Touristik Talk

Wasmitreisen - Das erste Reiseradio für Profis im Internet

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Hintergrund, Klatsch und Service für Touristik-Profis

Reiseradio 077 – Dr. Volker Böttcher: die ganze Wahrheit über GET15 bei der TUI / Minister AbdelNour: die ganze Unbekümmertheit über Ägypten / Verkaufschefin Härpfner: die ganz neuen Kleider von Center Parcs / Tourismuswerber Gruber: die ganz schön weiße Ski-WM für Touris in Schladming

Was kann WASMITREISEN Ihnen diese Woche anbieten? Ich komme gerade zurück aus Amsterdam, was ja wirklich immer eine Reise wert ist. Aber Grund des Besuchs war die Neueröffnung der Marina im Center Parc de Eemhof, etwa 40 Minuten Autofahrt von Amsterdam entfernt. Da sind jetzt Luxusapartments entstanden im Stil von Port Grimaud an der Côte d’Azur. Und der im Winter eisfreie Yachthafen kann 20 Meter Yachten aufnehmen. Also beides klassische Attribute der Center Parcs Klientel… J Das hat mich natürlich gejuckt, ein Gespräch zu führen mit der deutschen Verkaufschefin der Ferienresort-Gruppe, Stefanie Härpfner, wie man sich denn künftig positionieren möchte.

Es ist mittlerweile kein Geheimnis mehr, was sich hinter GET15, dem Reformprogramm der TUI, verbirgt. Aber es ist immer schön, so etwas unredigiert und authentisch aus dem Munde des verantwortlichen CEOs zu hören. Wie man sich fühlt, wenn man 550 Mitarbeiter entlassen muss, wo die Strategie des völlig neuen Webauftritts der TUI ansetzt und wie man intern werben muss, sich dort auch zu engagieren. Wie man Reisebürokunden künftig psychologisch analysiert und ihnen die eigenen Produkte verkaufen möchte. Und warum nicht mehr unbedingt überall das Quäntchen mehr TUI drin ist künftig, obwohl TUI drauf steht. Dr. Volker Böttcher ist wie immer offen im Reiseradio – und verrät auch, ob er ebenfalls eine der mysteriösen Air Berlin Karten besitzt, über die es in den letzten Tagen so viel künstliche Aufregung gab.

Ägypten ist für den Urlauber absolut sicher. Das sagte vor wenigen Tagen seine Exzellenz, Herr AbdelNour, der ägyptische Tourismusminister. Ein sympathischer Herr mit viel Lächeln im Gesicht. Allerdings wusste er da auch noch nicht, dass es wieder Unruhen geben würde am Wochenende in Kairo mit wirklich schlimmen Bildern, die nicht gerade an sonnige Entspannung im Land denken lassen. Doch Monir AbdelNour verströmt generell Optimismus. Wahrscheinlich ist das auch die einzige Währung, die er momentan hat. Denn niemand weiß, was nach den Wahlen im November – also unmittelbar vor der so wichtigen Wintersaison, passiert. Inwieweit radikale Islamisten das Land beherrschen werden. Eine Alptraum-Vorstellung für jeden Touristiker. Herr Minister ist im Gespräch mit dem Reiseradio, na was wohl, mild lächelnd optimistisch.

Noch ist ein wenig Zeit bis zur nächsten Weltmeisterschaft im Skisport, aber Schladming am Dachstein rüstet schon mächtig auf. Bereits in diesem Winter kann man schon mal probefahren auf den neuen Pisten, die extra für das große Ereignis in die Hänge gegraben wurden. Wahrscheinlich sollten das aber auch nur diejenigen im Sinn haben, die auch ansonsten bei schwarzen Pisten keine Schockstarre bekommen. Hermann Gruber vom Tourismusverband erzählt uns, was man von Garmisch gelernt hat, und wie man sicherstellen möchte, dass kein Hotelier auch nur daran denkt, unanständig an der Preisschraube zu drehen.

