Touristik Talk

Wasmitreisen - Das erste Reiseradio für Profis im Internet

Touristik Talk

Hintergrund, Klatsch und Service für Touristik-Profis

Karl Born und die Porno-Minibar

Wenn einer was mit Reisen tut, dann kann er was erzählen. Mit diesem Jingle leiten wir im Reiseradio gerne Expertengespräche ein. Und eigentlich könnte das auch die Dauerüberschrift sein über meine Talks mit meinem Lieblingsprofessor Karl Born. Denn der hat wirklich was zu erzählen aus seinem reichhaltigen Erlebnis-Schatz. Ob es hochdekorierte Touristik-Manager als wandelnde Minibars sind, versehentliche Porno-Gucker, tapfere Deutsche in Krisenherden oder nicht wissend, was sie wollen wollen würdende Ex-Präsidentschaftsbewerber. Egal, was mir so auffällt im Verlauf der Woche – am Sontag wird es geklärt.

Reiseradio 043 – Skandal um den Traum von einem Schiff – „Stromberg“ lästert über Produzent Rademann und den ZDF-Dreh / Fire and Ice – warum die Isländer ihre Insel besonders im Winter mögen / Das Leben ist ein langer, ruhiger, zugefrorener Fluss – wie Finnland sich jetzt aufs Gemüt auswirkt

Das war ja schon einigermaßen putzig, der BILD-Skandal rechtzeitig zur Ausstrahlung der Bora-Bora-Traumschiff Schnurre am Wochenende. Christoph Maria Herbst, ausgerechnet das Ekelpaket Stromberg, hatte für eine Rolle angeheuert und vor lauter Langeweile in den Drehpausen ein amüsantes, aber bitterböses Buch über den Kahn geschrieben. Das wimmelt natürlich nur vor Klischees über den „Mumienschlepper“… und dürfte in den Marketingabteilungen z.B. von Aida und dem „TUI-Mein Schiff“ nicht nur persönliches Schenkelklopfen verursacht haben. Denn die gängigen Vorurteile über Kreuzfahrten und ihr Publikum werden genussvoll zusammengemixt. Und die Traumwelt der erfolgreichsten Fernsehserie des ZDF gehörig als Kulisse entlarvt. Später in der Sendung schildert Christof Maria Herbst, wie er den Traumschiff Produzenten Wolfgang Rademann zum ersten Mal kennenlernte.

Von Traumschiff zu Expeditionskreuzer. Viel weniger luxuriös, aber dafür um ein Vielfaches kostbarer. Die teuerste Reise, die die TUI verkaufen kann, und ich sage Ihnen, Sie müssen sehr lange dafür sparen, verrät uns gleich Thies Rheinsberg, der Chef des Nordlandspezialisten Wolters Reisen. Und kommt schnell auf den Boden des Verkaufbaren zurück. Denn bei allem Run auf den Norden gibt es Probleme mit dem Verkauf der Ferienwohnungen über einen Veranstalter. Warum Reisebüros das Produkt scheuen, auch dazu mehr gleich im Reiseradio.

Richtung Norden, und dann immer geradeaus. Das stimmt nicht nur in der Werbung für einen Schnaps, sondern derzeit auch als Zielvorgabe für die immer etwas sperrigen Nordland-Produkte der Veranstalter. Zwei stellen wir in der Sendung etwas näher vor: Island und Finnland. Denn Kälte und Schnee können sehr wohl schön sein – auch ohne Aprés-Ski-Zirkus. Wenn man nur weit genug weg kommt von Großstädten, Bahnhöfen, Flughäfen und Autobahnen.

Auch mein Lieblingsprofessor Karl Born kann Schnee nicht mehr sehen, nachdem er seit zwei Wochen sein Haus freischaufelt. Deshalb lästern wir am Schluss natürlich auch ein wenig über den PR-Gau des Traumschiffs und wundern uns über das spontane Plapper-Plapper-Entsetzen über den Vorschlag, statt Nagelscheren Konfiszierung und Oma-Drangsalierung lieber ein Profiling an den Sicherheitskontrollen der Flughäfen anzuwenden.

