Touristik Talk

Wasmitreisen - Das erste Reiseradio für Profis im Internet

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Hintergrund, Klatsch und Service für Touristik-Profis

Reiseradio 066: TUI Programm-PK – alles ist schön, alles wird teurer / Allegra und Co – alles frisch macht der Fluss? / „Aburteilung“ am Mittwoch? Klaus Bötig und die griechische Ehre / Überflug: traumhafter Film über die Nordsee / Alles Watt – ein Weltnaturerbe und seine Besucher / Motel One – eine Low-Budget Hotelgesellschaft boomt

Das Reiseradio dieses Mal auf leicht schwankenden Planken. Dem Reinen ist alles rein, und deshalb sind wir auch auf dem Rhein – das hat sich die TUI so gedacht. Wir senden nämlich von der Allegra, einem ihrer neuen Fluss-Schiffe, mit denen sie den Markt aufrollen will. Dazu später noch mehr im Interview mit Andreas Casdorff, dem verantwortlichen Süßwasser-Matrosen in Hannover. Die TUI eröffnet an diesem Wochenende auf dem Schiff den Reigen der Veranstalter mit ihrer Programmvorschau auf den Winter. Die Journalisten sahen gerade einen entspannten Dr. Volker Böttcher, für den die laufende Sommersaison ganz nach Geschmack verläuft. Da gab es zwar Hektik am Anfang des Jahres durch die nordafrikanischen Umstürze, aber die Reiselust der Deutschen ist in diesem Sommer mehr als lustig. Das bedeutet für die Kernmarke TUI ein Umsatzplus von fast 14 Prozent. Da kann man nicht meckern. Denn dadurch festigen sich vor allem auch die Marktanteile, die ja in den letzten Saisons durch preisaggressive Mitbewerber etwas bröckelten. Wie die TUI sich aufgestellt hat im Markt und was sie in der Wintersaison plant, dazu gleich mehr im Interview mit Dr. Böttcher.

Auch Griechenland profitiert von verstärkten Buchungen, was ja irgendwie auch beweist, dass die Deutschen nach wie vor starke Sympathien haben für dieses liebenswerte Völkchen, das uns finanziell momentan so unter Druck setzt. Wer aber nichts mehr hat, außer Schulden, der will wenigstens noch seine vermeintliche Ehre retten. Das muss gerade mein Kollege Klaus Bötig erfahren – Sie erinnern sich vielleicht an den Fall, wir hatten vor Wochen in der Sendung 58 schon einmal ein Interview darüber. Damals hatten wir spekuliert, die absurde Anklage durch die Athener Staatsanwältin würde still und heimlich Richtung Ablage P wandern. Mitnichten. Am Mittwoch ist der Prozess – der den freien Journalisten jetzt schon an den Rand des finanziellen Abgrunds bringt.

In Deutschland – vorwiegend in kleinen, feinen Programmkinos – gibt es gerade einen wunderbaren Dokumentarfilm über die Nordseeküste. Bezeichnender Titel „Die Nordsee von oben“ – da er nur aus Flugaufnahmen besteht. Jetzt denken Sie vielleicht auch spontan, och, das wird bestimmt schnell langweilig. Aber mitnichten. Die Spezialkamera kann aus einem Kilometer Höhe einer Ente wackelfrei ins Auge blicken. So nah dran an den Schönheiten der Nordsee waren Sie sicher noch nie. Ich sprach mit den beiden Filmemachern Silke Schranz und Christian Wüstenberg.

So schön es auch ist, die einzigartige Natur des Wattenmeers aus der Luft zu erfassen – richtig erlebbar wird es erst, wenn der Schlick zwischen den Zehen quietscht. Aber was bedeutet das, wenn ein Weltnaturerbe von Touristenscharen geliebt wird? Und kann und muss man ihnen mehr bieten, als nur Schlickwurm und Pril. Dazu unterhielt ich mich mit Jens Enemark, dem Leiter des Internationalen Wattenmeer-Sekretariats und seiner Kollegin Christiane Gätje, die sich in der Nationalparkverwaltung des Schleswig-Holsteinischen Wattenmeers um die Gäste kümmert.

