Was hat die Wahlentscheidung des Sonntags für Auswirkungen auf den Tourismus? Warum werden im politischen Abklingbecken Wahlverlierer immer gerne mit tollen Posten in der Wirtschaft oder bei Lobbyverbanden belohnt? Warum fällt die Schadenfreude schwer angesichts der prognostizierten Mini-Einnahmen bei der Flugsteuer? Warum ängstigt sich kein Verantwortlicher um die Gefahr, die von unterbesetzten und müden Fluglotsen ausgeht, aber sehr wohl von unschuldigen Passagieren? Warum ist es für die Türkei ein Glück, dass sie für den Sommer jetzt schon fast ausgebucht ist, angesichts einer SAT1 Dramolette dieser Woche? Warum wollen wir nicht über unsinnige Casino-Projekte im fernen Sibirien oder Bettwanzen in Londoner Nobelherbergen sprechen. Ach, es gibt wie jede Woche so viele Fragen an meinen Lieblingsprofessor Karl Born.
Erkenntnisgewinne von der ITB sind wieder Hauptbestandteile des Reiseradios. Noch einmal zusammengefasst die Trends des Reisesommers – vorgetragen aus berufenem Munde – von Petra Hedorfer bis Jürgen Büchy.
Und wer war dieses Jahr Partnerland der ITB? Richtig: Polen. Die machen das nicht altruistisch, sondern erhoffen sich einen Boom für unseren Nachbarn als Urlaubsland. Wir haben auf der ITB die Frage nun anders gestellt: was empfinden die Polen, wenn sie an Deutschland als Ferienort denken? Prädestiniert für solcherart Befindlichkeiten ist der deutsche Kabarettist und Schauspieler Steffen Möller, der in Polen lebt und dort ein TV-Star ist.
Olympia wirft schon wieder seine Schatten voraus. 2012 in London. Da freut sich vor allem DERTour. Denn London ist erstens nicht zu weit entfernt, das fördert die sportlich-ambitionierte Reiselust, und begünstigt zweitens sogar Olympiareisen, bei denen man noch nicht mal eine Übernachtung benötigt im Hotel. Auf der ITB verriet Tom Rostek für den exklusiven Ticketagenten DER seine Reisepläne. Selbst das olympische Schlafen auf einem Traum von einem Schiff wird möglich sein.
Wenn es etwas gibt, über das sich Flugpassagiere ereifern können, dann ist das – neben der Legehennen-Haltung in den Airlines – das mangelhafte Unterhaltungsprogramm an Bord. Gerade die deutschen Airlines schneiden hier nur allenfalls im Mittelfeld ab. Das könnte sich bald ändern: die Condor bekommt ab Sommer das neueste Entertainment-System installiert, das es heutzutage über den Wolken gibt. Pikanterweise gebaut von der Lufthansa Systems. Der Apfel fällt eben manchmal doch etwas abseits des Stammes runter.
Wie schon gesagt: Mein Trip nach Dublin zum Nationalfeiertag hat Spuren hinterlassen im Reiseradio: Warum die Iren immer mit so komischen grünen Hüten herumlaufen und wieso das Bier-ähnliche Getränk Guinness seine medizin-ähnliche Farbe hat, das alles wurde im Selbstversuch ohne Furcht und Tadel herausgefunden für Sie.
Heute auch wieder im Einsatz bei mir – mein kränkelnder Lieblingsprofessor. Über grotesk hohe Flugpreise aus Japan heraus unterhalten wir uns genauso, wie über immer häufiger dem Alkohol zugeneigte Piloten und manchmal ausflippendes Bodenpersonal bei den Airlines.
Wie teuer dürfen One-Way-Tickets aus Japan raus sein, bevor es anfängt, mehr als nur ein Geschmäckle zu haben? Warum liest man immer häufiger, so scheint es, über betrunkene oder zumindest schlaftrunkene Piloten? Warum sind Gäste einer gewissen irischen Airline tief drin masochistisch veranlagt? Und wie frivol darf eine Boden-Stewardess sein, wenn ein ganz-wichtig-Passagier ihr auf die Nerven geht. Karl Born und ich heben heute ab, bleiben aber auf dem Boden des fliegerischen Ungemachs.