Reiseradio 042 – Berlin brummt – 20 Millionen Übernachtungen in 2010: Was steckt hinter dem Hype? / Die Kreuzfahrt boomt – Trends, Tonnagen und Toplisten im neuen Kreuzfahrt-Guide / Boris Becker auf der Brücke – der jüngste AIDA Kapitän im Gespräch / Karl Born über Wut-Passagiere im Winter-Wonderland

Nun ja, ein bisschen vorweihnachtlicher Wunderstaub muss ja schon sein – und deshalb lässt der Moderator des Reiseradios es auch ein wenig wichteln. Einen ganz lieben Gruß an alle Reiseprofis – wo immer Sie uns auch zuhören….

Mittlerweile ist es ja schon einigermaßen langweilig, sich über den Winter aufzuregen. Aber das sehen die, die jetzt gerade am Wochenende unterwegs waren, sicher anders. Und deshalb wird das Chaos gerade auf dem Frankfurter Flughafen auch Thema sein bei meinen Bissigen Bemerkungen mit Karl Born am Schluss der Sendung ; genauso, wie die üblichen, sagen wir es mal freundlich, Komfort-Einbußen bei der Deutschen Bahn, die ersten Auswirkungen der Flugstrafsteuer, die von Ryanair brutalstmöglich als Grund für massiven Flugabbau von und nach Deutschland benannt wird. Und auch die Bilanz-Vernebelungskonferenzen der beiden Großen nehmen wir natürlich lästerlich unter die Lupe.

Top Thema ist heute eine Zahl 20 Millionen. Und zwar Übernachtungen. Und zwar in Berlin. Das ist in Europa der Bronzeplatz nach London und Paris und zeigt, welche Stadt touristisch das Sagen hat in Deutschland – trotz aller Musical-Metropolen und Weltstadt-mit-Herz-Allüren der Mitbewerber. Die Touristik Werber nehmen die Rosen entgegen, abereigentlich läuft die Stadt fast von allein. Damit das so bleibt, müssen sich Burkhard Kieker und sein Team trotzdem etwas einfallen lassen. Mehr dazu im Gespräch mit ihm.

Wenn man ne Schnurre über Berlin aufnehmen möchte, dann darf Wowi nicht fehlen. Der Regierende Bürgermeister wusste schon immer, dass Berlin sexy ist. Und das Bild von Klaus Wowereit, wie er den Perlwein aus dem Stiletto von Desiree Nick schlürft, machte nicht nur ihn weltbekannt, sondern war auch sicher eine derInitialzündungen für die coole Attraktivität der Stadt. Warum die Völker dieser Welt hierher schauen, das erläutert er uns gleich.

Ein Grund dürften natürlich auch die günstigen Preise sein, was die Geiz-ist-geil-Fraktion freut, aber natürlich dieHoteliers schmerzt. Deren oberster Gralshüter, Dehoga-Präsident Willy Weiland, findet es zwar auch toll, dass so viele Gäste nach Berlin kommen, aber wundern tut er sich auch nicht: Beim Ranking der Hotel-Durchschnittspreise in den weltweit attraktivsten Hauptstädten ist Berlin ganz hinten mit 79 Euro. Nur Warschau ist noch billiger. Im Gespräch mit dem Reiseradio wurmt ihn das zwar, aber er kann natürlich nichts dagegen tun, bei immer mehr Hotelbauten in der Hauptstadt.

Kreuzfahrt boomt. Das wissen Sie als Touristiker natürlich. Aber bei all den Schiffen kann man schon mal leicht denÜberblick verlieren. Und wenn man nur nach dem wohlklingenden Namen geht, dann findet man sich vielleicht auf einem Mega-Cruiser wieder mit tausenden Amis in Badelatschen auch abends am Büffet, und nicht beim gediegenen Captain’s Dinner mit Wunderkerze und Eistorte. Zum Glück gibt es einen Kreuzfahrtguide, dessen 2011er Auflage jetzt gerade in den Buchhandel gekommen ist. Mit dem Autoren Uwe Bahn unterhalte ich mich über Trends und Rankings, und warum die Europa seiner Meinung nicht das beste Schiff der Welt ist.

Und wir haben Boris Becker im Reiseradio. An Bord seiner Yacht. Die ist allerdings ein bisschen groß – selbst für einen Ex-Superstar und nun A-Promi in Gala-Bunte-Maßstäben. Und er hätte auch wahrlich nicht das Patent, oben auf der Brücke zu stehen. Die Yacht heißt nämlich AIDA, und der Kapitän ist leider nur ein Namensvetter. Allerdings ist er mit 30 Jahren auch der Jüngste seiner Gilde, der so einen Cruiseliner durch die Weltmeere führen darf. Grund genug für ein Gespräch auf der Brücke.

