Gerade der Mai mit seinen Brückentagen war prädestiniert für eine Urlaubsform, die immer beliebter wird: mal kurz eben weg; vorzugsweise in eine Stadt. Die günstigen Preise, vor allem bei den Flugverbindungen, machen es möglich. Dagegen ist nun prinzipiell nichts zu sagen; abgesehen von der Ökobilanz solcher Kurz-Tripps. Aber mein Kollege Rolf Nöckel traf letztens eine begeisterte reisende diesen Typs – und fing danach doch an, zu zweifeln, ob jedes Unterwegs-Sein tatsächlich bildet.
In der heutigen Ausgabe von „Was mit Reisen“, Ihrem Profi-Podcast für die Touristiker konzentrieren wir uns nicht so sehr auf die heutige Produktion von Urlaub, auf Zielgruppen und Konzepte, sondern mehr auf weiche Faktoren, die nötig sind für ein gutes Erlebnis auf Reisen. Da ist natürlich zunächst einmal die Unterkunft entscheidend. Die Rückzugshöhle sozusagen, wenn man entfernt der Heimat unterwegs ist. Und auch, wenn es da heute so viel neue Entwürfe gibt außerhalb der klassischen Hotellerie, die große Authentizität für schmales Budget versprechen, bleibt einer der Grundträume des schönen Reisens unverrückbar bestehen: einmal ein kleines Märchen zu erleben in einem Luxushotel, die Alltagsrolle abzustreifen und sich auf höchstem Niveau verwöhnen zu lassen.
Die passende Umgebung dafür wäre sicher schnell gefunden. An schönen Häusern, die sich fotografisch perfekt darstellen in prächtigen Coffeetable Bildbänden, mangelt es nicht. Aber erfahrene Reisende trennen da schnell die Spreu vom Weizen. Für das gute Gefühl ist in der Regel nicht die Hard-, sondern die Software verantwortlich. Die guten Geister des Personals. Einer, der diese Rolle des umsichtig dienenden Gastgebers seit Jahren vorlebt, ist Carsten K. Rath, heute einer der Impressarios der Kameha Gruppe. Er hat ein kleines autobiografisches Bändchen geschrieben über seine Erfahrungen in der Hotellerie. Als Angestellter. Titel: Sex bitte nur in der Suite. Das hört sich spannend an. Und deshalb unterhalten wir uns gleich.
Wenn wir unterwegs sind, ist eine Gefahr ganz groß: Dass nämlich nur die Umgebung sich ändert, wir aber im Kopf eigentlich daheim bleiben. Mit unserem Wertesystem, unserer Sicht der Welt und unseren Attitüden. Anders ausgedrückt: unsere interkulturelle Brille ist ziemlich verschmiert. Ergebnis: wir bleiben der flüchtige Tourist und werden nicht zum Reisenden, der die Welt entdeckt.
Einer, der das Surfen zwischen den Kulturen zu seinem Beratungsthema gemacht hat, ist Michael Moritz der Frankfurter Agentur Moritz Communications. Mit ihm spreche ich darüber, wie man es vielleicht vermeiden kann, Reisen als Rallye zwischen Fettnäpfen misszuverstehen.
Hersteller von Printprodukten wissen es: es gibt keine bessere Lesezeit, als die des Unterwegs-Seins. Da werden lustvoll Romane geschmökert, für die man daheim nie Zeit aufbringen wollte. Und auch Zeitungen und Magazine bekommen ein Interesse, das sich Journalisten immer wünschen würden. Nur gab es beim klassischen Print bislang ein kleines, technisches Problem auf Reisen: das Gewicht und die Verfügbarkeit. Bei Büchern helfen jetzt zum Glück Kindl und Co, und bei Zeitungen und Illustrierten immer häufiger ein Angebot, das sich Media Box nennt: über das Internet lassen sich die Seiten als pdf auf den Laptop, das Tablet oder das Smartphone laden. Topaktuell. Bei Airlines findet man es schon, auf manchen Kreuzfahrtschiffen und in Hotels. Je exotischer und weiter weg von daheim, umso wertvoller. Welches Potential dahinter steckt, darüber spreche ich gleich mit Philipp Jacke, dem Geschäftsführer des dazu gehörenden Unternehmens Media Carrier.