Einer der ungewöhnlichsten Erfolgsgeschichten in der deutschen Hotellerie trägt den Titel Motel One. Die liebevoll durchgestalteten Preiswert-Herbergen haben die Marktlücke erkannt, dass der Boom der Billigflieger auch ein entsprechendes Übernachtungsangebot braucht. Keine Hotelgesellschaft in Deutschland ist so schnell gewachsen. Ich sprach mit dem Gründer Dieter Müller über türkise Designsessel und Kaminfeuer auf LCD-Bildschirmen.

Auf meinen Lieblingsprofessor muss ich heute leider verzichten. Der Rhein ist zwar extrem romantisch, aber auch extrem schlecht abgedeckt in Punkto Internet-Verbindung. Das angedachte Skype-Gespräch von Bord der Allegra will einfach nicht funktionieren. Und ich möchte Ihnen ein Hörerlebnis wie früher am Kurzwellensender der Deutschen Welle mit Aussetzer, Knastern und Rauschen nicht zumuten. Von daher weiß ich jetzt auch noch nicht, wann Sie mich tatsächlich hören können nach der Produktion der Sendung. Vielleicht kann ich das Reiseradio gleich von Land flott hochladen, oder es wird quälend langsam über das Handy in die Internetwolke tröpfeln. Egal, wie und wann, schön, dass Sie uns wieder zuhören.

Reiseradio 065 – Witziges Wohnen auf dem Wasser – Trendurlaub auf den Seen rund um die Müritz / Amorphes Hotel im Farbenrausch – das neue nhow in Berlin / Shooting-Star im Hoteldesign: Karim Rashid aus New York

Das Reiseradio ist zurück von der Mecklenburgischen Seenplatte, wo es die letzten Tage viel Wasser von unten und auch von oben gab. Urlaub auf dem Wasser ist ja derzeit eines der Trendthemen in Deutschland. Mecklenburg Vorpommern möchte da ganz vorne mitspielen. Schließlich hat man nicht nur die äußerst erfolgreiche Ostesseküste, sondern mit der Müritz auch noch den größten See Deutschlands zu bieten.

Womit man auf den über 1000 Seen und Flüssen und Kanälen alles so unterwegs sein kann, dazu erfahren Sie einiges im Reiseradio. Oder wussten Sie schon, was ein BunBo ist, oder ein Freecamper oder ein Lütt Hütt? Neue Trendgefährte für Jedermann, also auch die, die keinen Bootsführerschein besitzen, haben wir angetestet. Ziemlich sicher haben sie Potenzial, Urlaubs-Renner der kommenden Jahre zu werden.

Auch, wenn das Wohnen auf dem Wasser ja überwiegend eine leicht rustikal-einfache Note hat – in der Hotellerie kann man heute nur Aufmerksamkeit erregen, wenn das Design und das Konzept für Überraschung sorgen. Eine der vielbeachteten Neueröffnungen im an Hotels wirklich nicht armen Berlin liegt etwas außerhalb an der Spree – zwischen Universal Music und MTV jenseits noch der Oberbaumbrücke. Das Musikhotel nhow. Für die spektakuläre Innenarchitektur zeichnet Karim Rashid verantwortlich. Das Multitalent aus New York, das Designpreise und Awards im Dutzend sammelt, hat mit dem nhow ein kunterbuntes Kinderparadies für Erwachsene geschaffen. Im Reiseradio philosophiert Karim Rashid über die Anforderungen an gelungenes Hoteldesign, und warum er den Gestaltungsbarock amerikanischer Hotelketten so vorgestrig findet.

Mit Karl Born betrachten wir wieder die Skurrilitäten der vergangenen Woche über Berggipfel, die fast zum Verkauf standen, Welterbe-Orte, die von den Chinesen kopiert werden sollen bis hin zu rollenden Fahrkarten-Wohnwägen der Bahn, mit denen man auf dem platten Land so etwas wie das Mobilitäts-Eismännchen spielen möchte…

Karl Born und das Abstellgleis

Warum darf man keinen Schotterstein-Berggipfel für viel Geld verscherbeln, ohne die Ehre einer Nation zu besudeln? Warum könnten sich die Pleite-Griechen sich noch nicht mal gewinnbringend von manchen ihrer Inseln trennen, weil kein Interessent da wäre? Warum ist es gut, wenn die Chinesen lieber berühmte Orte auf der ganzen Welt kopieren und daheim nachbasteln? Warum heißt Grube jetzt schon wieder Mehdorn? Warum kauft die von den Bürgern so ungeliebte Bahn für über eine Milliarde neue Züge, die nun auf dem Abstellgleis stehen? Und warum will man im wilden Osten jetzt Bahntickets aus dem Eismännchen-Wohnwagen verkaufen? Die touristische Welt ist jede Woche voller Absurditäten, so dass Karl Born und mir die Themen zum Glück nie ausgehen werden.