Karl Born und die Wut im Winter Wonderland

Es ist mir schon klar: man sitzt hier im Warmen, sieht das Chaos draußen und vor allem im Fernsehen, sieht hilflos herumwuselnde Menschen in Bahnhöfen und Flughäfen, liest Horrorgeschichten von stundenlangem Herumhängen auf den Gleisen ohne Heizung und Strom mit abenteuerlichen Rettungsversuchen – und dann schüttelt man weise sein Haupt und fragt, warum kriegen die das einfach nicht hin? Ist das wirklich die normative Kraft des Faktischen, oder doch eine elende Schlamperei – nicht vom armen Würstchen in Uniform, sondern bei den Bilanz-Gierigen in den Konzernetagen. Ein Fall für Karl Born. Auch, wenn ich seit unserem Vorgespräch schon weiß, dass er gewisse Beißhemmungen hat, sobald man argwöhnen könnte, die Helferlein vor Ort werden jetzt vorgeführt. Werden sie nicht.

Unser Thema wird sein vor allem die Krisen-Kommunikation. Und dazu passt irgendwie auch die Deutschland-Krise, die Ryanair Leary diese Woche ausgerufen hat und die verwirrenden Bilanzzahlen der beiden großen Veranstalter, und wie verzweifelt die deutschen Töchter klar machen müssen, dass sie eigentlich die tollen Zahlen hatten.

Reiseradio 040 – Free the Bus – Fernreise statt Kaffeefahrt – Die Busunternehmen wollen der Bahn Konkurrenz machen – Nachgefragt bei Michael Svedek / Breathe the Air – Grüne vermuten giftige Dämpfe in Flugzeugen – Interview mit Markus Tressel / Save the Pott – was wird aus dem Ruhrgebiet nach der europäischen Kultursause? Fragen an Axel Biermann von Ruhr-Tourismus / Pimp the Pilot – lästerliche Bemerkungen mit Karl Born

Das gruselige Wetter, Schneechaos und die Aufregung vom Wochenende wegen der Spontan-Unverfrorenheit der spanischen Fluglotsen. Manchmal ist man auch wirklich froh, nicht reisen zu müssen. Deshalb bleiben wir thematisch in dieser Sendung etwas tourismuspolitischer und auch Fazit-ziehend. Topthema ist heute der Bus. Ein nicht gerade erotisches Reisemittel. Aber vielleicht eines mit Zukunft. Es geht um das Linienbusfahren in Deutschland. Bis auf die Berliner, die das aus ihrem Viermächtestatus heraus immer schon praktizierten, dürften die meisten Deutschen noch nie etwas von einer innerdeutschen, flotten Busverbindung von Stadt zu Stadt gehört haben. Kein Wunder: es gibt sie auch nicht. Eine Verordnung von Anno Toback verbietet nämlich die Konkurrenz zur bundeseigenen Bahn. DieseVerordnung soll fallen auf Grund des Koalitionsvertrages von CDU/CSU und FDP, aber die Bahn hat in der Berliner Ministerialbürokratie noch etliche willige Vollstrecker, die alles tun, um die Liberalisierung des Busfernverkehrs zu torpedieren. Das ist ein ziemlicher Krimi hinter den Kulissen mit harten Bandagen. Wir unterhalten uns mit Michael Svedek von der Deutschen Touring über den steinigen Weg, der zur schnellen Asphalt-Schiene werden soll.

Der WWF hat ausgerechnet, dass 14 Tage Urlaub an der Ostsee etwa 258 Kilogramm CO2 kosten. Der gleiche Urlaub auf der Deutschen Lieblingsinsel Mallorca müsste aber schon mit 1.221 Kilo berechnet werden. Und wer sich in Mexikodie Sonne auf den Bauch scheinen lässt, sündigt mit 7.218 Kilogramm CO2. Kein Wunder, dass grüne Tourismuspolitik eher die erdgebundenen Ziele propagiert. Und bei aller Liebe zur Naherholung, das hört sich nicht sehr lustvoll an. Und beim Urlaub-Machen verstehen die Deutschen wenig Spaß. Kein Wunder, dass der tourismuspolitische Sprecher der Grünen, Markus Tressel, nicht die Lieblingsansprechpartner für die Reiseindustrie ist. Im Reiseradio erläutert er seine Thesen – und erschreckt ein wenig mit der gewagten These, die Bundesregierung setze dieGesundheit der Flugpassagiere aufs Spiel. Warum? Das erfahren Sie im Gespräch.