Ich gehe mal davon aus, dass mein Kollege Rolf Nöckel bei seinem letzten Flugerlebnis keinen elektronischen Zugang hatte zu einem virtuellen Kiosk, der ihn in der Wartehalle mit erbaulichem digitalen Lesestoff versorgte. Denn dann wären seine Gedanken über die Zeit, die einfach so verrinnt, vielleicht etwas versöhnlicher gewesen…
In dieser Ausgabe 188 von „Was mit Reisen“ geht es in vielen Beiträgen um Qualifikation und Krise. Zum Beispiel, was man tun muss, wenn man als Marketingmensch zwar ein Produkt mit exzellenter Hardware hat, aber zur Zeit mit großen Bereichen der Software hadern muss. Runtergebrochen auf den praktischen Tourismus: Dresden als Stadt mit seinen prachtvollen, restaurierten Bauten, seinem Kulturangebot und der sächsischen Lebensart wäre eigentlich ein Selbstläufer. Dummerweise gibt es da aber auch die seit Monaten unerwünschte Garnierung namens Pegida, durchseucht von Ekel-Nazis, die viele wohlmeinende Dresden-Liebhaber zweifeln lässt, ob man es sich als Besucher antun soll, solchen Menschen zu begegnen; natürlich übersehend, dass hunderttausende anständiger Dresdner von diesen Krakeelern in Sippenhaft genommen werden. Da sind Gefühle leider nicht filigran, sondern Holzschnitt-artig. Wie kommt man als Stadtmarketing dagegen an? Augen zu und durch? Dr. Bettina Bunge, die Leiterin von Dresden Marketing, erläutert gleich im Gespräch, dass genau das Gegenteil passieren muss, wenn man bei so einer Ausgangslage nicht untergehen will.
Jedes Jahr wählen Reisejournalisten, wen sie von den Akteuren auf „der anderen Seite des Schreibtischs“ am professionellsten empfinden. Da werden die PR-Agenturen bewertet, aber auch die offiziellen Landes-Tourismus-Vertretungen. Und bei den Fragebögen des ausrichtenden SRT-Verlages geht es nicht um Nettigkeit. Die ist eh system-immanent auf der PR-Seite. Es geht um Qualifikation, Ortskenntnis, Beantwortung von Anfragen, Organisation von Recherchen, Prägnanz von Pressemitteilungen und um Flexibilität, die Wünsche der Medien professionell zu unterstützen. Mit den beiden Siegern des Jahres 2014 spreche ich gleich im Reiseradio: Es ist Marina Noble mit ihrem Team von Noble Kommunikation und Jörg Krebs, der das Deutschland-Büro von Schweiz Tourismus leitet.
Beide versuchen, ihr Erfolgsrezept zu erläutern. Und beide müssen gerade flexibel auf Störungen im gewohnten Arbeitsablauf reagieren. Die PR-Agenturen haben durch die Blogger-Szene, die neue Wichtigkeit von Social Media und die Verschiebung und Neu-Behandlung von Kommunikationskanälen ganz neue Herausforderungen, die auch den Kunden vermittelt werden müssen. Und Schweiz Tourismus muss mit unermüdlichem Optimismus die Sehnsucht nach einem Urlaubsland wachhalten, das durch die Franken-Aufwertung für viele potentielle Urlauber schlicht nicht mehr finanzierbar ist.
Doch beginnen werden wir gleich nach der Musik mit einem Thema, das zugegeben immer noch ein Nischenprodukt beim Thema Ausflüge ist, aber sozialen und soziologischen Sprengsatz enthält: die zunehmende Lust an der geführten Tour durch Slums. Zwei Stunden kalkuliertes Risiko, verbunden mit dem vordergründig authentischen Gruseln über Lebensumstände, die sich die wohlhabenden Reisenden in ihren schlimmsten Alpträumen nicht ausmalen wollen. Dabei kommen die meisten sicher in der guten Absicht, mit offenen Augen ihren eigenen Horizont zu erweitern. Aber wie weit kann der Tourismus da gehen, der gerne in konfektionierbaren Produkten denkt? Kann man Kurzzeit-Besucher die pure Armut zumuten, oder muss es eine disneyfizierte folkloristische Form sein? Und was haben diese Trips für Auswirkungen? Nicht immer ist gut gemeint schließlich gut gemacht. Darüber unterhalte ich mich gleich mit Dr. Malte Steinbrink von der Uni Osnabrück, dem Dr. Slum sozusagen.
Wahrscheinlich steckt es in den meisten Autofahrern: wenn Sie mit dem eigenen Wagen unterwegs sind zum entfernten Reiseziel, zumal auf der Autobahn, dann wird jede Unterbrechung zum Hemmnis. Schnell ankommen, lautet die Devise. Stops, nur, wenn es nötig ist, weil entweder der Tank oder der Magen gefüttert werden wollen. Mein Kollege Rolf Nöckel hat bei seiner letzten Fahrt mal einen Stop der anderen Art gemacht. Und ihn nicht bereut.