Reiseradio 063 – Dehoga Präsident Fischer: keine Gnade für dreckige Restaurants / Umwelt war gestern – Nachhaltigkeit ist heute: TUI geht mal wieder voran / Das Schweizer Bergdorf Vnà mag kein Hotel sein: vom Scheitern einer klugen Idee / Eintrittsgebühr in die USA für Behörde statt Werbung?

Wir haben eigentlich zwei Schwerpunkte heute im Reise Radio. Zum einen kümmern wir uns um die Lage der Hoteliers und Gastronomen in Deutschland. Dazu gleich ein Gespräch mit Dehoga Präsident Ernst Fischer. Aber es geht auch um den Begriff Nachhaltigkeit im Tourismus, Jetzt höre ich schon Ihr Aufstöhnen. Oh je, Reiseradio macht heute eine Gutmenschen-Sendung. Als ob die Branche nicht andere Probleme hätte. Aber seien Sie gespannt, wie konkret Bemühungen um nachhaltigeres Reisen auch im Volumen-Tourismus erfolgsversprechend sein können, wenn privatwirtschaftliche Konzerne und Entwicklungshilfe gemeinsame Sache machen. Und wie sehr Hilfe auch scheitern kann, wenn man Betroffene ohne böse Absicht zu ihrem Glück ein wenig zwingen möchte…

(ab 07:35) Wenn Interessensverbände zur Lage der Branche laden, dann ahnt man als Journalist in der Regel den Inhalt schon voraus: die Lage ist hoffnungslos, aber zum Glück nicht ernst. Klagen gehört zum Geschäft. Das haben die Bauernverbände beispielgebend so vorgeführt. Auch Dehoga Präsident Fischer wollte trotz Steuerersparnis und Rekord-Übernachtungszahlen nicht nur Hosianna murmeln. Er möchte die reduzierten Steuersätze nun auch in Schritt Zwei für die Gastronomie durchsetzen. Man muss sich eben noch Ziele setzen. Aber eben nicht für alle Betriebe: selten hat ein Verbandschef so massiv die Schließung von Restaurants und Futterbuden gefordert, die ekelig bei den Kontrolluntersuchungen auffallen. No mercy. Keine Gnade. Nun bleibt die Frage, ob Fischer den Rächer der Sauberen gibt, der ob er nur ein verbal schlauer Fuchs ist, um die ungeliebte Hygiene Ampel zu vermeiden. Urteilen Sie selbst nach dem Interview.

(ab 24:30) Bei Nachhaltigkeit im Tourismus hat man ungerechterweise immer so das Bild der Sandalenträger vor Augen, die etwas unbequem in den Strandhütten einer Wasserindianer-Kollektive sinngebend auf Kurzzeit leben wollen, wie die Einheimischen und ganz gestresst sind vom permanenten Versuch, sich höflichst zu assimilieren. Sozusagen der Gegenentwurf zum rülpsenden Ballermann. Von den nachdenklich durch die Welt Stolpernden profitieren Veranstalter, wie die von Anders Reisen. Von den anderen die Volumenveranstalter. Einer, und sogar der volumigste, hat aber jetzt auch die Nachhaltigkeit für den Massentourismus entdeckt. So dezent, dass es den Urlaubern nicht weh tut und als Spaßbremse missverstanden wird, aber so wirksam, weil eben Millionen kleiner Schritte in der Regel weiter führen, als beherztes Auftreten einer Mini-Elite. Es erwartet Sie ein sehr interessantes Gespräch mit dem Nachhaltigkeits-Beauftragten der TUI, Professor Harald Zeiss und Klaus Lengefeld von der GIZ, der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit.