Fast ein Jahr lang war jetzt das Ruhrgebiet die Europäische Kulturmetropole. Und hat es damit eigentlich zum ersten Mal geschafft, flächendeckend in den Reiseteilen der Zeitungen und in den Katalogen der Veranstalter aufzutauchen. Dafür gab es ja auch genügend Remmidemmi. Und alles wäre wunderschön, wenn ein Remmidemmi nicht so tragisch geendet hätte. Trotzdem ist die Bilanz von ruhr2010 erfolgreich. Und deshalb beschleicht Axel Biermann, den Geschäftsführer von Ruhr-Tourismus auch ein leicht mulmiges Gefühl, wenn er an 2011 denkt. Aufwachen ohne Kater und frisch in den neuen Tag, das ist die Parole. Ist es auch die Wirklichkeit?

Zwischen Höhen und Tiefen grasen Karl Born und ich in unserer kleinen Lästerei am Schluss mal wieder das touristische Geschehen ab. Die spanischen Fluglotsen bekommen da genauso eines auf den Deckel, wie schlaftrunkene oder volltrottelige Piloten. Und wir machen uns Gedanken über die Bahnhofs-Posse in Stuttgart und, wie lange es noch dauern mag, bis London nur noch Zweigstelle von TUI und Thomas Cook ist, aber nicht mehr Konzernzentrale der Veranstaltertöchter…

Karl Born und lavierende Schlawiner

Zum Glück gibt es keinen Mangel an skurrilen touristischen Meldungen im Verlauf der Woche, die allesamt gut sind für eine kleine Lästerei zum Schluss mit Karl Born. Und manchmal sind die Themen auch nur geeignet zum Lospoltern, wie derwilde Streik der überbezahlten spanischen Fluglotsen, die am Wochenende wieder mal tausende von Urlaubern in unerträgliche Geiselhaft genommen haben. Aber auch unfähige Kopiloten, lavierende Schlichter oder schlichte Schlawiner und mit dem Hund wedelnde Veranstalter-Schwänze fordern meinen Lieblingsprofessor immer wieder zu bissigen Bemerkungen heraus

Reiseradio 039 – DRV Jahrestagung in Agadir – Stimmen, Hintergründe, Kommentare / Erstes Präsidenten-Interview mit Jürgen Büchy und letztes mit Klaus Laepple / Michael Frenzel über die teure Liebe der Veranstalter zum DRV / Marokkos Tourismusminister im Regen / Südkoreas Urlaubs-Werber voller Zuversicht / Karl Born allein zu Haus

Das Reiseradio zurück von der touristischen Perle des Atlantiks. Also zumindest aus marokkanischer Sicht. Zurück aus Agadir, dem maghrebinischen Urlaubs-Hotspot der späten Siebziger Jahre, dessen Liebreiz sich heute erst auf den zweiten Blick erschließen mag – trotz großer Anstrengung, alles etwas aufzuhübschen.

Anyway: Agadir war die pompöse Kulisse für ein Dramolette der besonderen Art: der Deutsche Reiseverband, kurzDRV, wählte seinen neuen Präsidenten. Und wie das in deutschen Vereinen so üblich zu sein scheint, wenn zwei Kandidaten zur Wahl stehen, wird es schnell persönlich und ehrpusselig in der wackeligen Kulisse.

Das Ergebnis werden Sie vielleicht schon wissen: denkbar knapp mit 55 Prozent siegte der ursprünglich einzige Kandidat, Jürgen Büchy – noch Top-Manager bei der Deutschen Bahn. Der unterlegene, wie eh und je schillernde, rhetorisch brillante Ex REWE, Ex LTU und noch mal eineinhalb Seiten touristischen Lebenslauf präsentierende Jürgen Marbach hatte zwar die vermutete Mehrheit der Einzelstimmen in Agadir erkämpft, aber wer die Stimmenpakete der Konzerne nicht komplett hinter sich bringt, muss sich eben mit 45 Prozent zufrieden geben.