Joachim Löw: wirklich ein Fall für den „Customer Profiler“

Hier zeigt WASMITREISEN Ihnen den ungeschnittenen Werbespot mit Jogi Löw… So haben Sie ihn noch nie im TV gesehen… Vor allem das Ende… Ein klassischer Fall für das neue „Customer Profiler“-Tool, mit dem TUI-Expedienten in Zukunft besser die Wünsche ihrer Kundschaft erahnen sollen…

Reiseradio 075 – Konzernumbau zum Kundenversteher: Dr. Volker Böttcher zu GET15 bei der TUI / Kultur als touristisches Förderprogramm – Berlin boomt wegen der Kunst / Welttreffen der Königinnen: Blaue und Rote Mauritius gleich 18fach / Trekking für Abenteurer – das neue Buch von Michael Vogeley

Das Reiseradio nach einer K-Woche sozusagen. Ich hatte an einem Ort der Kommunikation mit Königinnen zu tun. Gleich mit 18 wertvollen Damen sogar. Ich habe erfahren, dass Kunst und Kultur es durchaus mit Kommerz im Tourismus zu tun haben, und dass ein Konzern trotz Klagen sich neu erfinden muss, um weiter seinen Kunden konkurrenzfähige Kaufangebote machen zu können.

Dr. Volker Böttcher hatte sich nach boulevardesken Kahlschlag-Schlagzeilen ausgerechnet die ehrbare Zunft der Berliner Kaufleute ausgewählt, um über das Umbauprogramm GET15 zu referieren, das die TUI fit machen soll für die neuen Herausforderungen an Touristikunternehmen. Angesichts der Überkapazitäten kann man die Preise kaum noch kontrollieren. Der Markt zerfällt in zwei Kontingente oder Cluster. Auf der einen Seite „billig will ich“, auf der anderen „was lacostet die Welt?“, aber bitte mit Erlebnisgarantie. Das könnte eine erbauliche Stunde für Marketinggeschwurbel über modernen Mainstream werden, aber leider hat die um sich greifende Unlust an der standardisierten Katalogbuchung auch die Schattenseite, dass die TUI die Kosten herunterschrauben muss. Und das heißt nichts anderes, als Kick-Off beim Personal. Im Reiseradio versucht Dr. Volker Böttcher, das Ganze in kommode Worte zu verpacken.

Wenn es um Kunst und Kultur geht in der Politik, dann versuchen Volksvertreter der eher robusten Art gerne die Konkurrenz herauszustellen zwischen den Nöten einer Kindertagesstätte und dem schwelgerischen Luxus irgendwelcher hochsubventionierter Opernsessel für die Klientel der Besserverdienenden. Kultur sei so etwas wie ein Fass ohne Boden für den Kämmerer. Aber jetzt schlagen die Künstler zurück. Die, denen man nachsagt, sie könnten nicht rechnen. Können Sie wohl, denn eine Stadt wie Berlin zum Beispiel zieht Kulturinteressierte an, wie ein saftiger Kuhfladen den Käfer auf der Almwiese. Selbst, wenn es dreistellige Millionenbeträge sind, die für Orchester, Bühne und Museen ausgegeben würden – mehr als doppelt so hoch ist die Summe, die die Besucher der Stadt wieder zurückbringen. Das ist eine interessante Rechnung: der Tourismus als Kulturförderungsgrund Nummer Eins. Berlins Staatssekretär André Schmitz zückt den Abacus.

Ebenfalls in Berlin, im Museum für Kommunikation, findet in diesen Wochen ein Königinnentreffen auf höchstem Niveau statt. Selbst, wenn die Damen weder besonders hübsch noch farbig schillernd, noch dreidimensional sind. Sie erscheinen sogar etwas würdelos, weil sie sich widerspruchsfrei von Kreti und Pleti die rechte Wange lecken ließen. Aber was kümmert schon die sabbernde Zunge des einmaligen Benutzers, wenn man als Schmerzensausgleich mittlerweile viele Millionen schwer ist? Die royale Apanage gebührt 18 blauen und roten Mauritius hinter Panzerglas. Sie werden nirgendwo auf der Welt Minidrucke finden, die mehr Geld wert sind. Auch ein Kulturereignis, das wieder Kohle bringt in die Hauptstadt. Ein Gespräch über den Mikrokosmos der Philatelisten konnte ich ausgerechnet mit dem Kollegen Wolfgang Windel führen, der zu seinen beruflichen Hochzeiten vor allem für die ganz großen Buchstaben im Briefmarken-Fachorgan Bild am Sonntag zuständig war. Reisen auf Marken. Auch ein touristisches Thema.