(ab 40:30) Aber…: dass Gutes wollen, Gutes machen nicht unbedingt zum nachhaltigen Erfolgserlebnis wird, wenn man es versäumt, die Seelen der Betroffenen rechtzeitig mitzunehmen auf den neuen Weg, das zeigen wir im folgenden Gespräch. Ein Dorf wird Hotel. Das war so ein Musterprojekt. Über so etwas berichten Journalisten gerne. Da wird anscheinend alles richtig gemacht. Win-win-Situation für alle. Das ist Tourismus, wie wir ihn lieben… wollen. Aber im Engadiner 70-Seelen-Bergbauern-Dorf Vná waren die Bauern stur. Städter würden arrogant murmeln, sie waren etwas beschränkt und haben die Chancen nicht gesehen. Auf jeden Fall wollen sie lieber, das alles so bleibt wie früher. Und bauernschlau haben sie erkannt, dass durch die weltweite Aufmerksamkeit auf das Bergdorf Vná die Maklerpreise für wackelige Hütten astronomisch in die Höhe geschossen sind. Auch so kann man scheinbare Armut bekämpfen. Wenn auch nicht in touristisch gewünschter Weise. Wir sprechen mit einer der Initiatorinnen, Urezza Famos.

http://www.hotelvna.ch/

http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,593384,00.html

(ab 54:55) Irgendwie wird auch Amerika-Reisenden seit Anfang des Jahres vorgegaukelt, die neue Einreisegebühr in die USA würde nachhaltig für etwas Gutes verwendet. Nämlich die Tourismuswerbung für das großartige Land. Leider bekam mein Kollege Rüdiger Edelmann auf dem Pow Wow in San Francisco den Eindruck, hier entsteht eine gefräßige, sich selbst ernährende neue Behörde, die vor allem sich selbst verwaltet und alimentiert – mit einem Behördenleiter, dessen Fachkompetenz nur Spurenelemente von Tourismusmarketing enthält.

(ab 01:02:45) Vielleicht sollten wir nur noch virtuell nach Amerika reisen. Nein, so viel Online und Digital möchte selbst der Fachverband des Internet-Reisevertriebs nicht. So lange Gedankenreisen à la Total Recall nur Hollywood-Phantasien mit Arnold Schwarzenegger sind, sollte am Ende des Beratungs-Prozesses auf durchschnittlich 13 Webseiten auch irgendwann eine Buchung stehen. Darüber – unter anderem – unterhalte ich mich mit meinem Lieblingsprofessor Karl Born, dessen Liebe zum Internet legendär ist.

Reiseradio 061 – Zurück ins Übermorgen: Dubai brummt mal wieder / Mit dem Baedeker auf den Spuren Erneuerbarer Energien: neuer Deutschland-Führer / Mit dem Solarmobil einmal um die Welt: Louis Palmer begeistert

Das Reiseradio ist etwas ermattet. Über 40 Grad heute im Schatten, den es hier eh kaum gibt. Wir sind gerade in Dubai. Und bevor Sie jetzt als Touristiker kurz aufschrecken: nein, Sie haben keinen Termin für wieder mal einen neuen Superlativ am Golf verpasst. Es war eher so eine spontane Idee, jetzt, wo Air Berlin nonstop aus Berlin fliegt, und man schon nach etwa 6 Stunden im Wonderland von Scheich Al Maktum landet. Rundherum im Nahen und Mittleren Osten brodelt es – mit katastrophalen wirtschaftlichen Folgen gerade auch in den Länden, bei denen der Tourismus das Einkommen sichert – und Dubai ist wieder mal dabei, nach der Wirtschaftskrise den Phönix aus der Asche zu performen. Trotz Nebensaison. Es brummt hier, Hotels nahezu ausgebucht, und der alte Spruch gilt umso mehr: Dubai ist für Deutschland im Winterhalbjahr die naheste sichere und Sonnensichere Destination. Auch für Familien. Und deshalb gleich ein Gespräch mit dem Manager Kyp Charalambous. Er arbeitet im – immer noch – Signatur-Hotel des Golfstaats: im Atlantis-Komplex auf der Jumeirah Palme.