Das Erfreuliche an der Seifenoper: Es ging nicht um den Schönen oder das Biest… Beide Kandidaten sind absolut honorig. Und der DRV wird nach der Ära Laepple nun einen neuen Präsidenten haben, der sehr eigene und zukunftsweisende Akzente setzt für die Reisebranche

Das erste Interview nach seiner Wahl gab Jürgen Büchy dem Reiseradio. Klar, präzise und zupackend. Gleich mehr nach der Musik.

Zehn Jahre hat Klaus Laepple den DRV geführt. Zwei Jahre steht er noch an der Spitze des BTW, des Bundesverbandes der Tourismuswirtschaft. Sicher nicht leise. Laepple ist ein Mann mit Ecken und Kanten und Charakter. Ein wirklicher Typ. Nicht zu bremsen, wenn er auf der Bühne ein Mikro zu fassen bekommt. So ein Mann polarisiert. Doch unbestreitbar würde es den DRV vielleicht heute nicht mehr geben in seiner Bedeutung, wenn Klaus Laepple ihn nicht 2000 vor dem drohenden Konkurs gerettet hätte. Im Reiseradio sein großes Abschiedsinterview. Kein Blick zurück im Zorn, aber durchaus deutlich zwischen den Zeilen.

Wie sehr beim DRV sich intern die Machtverhältnisse verschoben haben, konnte man bei der Verabschiedung Laepples erkennen. Der mächtigste Mann im Tourismus, Michael Frenzel von der TUI hält die Laudatio. Der zweimächtigste, Peter Fankhauser von Thomas Cook überreicht das Geschenk. Im Interview mit dem Reiseradio macht Michael Frenzel deutlich, warum den Veranstaltern das Wohl des DRV lieb und auch durchaus teuer ist.

Der Tourismusminister Marokkos, Yassir Zenagui, konnte einem leid tun. Da möchte der Mann die Schönheit des Landes beschwärmen und die für Urlauber so wichtige Sonne – und draußen schüttet es aus vollen Eimern. Er trug es mit Fassung- und durchaus mit Humor im Interview.

Da hatte es der zweite professionelle Lobhudler einfacher: Charm Lee, der Cheftouristiker Südkoreas. Er ist Gastgeber des DRV im kommenden Jahr, und durfte das ferne Land schon mal eindrucksvoll präsentieren. Kleiner Schönheitsfehler: zur Zeit die Schlagzeilen wegen des Scharmützels mit Nordkorea. Im Interview gleich sehrbemerkenswerte Begründungen, warum man sich deswegen überhaupt keine Sorgen zu machen braucht.

(ab 05:35) Bei der letzten Kaffeepause, etwa eine Stunde vor Bekanntgabe des streng geheim gehüteten Wahlergebnisses,zitterten ihm schon leicht die Hände. Fünf Stunden zwischen Wahl und Ergebnis – das offenbart die hochkomplizierte Arithmetik im DRV. Jürgen Büchy, mal als einziger und vermeintlich Wunschkandidat des Vorstandes ins Rennen gegangen, war sichtlich angespannt. Für den DRV bereits den hochbezahlten Job bei der Bahn geschmissen, musste er nach einer fulminanten – und wahrscheinlich von Kommunikationsberatern dramaturgisch perfekt inszenierten – Rede seines „Freundes“ Jürgen Marbach tatsächlich fürchten, als siegreicher Zweiter aus dem Rennen zu gehen. Mit viel Erfahrungen über die Ranküne-Fähigkeiten des DRV, aber bald arbeitslos.

Als gegen 17 Uhr Wahlleiter Gerhard Heine das knappe Ergebnis der siegreichen 1245 Stimmen verkündete, war die Erleichterung im Gesicht greifbar. Doch kurze Zeit später saß mir wieder ein in sich ruhender, rhetorisch brillanter Manager Jürgen Büchy gegenüber. Die Erfahrungen bei der Bahn scheinen für das Leben zu stählen.