Das Wandern ist bekanntermaßen des Urlaubers höchste Lust. Gerne auch mit dem Zusatz Genuss versehen. Eine Ferienaktivität, die auf der nach oben offenen Skala der Brotzeit-Glücksgefühle gemessen wird. Damit hat Trekking ungefähr so viel zu tun, wie das All Inclusive Bändchen einer DomRep Ferienanlage mit dem Kibuzz-Aufenthalt am Toten Meer. Trekker fangen in der Regel da an, wo Urlauber schon das erste Blasenpflaster kleben. Ich spreche per Skype mit einem, der das Wandern abseits der Pfade zu seinem journalistischen Lebensinhalt gemacht hat: Michael Vogeley, Bergführer, Polarforscher, Entdecker und Extremsportler aus Leidenschaft. Gerade hat er ein Reisebuch herausgegeben über Traumziele für Trekker. Der Gegenentwurf sozusagen zum Last-Minute-Schnäppchen auf Malle.

Reiseradio 074 – Ist „All Inclusive“ doch ein Segen für das Urlaubsland? / Mandarin Oriental will außerhalb Asiens wachsen / Aufwachsen in Hotellegenden: Elisabeth Gürtler vom Sacher und Andrea Kracht vom Baur Au Lac erzählen / Warum Venedig trotz Bettensteuer magisch bleibt

Das Reiseradio mag sich nach den Fernsehbildern von Irene auf einmal gar nicht mehr so echauffieren über die gelegentlichen Regengüsse der letzten Tage. Bei solchen Wettergewalten sind wir ja doch noch in unseren Breitengeraden quasi auf einer Insel der Seeligen. Flugstreichungen an die Ostküste der Vereinigten Staaten, Kreuzfahrtschiffe, die panikartig verfrüht aus den Häfen flüchteten und lieber hunderte Passagiere an Land zurückließen, als sich auf das Wagnis „Sturm am Kai“ einzulassen. Und was geschieht eigentlich mit all den Flugzeugen, die auf den Rollfeldern herumstehen? Angesichts herumfliegender Hausteile keine sehr beruhigende Vorstellung, nach Abzug der Sturmwolken so einen durchgerüttelten Flieger einzusteigen…

Wir bleiben heute lieber ganz fest auf dem Boden. Es geht um Menschen und Hotels im weiteren Sinne. Erstes Thema wird sein „All Inclusive“. Für manche Tourismuskritiker stellen diese Anlagen ja das Übel schlechthin dar des modernen Volumen-Tourismus. Doch wenn man die Argumente gegen diese Urlaubsform mal genau hinterfragt und konsequent weiterdenkt, dann entpuppt sich so manches als sozialromantischer Kitsch – wie die Mär vom armen Strandbarbetreiber Juan, der wegen All Inclusive seine Existenz verliert. Über die Wertschöpfung der All-Inclusive-Hotels unterhalte ich mich mit Professor Harald Zeiss von der Hochschule Harz, dem Leiter Nachhaltigkeitsmanagement der TUI.

Luxusherbergen der Fünf-Sterne-Plus-Klasse sind so der gefühlte Gegenentwurf zu den All-you-can-eat-Büffets und der Pinacolada aus dem Plastikbecher. Eine asiatische Kette mischt da ganz oben mit: Mandarin-Oriental. Und wie ein Bestandteil des Doppelnamens schon vermuten lässt: Mit dem Stammhaus in Bangkok, eben dem Oriental, hat man das schon zigfach als bestes Hotel der Welt ausgezeichnete Haus im Portfolio. Nun will sich die Gruppe stark auf dem nicht-asiatischen Markt ausdehnen. Ob das klappen kann, darüber unterhielt ich mich beim Frühstück mit dem Verkaufsdirektor Joachim Weber in Barcelona.

Wie ist es eigentlich, wenn man in Luxushotels quasi aufwächst, weil das Haus mit der Familie so eng verknüpft ist? Zum Beispiel in den beiden Signaturhotels in Österreich und der Schweiz? Die Rede ist vom legendären Sacher in Wien und dem schönen Baur Au Lac in Zürich. Ich hatte die Chance, Elisabeth Gürtler und Andrea Kracht gemeinsam zu sprechen. Eine kleine Philosophie auch über den Begriff Luxus.

