation in Siam.
Die Rundreise, eine der Mütter der pauschalen Landverschickung, ist nicht totzukriegen. Trotz vermeintlich gestiegener Reiseerfahrung. Trotz des Hangs zur Individualisierung. Trotz der Lust an der Abgrenzung. Selbst beim Vorreiter des Baustein-Kombinierens von touristischen Produkten, der Frankfurter DERTour, zählt die Gruppen-Bespaßung zum Kerngeschäft. CEO Michael Frese erläutert uns gleich, warum der Bus immer noch das wichtigste Transportmittel für Urlaubserlebnisse vor Ort ist. Und im zweiten Teil unseres Gesprächs äußert er sich zum ersten Mal überhaupt über seine Zeit in Frankfurt, die Tops und Flops und seine Pläne für „the day after“: die neue Lebensphase nach seinem Ausscheiden im Frühsommer.
Kaum ein Thema kann Urlauber so dramatisieren, wie Tiere in Not inmitten der Ferienidylle. Das fängt an beim Herz für Strassenhunde und streunende Katzen, aber endet auch schnell beim Liebesentzug gegenüber touristischen Attraktionen, sobald man ahnt, dass der schöne Schein tierischer Lebenslust durch Knechtung, Brutalität, bis hin zur Folter erkauft wird. Der emotionale Bann von Stier-Arenen und Hahnenkämpfen fällt einem spontan ein. Aber auch schmuddelige Delfinarien oder traumatisierte Elefanten als Reittiere. Höchste Zeit, dass sich Veranstalter ihrer Verantwortung bewusst werden, wie sie mit dem Thema umgehen, das viele Touristiker noch gar nicht erkannt haben. Im großen Gespräch mit dem Nachhaltigkeits-Beauftragten der TUI, Prof. Dr. Harald Zeiss, hoffe ich, dass ich auch Sie dafür sensibilisieren kann.
Viele Reisebücher über Thailand versuchen die märchenhafte Verzauberung, die wir angesichts des Lächelns und der Freundlichkeit der Einheimischen verspüren, zu erklären mit dem Begriff „Sanuk“. Dieses Streben nach Lust und Zufriedenheit würde die Thais geradezu durchströmen und sie auch deshalb zu den perfekten Gastgebern machen. (mehr …)
Dass die amerikanische „Freiheit“ eine französische ist, gehört zum Grundkurs New York. Aber dass die Lady – ein Übungs-Original des Künstlers Frederic Bartholdi, bevor er 1886 mit Gustave Eiffel das überdimensionale Pendant für New York schuf – seit März 2014 in Nizza am Quai des Etats Unis, in Verlängerung der berühmten Promenade des Anglais ihren Platz gefunden hat, ist eine liebenswerte Fußnote der Côte d’Azur.
Wenn man an die 53 Kataloge der Frankfurter DERTouristik denkt, mit ihrer Riesen-Produktvielfalt für die munterere Kombination von Reisebausteinen, da denkt man vielleicht eher kleinteilig. Und würde gar nicht vermuten, dass die DER-Touristiker bei einer ganz bestimmten Komponente Marktführer sind: der klassischen Rundreise, wo Menschen für mehrere Tage auf engstem Raum durch die Gegend zuckeln. (mehr …)
Ein Diplom als angehender Parfumeur…, endlich hat man mal was fürs Leben und die Bewerbungsmappe 🙂 Im Labor der berühmten Manufaktur Fragonard in Grasse kann man als Reisender nach Anmeldung einige Stunden probeschnuppern. Und für knapp 60 Euro sogar sein eigenes Parfüm, oder besser gesagt, Eau de Toilette, zum Mitnehmen kreieren. (mehr …)
Foto-Bummel durch die romantische Altstadt von Grasse im Hinterland der Côte d’Azur. Hier spielt der gruselige Roman „Das Parfüm“ von Patrick Süskind. Morbidität bis heute als Attraktion
Lautsprecher 179 – der „Was mit Reisen“-Standpunkt
Man kann in diesen Tagen etwas traurig sein über den Orkan, der gerade die MS Deutschland, das ZDF Traumschiff, durchschüttelt. Klar, es ist nur ein Nischenprodukt auf dem Kreuzfahrt-Markt. Aber eines mit hohem Symbolcharakter. Ohne die Verführung mit Hilfe von Wolfgang Rademanns Fernseh-Schmonzette würden die schwimmenden Hotels in 20 Jahren kaum einen Wachstumsboom von fast 850 Prozent erzielt haben und heute nicht über 2 Millionen Deutsche jedes Jahr an Bord gehen. Ja, ok, sie tummeln sich eher auf AIDA und Co, lieben es leger statt vertütelt und zahlen nur einen Bruchteil der sportlichen Preise, mit denen das sich selbst so sehende einzige Grand-Hotel auf See versucht, die Kabinen zu füllen.
Und ja, die Deutschland ist aus der Zeit gefallen irgendwie. Sie ist in ihrer Einrichtung so liebenswert verkitscht, dass man an manchen Orten Augenkrebs befürchten muss. Sie hat Kabinen, die so altmodisch, aber vom Material her hochwertig, eingerichtet sind, dass sie allenfalls die Senioren-Residenz von Baden-Baden kopieren, aber nun ganz und gar nicht für modernes Wohnen auf See stehen. Mit Bullaugen und ohne Balkon – der auch nicht kommen wird nach dem Werftaufenthalt. Allenfalls ein Austritt wird in die Stahlwand gefräst. Das ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Erst recht nicht, wenn der Prospekt derzeit noch eine Preistabelle beinhaltet, dass einem die Ohren klingeln. Die hat schon fast MS-Europa-Niveau. (mehr …)
Hand aufs Herz: woran denken sie bei der Kombination von Tierliebe und Urlaub? Wahrscheinlich an die engagierten Bemühungen von Tierfreunden, verwilderten Hunden per Ferienflieger ein neues Asyl bei Familien in Deutschland zu verschaffen. Tierschicksale brauchen treue Augen, um medial zu wirke (mehr …)