Reiseradio 038 – Terrorwarnung bremst die Reiselust? / Michael Frese erzielt 2 Prozent Rendite für DERTour dank Fernzielen und Baustein / Die magischen Verführer: Dr. Hans-Georg Häusel über emotionales Marketing / Die TUI und ihre Zielgruppen: Betty Gebauers strategische Marktforschung / Karl Born geht in die Luft vor Ärger

Immer noch ist man ziemlich fassungslos über die Nachrichtenlage zur angeblichen Bombe und letztendlich von einer Omain höchstgeheimdienstlichem Auftrag gebastelter Attrappe für einen Airberlin-Flug ex Namibia…Kommunikationsmäßig war das wohl der Super Gau in einer ohnehin schon von der Politik und den Medien hochgeheizten Sicherheits-Hysterie. Ein zuständiger Minister Thomas de Maizière, der zugeben muss, so wenig zu wissen, das muss man sich leider auf der Zunge zergehen lassen… (OT ab 01:15)

Sie ahnen es schon, liebe Reiseradio-Hörer, das wird natürlich ein Thema für die Bissigen Bemerkungen am Schluss der Sendung mit Karl Born. Und auch gleich im Gespräch mit DERTour Chef Michael Frese werden wir uns natürlich darüber unterhalten, ob die Bedrohungslage, die angeblich so konkret ist, vielleicht doch durchschlägt auf die beginnendeReiselust der Deutschen.

Natürlich hat auch Michael Frese nur gute Zahlen zu berichten für seine Frankfurter Truppe im REWE Konzern. Einezweiprozentige Rendite bei gut fünfprozentigem Wachstum, damit würde der Manager wieder mal zur Spitzengruppe der Veranstalterriege zählen. Bausteinerfolg rund ums Mittelmeer, der Run auf die Fernstrecke und dieLust am Luxus haben die guten Zahlen ermöglicht.

Jahrelang dachten viele in der Reiseindustrie, es reicht die schräge Palme über dem pudrigen Sand, und schon werden Reisen gebucht. Und wer nicht so weit weg will, der bekommt wahlweise eine knuffelige Kuh auf der saftigen Almwiese oderEimer und Schäufelchen am Ostseestrand als Eyecatcher für die Reiselust. Alles nicht ganz falsch im Prinzip, aber mit durchdachtem Marketing hat das noch nicht viel zu tun. Im Vergleich zu den Konsumgütern ist das Verkaufen von Urlaub immer noch ziemlich simpel gestrickt. Man könnte auch sagen, strunzlangweilig. Dabei gibt es genug geheimeVerführer für fast jedes touristische Produkt. Einer der Gurus auf diesem Gebiet ist Dr. Hans-Georg Häusel von derBeratungsgruppe Nymphenburg. Er kümmert sich sonst um die ganz großen Fälle, wie man zum Beispiel ein dämliches Waschmittel millionenfach besser verkauft, indem man das Gehirn des Konsumente manipuliert. Ob dieMacht des Unterbewussten auch für die Reiseindustrie taugt, darüber unterhielt ich mich mit ihm für unser Topthema heute.

Die TUI hat es schon umgesetzt und leistet sich eine strategische Marktforschung. Und bei denen ist der Urlauber, das unbekannte Wesen, unter einer großen Lupe. Er wird analysiert, segmentiert und zielgruppengerecht hofiert. Ratter, ratter, ratter, und schon fällt der richtige Hotelvorschlag ins Körbchen der Expedientin. Ob der gläserne Tourist wirklich die besten Veranstalter-Produkte bekommen kann, darüber unterhielt ich mich mit Betty Gebauer. Eine Reise auf die dunkle Seite der Verführung.

Reiseradio 036 – Trotz Asche Asche gemacht – TUI im Plus / Exklusive Hotelmarken als Gewinnbringer / Frösche quaken für Millionen – 24 Prozent mehr FTI-Gäste / Bundesregierung brandmarkt Bettensteuer als Wegelagerei / DTV bejubelt Deutschlandtourismus / Touristikpreis für RUF und Kindermusik-Camp / Karl Born und die Mythen der Marktforschung

Seit zwei Tagen sieht man kaum noch die Hand vor Augen. Das liebreizende Istanbul versteckt sich in einer nebligen Suppe. Ein bisschen bösartig könnte man sagen, das Wetter ist kongenial zum Inhalt der Programmpräsentation der TUI… Nein, natürlich nicht. Alles schön, alles gut, Zahlen gibt es natürlich keine, die bösen Börsenvorschriften der PLC Mutter. Aber man gibt sich happy in Hannover. Alles andere hätte nach den Vorgaben der Mitbewerber auch arg verwundert.