Gerade erst hat Venedig beschlossen, auch eine Bettensteuer einzuführen. So Pi mal Daumen einen Euro pro Tag und Hotelstern. Kleine Prognose: das wird die Menschen nicht davon abhalten, die magische Lagunenstadt weiter tot zu lieben. Gloria Beggiato ist auch Tochter einer Hoteliersfamilie, nämlich die des Metropole. Sie würde lieber eine Eintrittsgebühr für Tagesgäste sehen. Denn die vor allem sind es, die entlang der Kanäle und Brücken das Schauen und Verweilen fast unmöglich machen. Trotzdem ist es eine Liebeserklärung an ihre Geburtsstadt.

Reiseradio 072 – L’Tur Chef Markus Orth macht morgens den Regentanz / TUI’s Mann fürs Ferne Steffen Böhnke lockt mit Sommer-Garantie / Tessins Werber Patrick Lardi hütet nicht nur die Villen der deutschen Arbeiter-Klasse / Karl Born beißt die Krise

Das Reiseradio war die letzten zwei Wochen auf Tour zwar nicht gerade vom Winde verweht, aber vom Wasser gepeinigt, wie fast alle Urlauber im nicht fernen, erdgebundenen Umfeld. Ansichtskarten von Freunden vom Mittelmeer lösen zugegeben momentan leichte Neidgefühle aus bei den zu Hause Gebliebenen… Anyway. Es gibt auch Menschen, die sich gar nicht mehr einkriegen können vor Freude beim Blick derzeit in den Himmel. Markus Orth gehört dazu, der Chef des Last Minute Veranstalters L’Tur. Dem pinken Unternehmen geht es rosig, wenn es regnet. Denn dann wollen alle nur noch weit weg. Und die Ostsee ist keine wirkliche Option. Wie das Geschäft wo wie läuft und wer was bucht, darüber unterhielt ich mich mit ihm in Baden Baden am Firmensitz. Logisch, bei Regen.

Nur weg, möglichst ganz weit weg, denken gerade viele. Vielleicht sogar auf Fernreise. Denn die soll ja derzeit boomen, wie alle Veranstalter versichern; trotz der seit Jahre entflammten Liebe zu den Erdgebundenen Zielen. Und das ist ja einigermaßen ulkig, gerade im Sommer. Denn in den meisten Fernreise-Destinationen ist dann das Wetter auch nicht besser. Aber wenigstens ist der Regen warm. Bisher war die Fernreise bei der TUI zwar gut vertreten im Portfolio, aber Marktführer war der Markführer in dem Bereich sicher nicht. Jetzt wird nachgerüstet mit allerlei Garantien und viel Marketingdruck. Zuständig für das Exotische bei der TUI ist Steffen Böhnke. Und er erklärt uns gleich, was eine Sommergarantie ist. Keine Vorfreude bitte: sie gilt nicht für Deutschland-Urlaub.

Aber man muss zum Glück nicht ganz so weit weg, wenn man mediterranes Feeling spüren möchte. Die Schweiz zum Beispiel hat einen wunderbaren Kanton namens Tessin. Da ist man schon fast in Italien, aber irgendwie noch beim heimischen Nachbarn. Zugegeben, zur Zeit schmerzt das, wenn Sie auf der Piazza in Ascona eine Pizza essen oder ein Risotto und mit einem Glas Wein eine, dem teuren Franken sei’s geschuldet, astronomische Rechnung verdauen müssen als Dessert. Aber schön ist’s schon. Wer könnte das besser in Worte kleiden, als Patrick Lardi, der als Topmanager des Tessin-Tourismus nicht müde wird, zu betonen, dass nicht nur die Villen im Tessin entzücken, sondern auch die wilde Natur zum Fast-Nulltarif.

Was kann man an einem regnerischen Sonntagabend besseres zur Aufmunterung tun, als mit seinem Lieblingsprofessor zu skypen..? Na eben. Die Themen schwammen uns nur so zu… vom Deutschland-Regen und seinen möglichen Auswirkungen auf nächstes Jahr, den kalten Duschen im Thomas Cook Management, dem Wassereinbruch in der TUI-eigenen Containerschifffahrt, dem nassen Lappen im Gesicht des Airberlin-Chefs Hunold bis hin zu den Tränen des Lachens über die Berliner, die freiwillig Flughafen-Chaos spielen.