Im Reiseradio, Folge 187, hören Sie heute, natürlich, die erste akustische Ausbeute von der ITB. Ich konnte so viele schöne Gespräche führen zu Themen, die „was mit Reisen“ zu tun haben, dass es locker auch für die kommenden Ausgaben reicht.
Dass es dem Deutschlandtourismus gut geht, darüber haben wir ja schon berichtet. Es geht ihm sogar noch viel besser, als es die amtliche Statistik auszudrücken vermag. Denn, und das hat mich doch überrascht, die Touristiker rechnen damit, dass auf jede offizielle Übernachtung noch eine im Kleinst-Pensionsbereich oder dem Graumarkt der Privatwohnungen dazu kommt. Damit reden wir von etwa 850 Millionen Übernachtungen. Das weckt angesichts klammer kommunaler Kassen große Begehrlichkeiten bei den Kämmerern, hier etwas abzuschöpfen. Die Bettensteuer dürfte da ein Auslaufmodell sein. zu oft wurde sie schon von Gerichten kassiert. Das neue Codewort heisst Fremdenverkehrsabgabe. Der wesentliche Unterschied: sie wäre zweckgebunden für touristische Strukturmaßnahmen und könnte nicht nur von den Reisenden selbst, sondern auch von allen kommunalen Profiteuren des Tourismus erhoben werden. Selbst der Deutsche Tourismusverband ist dafür, wie uns gleich sein Präsident Reinhard Meyer erklärt.
Alle Prognosen sagen es, wir haben ein gutes Tourismusjahr 2015 vor uns. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen, und die Menschen wollen reisen; auch angesichts der Nullzinsen, die ihr Erspartes auf der Bank gerade bringt. Die Frage ist nur, wer wird im Verkauf davon profitieren? Weiterhin mit Löwenanteil der Stationäre Vertrieb? Oder muss die Branche sich darauf einstellen, dass immer bessere Technik auch immer mehr Buchungen ins Internet verlagert? Momentan heisst das Schlagwort Omnichannel und soll sedierende Wirkung haben für die Gemütslage der Reisebüroinhaber. Sie werden nämlich herzlich eingeladen, doch teilzuhaben am digitalen Entscheidungsweg des Kunden. Umgekehrt sollen sie sich aber auch nicht wundern oder darüber jammern, wenn sie abgekoppelt werden, sofern sie nicht mitmachen bei der 24/7-Erreichbarkeit der Internet-Strategie. Das bekräftigt im Reiseradio-Gespräch auch noch einmal Norbert Fiebig, der Präsident des Deutschen Reiseverbandes. Der hiess übrigens auch mal Reisebüro-Verband, und musste sich der neuen Realität anpassen.
Wo wir doch am Beispiel Hisham Zaazou gesehen haben, wie unwürdig manchmal Abschiede sind, so sehr kann man sich sicher sein, dass bei der Frankfurter DERTouristik Ende Mai ein schönes Fest veranstaltet wird, um Michael Frese den Weg in den Ruhestand zu erleichtern; in einen Lebensabschnitt also, wo er selbst nur noch Urlauber ist. Bisher war es sehr schwer, Michael Frese für ein Abschiedsinterview zu gewinnen. Das ist nicht seine Art, jetzt schon die Leine des Fallschirms zu ziehen, um gemütlich auf den Tag X hinabzuschweben. Aber am Rande der ITB, bei einem Frühstück in Berlins schönstem Café, ist es nun doch gelungen: Michael Frese über sein touristisches Leben und die Anforderungen an ein heutiges Management. Sehr hörenswert.
Bei so viel hohen Tieren musste unbedingt ein Ausgleich rein in diese Ausgabe von „Was mit Reisen“. Und deshalb habe ich mir in Halle 11.1, da, wo die Touristik-Studenten sich präsentierten, eine Gruppe junger Nachwuchstouristiker gesucht und sie beobachtet, wie sie ihre allerersten Schritte als einer von 10.096 Ausstellern machen. Über die Erfahrungen der Studenten der Berliner HWR spreche ich gleich mit einem von ihnen, Nick Reimann.
Am ersten Tag ist es mir doch tatsächlich passiert: Morgens nicht nur die Uhr vergessen, sondern auch noch das iPhone. Die größte anzunehmende Katastrophe für einen vollgepackten Messebesuch, möchte man vermuten. Ok, die Termine konnte ich zum Glück im Pressezentrum über die iCloud am Arbeitscomputer einsehen und in guter alter Sitte mit dem Kuli auf einem Papier notieren. Für die Uhrzeit musste ich dauernd fragen. (mehr …)
Den Konflikt zwischen vergnüglicher Reise und Urlaub machen gibt es wahrscheinlich schon seit der Erfindung der Pauschalveranstalter. Muss man unterwegs sein, um Land und Leute kennenzulernen? Sich zu öffnen als Gast fremder Kulturen? Oder darf man nur die Kulisse und die Wetterlage wechseln, um sich einfach das natürliche Recht auf Faulheit und Ignoranz zu gönnen – all inclusive und möglichst billig?