Der Marktführer ist natürlich auch optimistisch für die Zukunft, nachdem der Sommer trotz Asche und Fußball doch 5 Prozent mehr Urlauber und 3 Prozent mehr Umsatz in die TUI-Bücher spülte. 10 Prozent liegt man schon im Plus bei den Buchungen für den laufenden Winter. Da müsste schon einiges passieren, wenn der kommende Sommer nicht wieder durchstartet mit der Reiselust. Dazu gleich mehr im Gespräch mit Dr. Volker Böttcher hier in Istanbul.

Sein Kollege Dietmar Gunz, der seine FTI-Touristik ohne lästige PLC führt, reportierte diese Woche gar unglaubliche24 Prozent mehr Gäste im abgelaufenen Geschäftsjahr und endlich eine konkrete Zahl: etwa 10 Millionen Reingewinn als Lohn der Last. Das ist zwar nur eine erst mal magere Umsatzrendite von einem Prozent, aber seit dem 124 Millionen Finanzloch bei der TUI ist man ja auch etwas vorsichtiger geworden, wenn die Großen mit Umsatzrenditen von etwa 3 Prozent prahlen. Etwas abgewandelt könnte man sagen, ich glaube nur der Bilanz, die ich selbst gefälscht habe..

Die Ferne läuft gut, die Nähe läuft gut, und deshalb gab es diese Woche noch ein Happy Happy Erlebnis: den Deutschen Tourismustag in Essen. Auch DTV Präsident Reinhard Meyer konnte sich elegant von Traumzahl zu Traumzahl schwingen. Deutschland schreibt Rekorde bei den Besuchern. Die Flugstrafsteuer kratzt ihn logischerweise nicht so sehr, wie die neuen Begehrlichkeiten der Stadtkämmerer, die nur allzu gerne eine Bettensteuer durchsetzen würden, nachdem Hotelleistungen nun mit 12 Prozent weniger das Finanzamt alimentieren müssen. Und oh Wunder: es gab eine knallharte Absage an die „Wegelagerei“ durch ein Mitglied der Bundesregierung. Der Tourismusbeauftragte,Staatssekretär Ernst Burgbacher, geißelte ohne Interpretationsraum die Abgabe was ihm wahrscheinlich auch leichter fiel, weil die Bundesregierung in dieser Frage auch nicht so recht involviert ist.

Während alle großen Veranstalter in diesen Tagen ausgefeilte Familienurlaubs-Projekte präsentierten, vorwiegend rund ums Mittemeer, konnte ein kleiner Spezialist aus Bielefeld die Jury des Deutschen Tourismuspreises überzeugen: völlig überraschend gewann der Jugendreise-Veranstalter RUF die begehrte Trophäe mit der originellen Idee einesMusik-Festival-Camps für 12 bis 15 Jährige – auf Rügen. Ganz ohne Dieter Bohlen, aber mit viel Spaß für die Kiddies und als Beweis, dass auch Urlaub in Deutschland keineswegs schnarchig sein muss für Jugendliche – wenn sie denn ohne Eltern reisen dürfen.

Und mit meinem Lieblingsprofessor Karl Born musste ich nach überwältigendem Hineinschnuppern in die Hexenküche der touristischen Marktforschung doch einfach ein bisschen Ablästern über Cosmo Spa Naturalists und Regulated Families als die neuen Zielgruppen für das Glück der Reiseveranstalter.

Karl Born und die Mythen der Marktforschung

Auf dem Deutschen Tourismustag – großes Lob – gab es ein Einführungsreferat, das sich die meisten Deutschland-Touristiker wahrscheinlich nicht hätten leisten können, wenn sie es bezahlen hätten müssen: nämlich die Gebrauchsanleitung, in den Kopf des Kunden zu blicken und ihn entsprechend verführen zu können. Wie das funktionieren soll, werde ich in einer der nächsten Sendungen verraten – im Gespräch mit Dr. Hans Georg Häusel, dem Guru der Marketing-Hirnforschung. Aber auch bei den Programm-PKs der Veranstalter war die segmentierende Marktforschung auf einmal das Topthema. Heute ganz extrem bei der TUI als immer noch konsequentestem Vordenker der Branche. Ist alles toll und auch ziemlich logisch und schlüssig, und versprochen, wir werden es ganz serös sehr bald behandeln als Thema, aber sehen Sie es mir nach… Es juckt einfach zu sehr, dass ich erst mal meinem Lieblingsprofessor Karl Born die Chance geben muss, ein bisschen abzulästern über den Psychologie-Grundkurs für die kleine Expi-Maus 🙂