Wenn man in der so genannten Altstadt von Dubai das historische Museum besucht, dann mag man es angesichts des Overkills an Wolkenkratzern kaum glauben, dass noch vor 50 Jahren neben den Beduinenzelten nur ein paar ziemlich schäbige Fischerhütten am Creek standen. Damals hätte noch niemand auch nur im entferntesten gedacht, dass sich an gleicher Stelle einmal die modernste Metropole des Mittleren Ostens ausbreiten würde. Städtebaulich gesehen, wahrscheinlich sogar eine der modernsten Metropolen der Welt. Und wenn es damals schon die CBI des Niederländischen Außenministeriums gegeben hätte – eine Art Task Force mit Experten, die Entwicklungsländern Tipps und Hilfe geben, wie sie ihr Land bei uns in Europa optimal präsentieren und vermarkten können – dann wäre es zumindest denkbar gewesen, dass ein Mann, so, wie Wolfgang Coym, sich in eines der Beduinenzelte gehockt hätte, um den Scheichs Nachhilfe-Unterricht zu geben, wie man das Land präsentieren sollte, um touristisch wie aus 1001 Nacht zu wirken. Es hat, der Petrodollars sei Dank, auch so geklappt. Und Wolfgang Coym sitzt weiter nicht bei Scheichs, sondern armen Schluckern. Sie wollen alle ein Stückchen abhaben vom touristischen Kuchen, wissen aber nicht wie. Im Reiseradio erzählt der Urlaubsberater, worauf es ankommt.

Es ist schon Ironie, dass ausgerechnet ein Land wie die Vereinigten Arabischen Emirate, das geradezu prädestiniert wäre für die erneuerbare Sonnenenergie, auf einem riesigen Erdöl-See sitzt und deshalb für das Energie-Sparen in der Regel nur ein leichtes Lächeln übrig hat. Ja, es gab hier auch mal einen Preis für „Grünen Tourismus“, aber eine Zweitauflage befindet sich mangels Masse erst mal in der Warteschleife. Und so werden in der Wüste weiter die offenen Wartehäuschen der Bushaltestellen gekühlt, die riesigen Golfplätze besprenkelt, und die Fontänen und Pools der Wasserparks und Hotelresorts gaukeln paradiesische Oasen-Wollust vor.

Wenn also Martin Frey, ein Journalisten-Kollege mit Fachgebiet „Erneuerbare Energien“ den Auftrag bekommen hätte, einen Reiseführer zu schreiben für Touren zu den interessantesten Energieprojekten am Golf, dann wäre wahrscheinlich nur eine hauchdünne Broschüre herausgekommen. Aber er durfte sich am Musterland Deutschland austoben – für einen neuen Baedeker, der an Stelle von Kirchen, Klöstern und Kodak-Moments Solaranlagen, Windparks und Wärmepumpen-Attraktionen auflistet. Auch eine Art von Tourismus, sich so etwas anschauen zu wollen. Martin Frey ist vom Erfolg des Bändchens überzeugt – und deshalb unterhielt ich mich mit ihm.

Und dann haben wir noch – auch irgendwie passend zum Ort Dubai – das Gespräch mit Louis Palmer, der mit seinem Solarmobil einmal um die Welt kurvte, Rolf Nöckel denkt wehmütig an seine alte mechanische Kamera, und was er mit ihr auf seinen Reisen so alles erlebte, und zusammen mit meinem Lieblingsprofessor Karl Born versuche ich wieder, die touristische Woche zu vertiefen, die einen angesichts des immer vermeldeten Buchungsbooms doch einigermaßen ratlos zurückließ, warum die Wirtschaftszahlen der meisten Veranstalter so unendlich mau sind.

Karl Born und alles wird besser

Warum muss man sich jetzt aufregen über die Dänen, die noch vor den Ferien an den Grenzen wieder Kontrollettis postieren wollen? Warum ist Strandliegen-Besitzer zu sein in Italien ein Traumjob, wenn man die richtigen Leute in der Politik kennt? Warum gibt es erst jetzt Knöllchen fürs Ballermann-Grölen? Warum gibt es in diesen Tagen so viele touristische Verlierer? Ägypten, Air Berlin, TUI, Thomas Cook….? Und das, wo es doch dem Tourismus wieder so gut geht… Das bedarf professoraler Antworten und ein Skype Gespräch mit Karl Born.

Reiseradio 050 – Und jährlich grüßt das Murmeltier – die letzten Tage vor der ITB / Des Kaisers neue Kleider – der neue TUI-Flagshipstore / Des Smileys sanfter Klänge – akustische Radio-Premiere mit Patrick Nuo

Kleiner Hinweis in eigener Sache – darf vielleicht erlaubt sein: diese Sendung feiert ein bescheidenes Jubiläum – das 50. Reiseradio. Schön, dass Sie wieder dabei sind.