Ein schönes Thema für Feigenblatt-Diskussionen auf der ITB und bei kirchlich beseelten Gutmenschen-Treffen. Die Industrie lehnt sich da regelmäßig entspannt zurück mit dem alles entkräftendem Argument, man sei nicht der Erzieher der Menschheit, biete aber jedem Tierchen sein Pläsierchen. Sprich, für alle Bedürfnisse und seelische Grundstimmungen finde sich das passende Angebot.
Zwei dieser Angebote, die sehr diametral in ihrem Anspruch sind, stellen wir in dieser, der 180. Ausgabe von „Was mit Reisen“, Ihrem Podcast für Profi-Touristiker, vor: den Billiganbieter 1-2-Fly und den kleinen Erlebnis-Veranstalter One World – Reisen mit Sinnen. (mehr …)
Passend zum Thema Begegnungen mit Bereisten hat sich auch mein lieber Kollege Rolf Nöckel wieder mal so seine Gedanken gemacht. Wie es manchmal stattfindet, und uns eher ein schales Gefühl hinterlässt, und wie es sein sollte, mit nachhaltigen Folgen. Sein Hörstück für heute – wieder gesprochen von Markus Hoffmann.
Eine Destination, eine Definition, eine Deutung und eine Dramatisierung – das sind die Zutaten für die heutige, die 179. Ausgabe von „Was mit Reisen“.
Fangen wir mit der Destination an: Thailand. Das buddhistisch geprägte Sehnsuchts-Ziel vieler Deutscher in Asien, fast 740.000 waren es letztes Jahr, schwächelt gerade in Folge der schon lange die Nachrichten prägenden Unruhen zwischen Rot und Gelb, der Landbevölkerung und den irgendwie sich als Eliten Fühlenden. Die Vehemenz der Auseinandersetzung ist schon lange keine Folklore mehr. Es gab Bilder, die arg an die Auseinandersetzungen in Ägypten erinnerten. Und trotzdem fühlten sich Thailand Urlauber lange nicht unsicher; zeigten auch keine Buchungszurückhaltung wegen einer indifferenten Angst. Deshalb erwähnte ich am Anfang das Wort Buddhismus. Denn trotz fast vergleichbarer Vorfälle verschreckt in Ägypten der latente Islamismus die Urlauber ungleich stärker. Aber nun wirkt die Krise auch langsam im fernöstlichen Sonnen-Traumziel. Die „Land und Leute“ Buchungen schwächeln. Matthias Rotter, der Chef von Meier’s Weltreisen, klärt uns gleich auf über die Situation in Siam.
Die Rundreise, eine der Mütter der pauschalen Landverschickung, ist nicht totzukriegen. Trotz vermeintlich gestiegener Reiseerfahrung. Trotz des Hangs zur Individualisierung. Trotz der Lust an der Abgrenzung. Selbst beim Vorreiter des Baustein-Kombinierens von touristischen Produkten, der Frankfurter DERTour, zählt die Gruppen-Bespaßung zum Kerngeschäft. CEO Michael Frese erläutert uns gleich, warum der Bus immer noch das wichtigste Transportmittel für Urlaubserlebnisse vor Ort ist. Und im zweiten Teil unseres Gesprächs äußert er sich zum ersten Mal überhaupt über seine Zeit in Frankfurt, die Tops und Flops und seine Pläne für „the day after“: die neue Lebensphase nach seinem Ausscheiden im Frühsommer.
Kaum ein Thema kann Urlauber so dramatisieren, wie Tiere in Not inmitten der Ferienidylle. Das fängt an beim Herz für Strassenhunde und streunende Katzen, aber endet auch schnell beim Liebesentzug gegenüber touristischen Attraktionen, sobald man ahnt, dass der schöne Schein tierischer Lebenslust durch Knechtung, Brutalität, bis hin zur Folter erkauft wird. Der emotionale Bann von Stier-Arenen und Hahnenkämpfen fällt einem spontan ein. Aber auch schmuddelige Delfinarien oder traumatisierte Elefanten als Reittiere. Höchste Zeit, dass sich Veranstalter ihrer Verantwortung bewusst werden, wie sie mit dem Thema umgehen, das viele Touristiker noch gar nicht erkannt haben. Im großen Gespräch mit dem Nachhaltigkeits-Beauftragten der TUI, Prof. Dr. Harald Zeiss, hoffe ich, dass ich auch Sie dafür sensibilisieren kann.