Wie erreiche ich bloß meinen Leser? Wahlweise natürlich auch Zuhörer oder Zuschauer. Das ist die Frage, die sich Journalisten immer drängender stellen.. müssen. Die Konkurrenz der unterschiedlichen Medien wird stärker, das Buhlen um die immer kürzere Aufmerksamkeit der Adressaten immer lauter. Es gibt ein großes mediales Grundrauschen. Und wenn man hier das Bild eines journalistischen Flusses bemüht, dann wird er aktuell durch immer mehr Zuflüsse aus dem Internet fast schon unbezähmbar.
Auch die Zeit, wo es mehr oder weniger ein Medienmenü gab, das die journalistischen Köche anrichteten und das allen mehr oder weniger schmeckte, ist vorbei. Heute ist das wie bei einer Bestellung in einem Szenerestaurant in Berlin. Die Extrawünsche und angeblichen Unverträglichkeiten werden schon fast zur Farce. Jeder will seins. (mehr …)
Selbst heute noch fristet es in vielen Kurparks ein etwas trauriges Dasein als Relikt einer der ältesten Gesundheitsbehandlungen für Jedermann: das Kneipp’sche Wassertretbecken. Zugegeben, nicht sehr sexy. Und doch hat die Therapie des Pfarrers von Wörishofen enormes Potential, nach über 160 Jahren wieder eine Renaissance zu erleben. Einmal, weil jeder interessierte Kurort oder jedes Gesundheitshotel die meisten der nötigen Ressourcen eh schon hätte. Aber auch, weil die fünf Säulen der Therapie – Wasser, Kräuter, Bewegung, Ernährung und Meditation – geradezu danach schreien, hip marketingmäßig aufgeladen zu werden. (mehr …)
Reiseradio-Gespräch mit Mutter Oberin Waldefried Gail
Im Kneippianum, einer Walhalla der Kneipp Anwendungen in Bad Wörishofen, habe ich eine Hausordnung entdeckt: Da kann man unter anderem lesen: „In der 3. Klasse stehen nicht bettlägrige Kranke im Sommer gewöhnlich um 6 Uhr auf“. Oder, „Lärmen, überflüssiges Umhergehen in den Gängen, besonders nach Eintritt der Dämmerung, ist verboten“, oder auch „achttägige Kündigung ist sehr erwünscht, viertägige notwendig“.
Ja, so war das früher im fidelen Kurleben… Von wegen mal ein verlängertes Wochenende Wellness. (mehr …)
Können Sie sich das vorstellen…? Eine Kirche, wo es zwei Reinmachefrauen gibt. Eine sozusagen katholisch erleuchtete und eine protestantische. Beide dürfen nur bis zu einer nicht sichtbaren Linie in der Mitte der Kirche putzen, schön auf ihrer Glaubensseite… Oder haben Sie als Gourmet schon mal darüber nachgedacht, warum in einigen Gegenden von Baden Württemberg Weinbergschnecken gegessen, aber nur wenige Hügelketten weiter verachtet werden? Oder wo die roten Bollenhüte herkommen?
All das hat mit einem Jubiläum zu tun, das nächstes Jahr ansteht: 500 Jahre Reformation durch Martin Luther. (mehr …)
In dieser Ausgabe 215 von „Was mit Reisen“, Ihrem Profi-Podcast für die Touristiker, versuchen wir zum Start mal den Blick auf das Große, Ganze. Ist 2016 tatsächlich so ein Schicksalsjahr für die Reisebranche, wie Skeptiker seit Monaten argwöhnen? Hat die diffuse Angst vor Terror und das Unwohlsein mit gesellschaftlich radikalen Entwicklungen, wie in der Türkei, wirklich dazu geführt, dass trotz wirtschaftlich guter Lage bei uns, die Menschen nicht mehr so viel verreisen? Die Zahlen der Veranstalter lassen diesen Schluss ja zu, denn rosig sieht es bei keinem aus. Was übrigens nicht daran liegt, dass bei irgendeinem im Management schlecht gearbeitet wurde. Manchmal ist es halt so, shit happens.
Aber wenn man mal über den Tellerrand des Veranstalter-Reisens hinausblickt, etwas, was der Präsident des Bundesverbandes der Tourismuswirtschaft, Michael Frenzel, schon quasi qua Amt tun muss, dann sieht es eigentlich gar nicht so dramatisch aus mit der Reiselust. Das versucht er gleich im Gespräch mit mir zu untermauern – auch seinen verhaltenen Optimismus, was die zur Zeit größte Baustelle der politischen Regulierung angeht: die neue Pauschalreiserichtlinie.
In Zeiten des Kreuzfahrtbooms schauen wir in dieser Sendung mal auf ein Nischenprodukt. Die Fahrt auf einem 60 Jahre alten Postschiff mit – nach heutiger Sicht – nahezu null Schiffskomfort, aber dafür Cinemascope rund um die Reling. Ich war mit der alten Nordstjernen, die wieder für Hurtigruten fährt, vor Spitzbergen unterwegs. Daraus ist ein schöner Film entstanden, den Sie auf der Webseite dieser Ausgabe des Reiseradios anschauen können, und ein launiges Interview mit dem Menschen, der auf klassischen Schiffen Kreuzfahrt-Direktor heissen würde, sich hier aber Expeditionsleiter nennt. Heiko Kuehr und sein Team schaffen täglich die Erlebnisse, die so eine Fahrt in den ganz hohen Norden auszeichnen. Wo die unwirtliche Natur einen wieder ganz klein werden lässt, und wo man ein Schiff wieder als Schiff spürt, und nicht als komfortablen Schuhkarton auf dem Wasser.