Noch eineinhalb Wochen, und dann geht sie wieder los – die Weltmesse des Tourismus, kurz ITB. Wahrscheinlich werden nahezu hundert Prozent meiner Zuhörer sich auf den Weg nach Berlin machen. Same procedure as every year. Schöne bunte Reisewelt. Und eigentlich wäre sie ein Rundum-Sorglos-Glücklich-Event gewesen bei den Prognosen über die Reiselust, wenn, ja, wenn nicht die Befreiungswelle im nördlichen Afrika als Nebenwirkung das touristische Geschäft ziemlich aus dem „business as usual“ in dieser Saisonzeit gerissen hätte. Nach Tunesien und Ägypten können Urlauber seit dieser Woche zwar wieder reisen, aber die Normalität ist natürlich noch lange nicht eingekehrt. Vor allem hinter den Kulissen. Ich habe mich mit Dr. Martin Buck deshalb vor allem über die Irritationen unterhalten, die immer noch nicht überstanden sind im Hallenblock der arabischen Länder.

Ein kleiner Schritt über die Schwelle, ein großer Schritt für das Dauerthema Reisebüro-Zukunft. Letzte Woche hat in Berlin der neue, sagen wir mal, Flagship-Store der TUI offiziell aufgemacht. Direkt gegenüber von Wunderkind, dem Signaturladen von Wolfgang Joop am Gendarmenmarkt. Jetzt werden Sie sagen, die TUI hatte doch schon längst eine üppige Repräsentanz Unter den Linden. Und jetzt gibt es zwei Antwortmöglichkeiten. „A“ – ja, das Ladenlokal da ist weg. Kommt jetzt so ein gehobener Edel-Fast-Food rein, mit dem man sicher mehr Geld verdienen kann, als mit einem schönen, aber nicht der Wirtschaftlichkeit verpflichtet gewesenen Reisebüro. „B“ – ja, aber das alte Vorzeige-Reisebüro der TUI war einfach nicht mehr zeitgemäß. Und jetzt die Lage ist eigentlich viel schicker, und das Konzept viel moderner. Über die Antwort „B“, und was eigentlich dahintersteckt, rede ich gleich mit dem Chef des TUI Marketings, Michael Lambertz und der Leiterin des Büros, Beate Arnold.

Und natürlich spielt die Neueröffnung des edlen Musterladens für das TUI-Reisebüro der nächsten Dekade auch die Hauptrolle in meinem Skype-Talk mit meinem Lieblingsprofessor Karl Born. Denn der war ja, bevor er sich der Bissigkeit zuwandte, in leitender Vorstandsfunktion bei eben diesem sympathischen, kleinen Reiseveranstalter. Jetzt halten sicher einige in Hannover schon erschrocken die Luft an.. Keine Sorge, liebe TUIaner, Karl mag das Konzept.

Und noch was verrate ich an dieser Stelle: Sie erleben heute eine öffentliche Welt-Uraufführung, weil ja die ganze Welt, theoretisch, dabei sein kann: der neue TUI Song von Patrick Nuo – exklusiv im Reiseradio. Mein kleines Geschenk. Schön., dass Sie dabei sind.

Karl Born und die Lust im Reisebüro

Mein Lieblingsprofessor saß quasi schon auf gepackten Koffern, als er noch mal seinen Laptop auf den Balkon trug und mit einem letzten Blick auf die untergehende Sonne auf Lanzarote die Skype Verbindung nach Berlin wählte. Ende eines Urlaubs – mit unerwartet vielen Ägypten-umgebucht-irgendwie-irritiert-die-Sanddünen-suchenden-Mitreisenden. Klar, dass wir uns auch über Ägypten noch einmal unterhalten, bevor wir die Reise über die TUI-Kuschel-Lounge-Bar-Design-IPad-Urlaubsberatung und die Lust der Mächtigen auf Hofsänger oder –innen auf das eigentlich wichtige Thema lenken: diese 50. Ausgabe, und wie viel Blut, Schweiß und Tränen mit unser beider montäglichen Newsletter verbunden sind. Nein keine Angst. Wir klagen nicht.