Reiseradio 071 – Geheimnisse aus der Festspielstadt Salzburg / War Mozart überhaupt Österreicher? / Woran erkennt man die Original Mozartkugel? / Was ist eine Bosna? / Wie hält Kabarettist Rainer Basedow es in der Puppenstube aus? / Karl Born und die dunkle Beschwerdeseite der Urlauberseele

Das Reiseradio dieses Mal aus dem schönen Schwarzwald aus der Nähe von Baden-Baden, wo der Sonntag leider auch grau war, aber das hört sich in diesen Tagen ja schon fast an, wie ein Urlaubswohlfühl-Wetterbericht angesichts der Regenmassen anderenorts. Es ist gerade nicht einfach, den Sommer in Deutschland zu lieben.

Aber Regen ist ein gutes Überleitungs-Wort. Er wird ja gerne, und dieses Attribut mag kein Tourismus-Werber, in einem Atemzug genannt zB. mit dem schönen Salzburg. Sogar eine bestimmte Regensorte wurde kreiert: der Schnürl-Regen. Also das andauernde Nass von oben. In diesen Tagen begannen die Salzburger Festspiele. Und da wäre der weinende Himmel ja extrem kontraproduktiv für das neben der Hochkultur einfach dazugehörende Schaulaufen der Schönen oder zumindest Reichen.

Nun, laut Meteorologen-Vorhersage sieht es gerade nicht schlecht aus, zumindest dem Schnürl zu entkommen. Und als ich die Gespräche für die heutige Sendung aufgezeichnet hatte, präsentierte sich Salzburg auch von seiner lieblichsten Seite. Salzburg mit seinen gerade stattfindenden Festspielen ist in der momentanen Ferienzeit das Sonderthema des Reiseradios.

Wenn sie also schon immer wissen wollten, ob Mozart eigentlich Österreicher ist, ob Salzburg seit jeher den mondänen Touch hatte, ob man die Festspiele und ihre Gäste auch früher liebte, was sich hinter einer Bosna verbirgt, woran man echte Mozartkugeln unterscheiden kann von der zuckrigen Industrieware, und warum ein ausgesprochener Satiriker wie der langjährige Münchener Lach- und Schieß-Gesellschaftler Rainer Basedow seinen Frieden in der Puppenstube Salzburg gefunden hat… – dann werden Sie nach dieser Sendung mitreden können als touristischer Salzburg-Experte.

Und wenn Sie sich auch immer gewundert haben, warum es anscheinend in der Mentalität der Deutschen steckt, sich im Urlaub gerne und intensiv zu beschweren, dann verrät Ihnen gleich der Altmeister des Beschwerde-Managements, mein Lieblingsprofessor Karl Born, Details aus den Abgründen der teutonischen Urlauber-Seele.

Karl Born und die nörgelnden Urlauber

Bald, am Ende der Urlaubssaison, wenn die Reiseleiter ermattet danieder sinken, beginnt die Hochzeit in den Beschwerdestellen der Reiseveranstalter. Das deutsche Reiserecht, das als das verbraucherfreundlichste der Welt gilt, lädt auch geradezu dazu ein, Mängel am Ferienort aufzulisten und dem Veranstalter in Rechnung zu stellen. Da ist vieles berechtigt, weil die Urlaubswirklichkeit mit der Kataloglyrik häufig nicht so ganz übereinstimmt. Aber manchmal wird auch durchaus skurril versucht, einfach mal Kasse zu machen. Beim Spiegel ist da ein kleines komisches Bändchen erschienen „Sorry, Ihr Hotel ist abgebrannt“, das vergnüglich einige solcher Beschwerden zitiert und mit dessen Autoren wir uns demnächst auch hier unterhalten werden. Heute aber schon mal mein Skype Gespräch mit dem Gottvater der Veranstalter-Beschwerde, meinem Lieblingsprofessor Karl Born.