Angesichts der vielen Millionen Koffer, die jeden Tag rund um die Welt fliegen, ist die Zahl der Gepäckstücke, die erst verspätet oder gar nicht ihren Eigentümer am Zielort erreichen, sehr gering. Und trotzdem kennt jeder das Gefühl des bangen Wartens am Band im Ankunftsbereich des Flughafens. Vor allem, wenn die tapfere Zahl der Fluggäste immer kleiner wird und das Karussell immer weniger Koffer ausspuckt.
An diesem Gefühl wird sich zwar auch nichts ändern, wenn man ein kleines Gadget benutzt, das man jetzt für wenige Euro erwerben kann – den Bag-Tag. Aber die Chance soll höher sein, dass man sein Reiseschätzchen schneller nachgelierfert bekommt. Es ist quasi ein elektronischer Kofferanhänger mit QR-Code und auch mit eingebautem NFC-Chip, den man vor der Reise mit allen wichtigen Informationen füttert. Diese sollen die Gepäck-Heinzelmänchen mit jedem Smartphone auslesen können als Basisinformation, wohin der Koffer schnellstmöglich gehört. Das klingt zwar gut, aber lässt natürlich viele Fragen entstehen, über die ich mich mit Isabelle Gernand von Bag-Tap unterhalte.
Wenn man die gesellschaftliche und zum Teil schrille Debatte der letzten Monate verfolgt, dann könnte man den Eindruck bekommen, bei etlichen Deutschen wächst eine Grundhaltung à la „wir sind uns selbst genug“. Das wäre dann der Gegenentwurf zur Reiselust und der Freude, andere Kulturen kennenzulernen. Ist Tourismus also mittlerweile, wenn man trotzdem reist? (mehr …)
Wer heute an Kreuzfahrt denkt, hat beim deutschen Volumenmarkt vor allem zwei Schiffsfamilien im Kopf: AIDA und TUI Mein Schiff. Beide stehen für die neue Lust am Urlaub auf dem Meer. Beide sprechen den Mainstream an und finden ihr Publikum. Aber reden wir hier wirklich über Seereisen? Im Endeffekt geht es doch mehr um Hotelaufenthalte auf dem Wasser, um Annehmlichkeiten eines reichhaltigen Urlaubs-Resorts mit der Besonderheit, dass die Welt draußen sich quasi über Nacht verändert, falls man sein schwimmendes Zuhause mal verlassen möchte.
Bei Entdecker-, oder Expeditionsreisen liegt der Schwerpunkt schon anders. Aber auch hier, beim Cruisen abseits der klassischen Routen, wurde die Komfortzone in den letzten Jahren mächtig ausgeweitet. (mehr …)
Seitdem wir fliegen, vertrauen wir unser Gepäck einer kleinen Banderole aus Papier an. Darauf stehen alle Informationen, die hoffentlich dazu führen, dass Gepäck und Inhaber gemeinsam reisen und am Ziel auch wieder zueinander finden. Praktisch, billig, gut. Auch wenn man manchmal verzweifeln möchte, die fest verklebten Papierstreifen am Griff wieder auseinander zuseln zu müssen ohne Schere. (mehr …)
Es geht heute um nörgelige Urlauber. Der Deutsche hat ja so einen gewissen Ruf in der Welt, selbst in den Ferien nicht loslassen zu können und leicht rechthaberisch auf seine Reklamationsgründe fixiert zu sein. Da soll es Exemplare geben, die den ersten Ferientag fast schon akribisch nutzen für die Beweissicherung selbst der kleinsten Abweichungen vom Glücksversprechen in den Katalogen. Die Veranstalter, sehr in der Haftung durch das deutsche Reiserecht, können ein trauriges Lied davon singen. Trotzdem gelingt es ihnen immer besser, Mängel schon vor Ort zu kompensieren. Einfach aus der Erfahrung heraus, dass ein besänftigter Urlauber, so sehr man seine Korinthenkackerei auch verachtet, für das Unternehmen viel billiger ist, als ein Rechtsstreit daheim. Von schlechter Mund-zu-Mund-Propaganda noch gar nicht zu reden. Aber ein Teil der Reklamationen landet dann trotzdem vor dem Kadi. Mein Kollege Michael Schweizer von der touristischen Presse-Agentur tdt hat Reisestreitigkeiten vor Gericht gesammelt und daraus ein Kompendium gemacht, wie heute Urlaubsmängel juristisch bewertet werden. „Wenn Sterne lügen“, heisst sein Buch, und Urlaubsärger vor dem Richter ist gleich auch unser Gesprächsthema.
Seit dem Sommer ist nun das dritte neue Schiff der TUI-Flotte unterwegs. Die Mein Schiff 5. Von außen identisch zur 3 und 4, innen aber mit der schon gewohnten Evolution weiterentwickelt. Innenarchitektonisch wird es immer besser, das muss man wirklich anerkennen. Das Team um Wybcke Meier beobachtet genau, welche Bereiche von den Gästen wie gut angenommen werden und optimiert permanent das Erlebnis auf See. (mehr …)
Urlaubs-Streitfälle vor Gericht haben manchmal eine unfreiwillige Komik für das juristische Personal. Wenn darüber verhandelt wird, ob in islamischen Ländern morgens ein Muezzin rufen darf, ob Flugangst Grund genug für einen Reiserücktritt ist, ob es bei einer Notlandung Schmerzensgeld gibt für die Angst, ob man eigenen Schnaps an Bord eines Schiffes mitbringen darf – es gibt keine menschlichen Ferien-Dramen, die nicht verhandelt werden. Flug weg. Pool verdreckt. Essen mies. Ferien, bei denen sich Menschen hinterher urlaubsreif fühlen. Da staut sich so mancher Reiseärger. (mehr …)