Reiseradio 049 – Eine Sandkiste für den Herrn der Ringe: wie Air New Zealand sich zum Event macht / Vive le Chamapgne! Ein Kessel Buntes aus Frankreich

Es ist sicher keine große Überraschung, dass das Auswärtige Amt nun vor Reisen nach Libyen warnt – was zumindest die touristische Industrie nicht besonders berühren dürfte. Schon mehr die Diskrepanz zwischen der offiziell vom AA bestätigten Ruhe an den touristischen Orten in Tunesien und Ägypten und der quer durch die Parteien im Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages geäußerten Meinung, auf keinen Fall jetzt nach Ägypten fahren zu wollen. Liebe Fachpolitiker, wenn ihr als privater Hans Fliegenschiss gefragt werdet, dann könnt Ihr Unsinn reden, so viel Ihr wollt. Aber die touristische Industrie hat schon einen Anspruch darauf, dass das höchste für sie zuständige politische Gremium nicht seit Wochen nur durch Dumpfbacken-Gequatsche auf sich aufmerksam macht. So, musste ich auch mal loswerden.

Diese Woche im Reiseradio geht es vordergründig um zwei touristische Produkte. Ein großes, nämlich das Urlaubsland Frankreich, und ein kleines, spezielles, die Fluglinie Air New Zealand. Nicht wirklich vergleichbar. Aber wir kümmern uns auch weniger um das Produkt, ob es schön, günstig, lohnenswert oder was auch immer ist, sondern um die Art, wie es werbend nach außen angepriesen wird.

Auf der einen Seite haben wir die klassische Sisyphos-Arbeit eines klassischen Fremdenverkehrsamtes. Und da haben es die Franzosen ähnlich schwer, wie ihre Kolleginnen und Kollegen von der DZT. Sie müssen ein ganzes Land mit zig Regionen und zigzig kleinen Highlights werbend präsentieren. Natürlich absolut neutral und gleichberechtigt, da wachen die Kleinst-Fürsten schon sehr eifersüchtig drauf. Das Ergebnis: leider ziemlich langweilig, wenn man es sehr höflich formulieren möchte. In dieser Situation befindet sich seit Jahren Thomas Schmidt, der Frankreichs PR für Deutschland verantwortet. Da braucht man unerschütterliche Zuversicht, die er im Gespräch mit dem Reiseradio auch tapfer beibehielt.

Auf der anderen Seite gibt es so eine neue Art von Guerilla-PR auch im Tourismus. Aktionen, die sich nicht mehr in Prospekten und wohl formulierten Pressemeldungen erschöpfen. Da werden Aktionen entwickelt und Events, die quasi über die Hintertür für ein Urlaubsprodukt werben. Über manches hatten wir im Reiseradio schon berichtet, wie die Frikandeljagd der Holländer, oder den Ein-Jahres-Traumjob der Queenslander. Diese Woche gibt es Sand satt in Frankfurt und Düsseldorf. Mollig warm temperiert und mit allerlei Schabbernack dekoriert im Zeichen Neuseelands. Da herrscht nämlich jetzt kuscheliger Sommer. Marina Noble muss nun mit ihrer Agentur dieses eigentliche Nicht-Ereignis zum Entertainment erklären und in die Medien bringen – auf dass auch ein Brosamen Werbung für den Initiator Air New Zealand abfällt. Das geht nicht mehr allein über klassische Kanäle, sondern nur noch zusammen mit Neuen Medien. Über die Strategie mit einem Glascontainer voller Sand gleich mehr im Gespräch.

Karl Born erholt sich gerade auf Lanzarote. Was natürlich kein Grund ist, dass wir uns nicht am Sonntagabend über die touristische Welt lästernd austauschen. Vom Tourismusausschuss mit seiner beeindruckenden Intellektualität in Punkto Ägypten, über Reiseveranstalter in absolute Krisengebiete bis hin zu Mäusen in der Flugsicherheit reicht das Spektrum. So unkonventionell, wie Sie es jede Woche erwarten können. Schön, dass Sie wieder dabei sind.

Karl Born und das Abenteuer Reise

Urlaub ist Abenteuer, denkt sich der Schweizer Reiseveranstalter Babel Travel und bietet Afghanistan genauso an, wie den Irak, Somalia oder den Sudan. Das sind sicher keine Rundreisen für sensible Naturen, und man sollte gut versichert sein, aber es ist so schön unsinnig, dass es ebenfalls die Hürde geschafft hat ins Reiseradio zu meinem Lieblingsprofessor Karl Born. Denn wir reden heute sehr viel über Abenteuer – bis hin zu abenteuerlichen Dummheit, die Politiker häufiger befällt, wenn sie sich zum politischen Nicht-Thema Tourismus äußern.