 

Reiseradio 069 – Im Maschinenraum des Reiseriesen: Thomas Cook CEO Dr. Peter Fankhauser und die digitalen Briketts moderner Touristik-IT / Magische Orte: die schönsten Flecken der Welt im Gasometer in Oberhausen / Senioren-Landverschickung: Neckermann lässt Urlauben, bis der Arzt kommt

Das Reiseradio ist auf dem Weg nach Krakau, einem Ort, auf den ich mich sehr freue, weil dieses polnische Weltkulturerbe wirklich unheimlich schön sein muss. Für etwas Sightseeing wird hoffentlich auch Zeit sein, aber eigentlicher Grund für die Reise ist die Präsentation der Frankfurter Familie des REWE Mutter. Sozusagen der etwas elitärere Ast des Handelskonzern-Stammbaums. Michael Frese, alles andere würde wundern, wird wieder solide Zahlen präsentieren angesichts seiner weitgehend Krisen-unempfindlichen Klientel. Aber man soll nicht zu viel prognostizieren. Das haben wir ja gerade Anfang der Woche gesehen. Ein frischer, kraftstrotzender Dr. Peter Fankhauser war scheinbar mit sich und der Welt von Neckermann und Thomas Cook Deutschland mehr als zufrieden, obwohl er da schon wusste, dass sein Manni in London ihm den Ruhm allenfalls 24 Stunden gönnen würde. Dann gab es die Gewinnwarnung der PLC. Die Briten und Franzosen verhagelten das deutsche Geschäft. Millionen Euro wurden von den Brokern verbrannt – und niemand interessierte sich noch für den neuen Maschinenraum der Oberurseler, wo das supermoderne IT-Herz schlägt und so viel Profitabilität garantieren soll, wie bei keinem anderen deutschen Mitbewerber. Doch im Reiseradio darf es das äußerst vergnügliche Gespräch noch geben über digitale Briketts und analoges Bauchgefühl – die beiden so unterschiedlichen Stellschrauben des Top-Managers Dr. Peter Fankhauser.

Die Welt ist nicht genug, wenn man in diesen Wochen den Weg nach Oberhausen findet in das Gasometer. Dort gibt es derzeit eine Ausstellung, an der man sich gar nicht sattsehen kann als reisebegeisterter Mensch. Magische Orte – Natur- und Kulturmonumente der Welt. Sieben Weltwunder kannte die Antike. Mehr als 900 Welterbestätten zählt heute die UNESCO. Dazu zählen Meisterwerke der Menschheitsgeschichte und gewaltige Monumente der Natur. Im Gasometer hängen Fotos, dass einem der Atem wegbleibt. Und mittendrin in der gigantischen Blechbüchse des Gasometers thront ein fast 50 Meter hoher Regenwaldbaum. Und wenn Sie erst mal die Begeisterung des Kurator Professor Peter Pachnicke im Reiseradio-Gespräch erlebt haben, dann möchten Sie sofort die Weltreise in den Ruhrpott buchen. Auch im Jahr nachdem man den Titel Kulturregion Europas hatte.

Einmal um die ganze Welt, und trotzdem sicher daheim. Das wäre ja auch so eine Verlockung für ein Zielpublikum, das sich gesundheitlich eigentlich nicht mehr so zu reisen traut, das man aber trotzdem zu Buchungen animieren möchte. Nicht nach Oberhausen, sondern in die klassischen Veranstalter-Destinationen. Thomas Cook hat deshalb den Katalog „gemeinsam Urlaub machen“ erfunden. Das hört sich etwas schwurbelig an – und ist nichts anderes, als eine ärztlich begleitete Pauschalreise. Bei den Rundreisen kennen wir das ja schon, und da erscheint es auch sinnvoll, aber für einen Hotelaufenthalt am Strand? Was sich hinter diesem Sanatorium für Arme verbirgt, erläutert uns gleich der Senioren-Beauftragte des munteren Branchenriesens, Michael Tenzer, der sich natürlich, wenn es seine Zeit noch erlaubt, auch als Geschäftsführer um das Große und Ganze und die Gesunden kümmert…

Wenn der Schwanz mit dem Hund wedeln muss, wie das derzeit bei den deutschen Cookies der Fall ist, damit sie die reisemüden Briten und Franzosen noch über Wasser halten, dann ist das natürlich ein Fall für die bissige Zunge eines Karl Born. Genauso, wenn es um die tiefenpsychologische Lemming-Attitüde des gemeinen deutschen Urlaubers geht im Fall Nordafrika, die an unterdrückte Panik grenzende Unruhe der Branche über das Storno-Geschenk von FTI oder die Lavendel-Lawine all der neuen Hotelkonzepte, die Exklusivität versprechen wollen, aber eigentlich nur erfunden wurden, um aus den Preisvergleichsmaschinen zu kommen. Also freuen Sie sich auf mein traditionelles Gespräch mit meinem Lieblingsprofessor zur Lage der Reise-Welt.