ITB-Nachlese: Japan sickerte erst im Verlauf des Freitags langsam ins Bewusstsein. Und dann waren die Touristikprofis schon weg und überließen das Feld den Prospekte-Verteilern für das Publikums-Wochenende. Hauptthema an den Fachbesuchertagen auf der Messe unter dem Berliner Funkturm war die arabische Welt danach. Mit Skurrilitäten wie dem libyschen Stand, der latenten Verunsicherung auf allen Spielflächen Nordafrikas und des Nahen Ostens und dem extremen Bemühen von Tunesien und vor allem Ägypten, wieder business as usual zu demonstrieren.
Die Ägypter haben noch einmal bestätigt, Partnerland der ITB für 2012 zu sein, auf vielen Foren beschworen eingeflogene Touristiker die Sicherheit in den beiden Ländern, und die Veranstalter wirkten doch entspannt, dass sich der effektive wirtschaftliche Schaden der Jasmin Revolution für sie in Grenzen hielt. Dazu auch unser Topthema mit Sören Hartmann von ITS und Co, die Marktführer in Tunesien sind. Auch Michael Frese, der Chef der REWE-Bausteingruppe, äußert sich zu den ruinösen Kampfpreisen, mit denen sich die Länder gerade wieder zurückmelden und den optimistischen Erwartungen, die die Branche für dieses Reisejahr 2011 hegt und pflegt.
Ein bisschen Schuld spüren die großen Veranstalter schon, dass sie vielleicht etwas blauäugig mit den alten Regimes und ihren Günstlingen zusammengearbeitet haben, aber viel stärker und unabhängiger legt natürlich Heinz Fuchs von Tourism Watch den Finger in die Wunden des neuen, alten Ägypten-Tourismus.
Da möchte zumindest Peter-Mario Kubsch von Studiosus, der dieses Jahr nur noch mit wenigen hundert Reisenden in dieser Region rechnen kann, den Diplomaten geben, und den extremen Achterbahnkurs, den Ägypten den Veranstaltern in den letzten Jahrzehnten zumutete, mit der überwältigenden Gastfreundschaft entschuldigen, die Urlauber dort erfahren.
Dumm nur, dass „die“ Urlauber, also eben nicht die von Studiosus und Co, das Badeziel Ägypten für absolut austauschbar halten. Das hat die neue Reiseanalyse ergeben. Faktor 9,5 – also fast zehn andere Länder fallen Urlaubern ein, bei denen sie das gleiche Angebot vermuten – und das ist ein unrühmlicher Spitzenwert. Gefolgt von – ausgerechnet – Tunesien. Näheres erläutert im Reiseradio Professor Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen.
Wie gut, dass die Reiseanalyse sich auch intensiv Deutschland, der Deutschen liebsten Urlaubsziel, widmet. Tendenz zu den Rändern. Und deshalb, weil Bayern ja auch so eine – äußerst erfolgreiche – Randlage hat, ist der Wirtschaftsminister Martin Zeil extrem entzückt. Und auch über die geplanten sportlichen Großveranstaltungen, die den Tourismus erheblich fördern würden. Meint er im Gespräch.
„Darf ich dir meine Briefmarken-Sammlung zeigen…?“ Das ist total Sixties und hört sich heute irgendwie unangenehm schmierig und mit einem Hauch von Pädophilie an. Wenn mein Gesprächspartner seine Sammlung zeigen möchte, dürfte er bei sensiblen Gemütern auch eher ein schummriges Gefühl auslösen… Gerd Otto-Rieke sammelt nämlich Spucktüten aus Airlines. Zum Glück nur leere. Dafür erfahren wir extrem Spannendes aus der Welt der Tütologie.
Na ja, und raten Sie mal, wen ich auf der ITB getroffen habe? Ja klar, meinen Lieblingsprofessor. Und dann haben wir schnell ein Gespräch geführt über Irrungen und Ehrungen und Ehrgeiz auf diesem Parkett der touristischen Eitelkeiten.
Am Freitagmorgen hatten wir uns verabredet, mein Lieblingsprofessor und ich. Wieder mal wie Stadler und Walldorf wollten wir wie die Sesamstraßen-Opas von der Höhe der Halle 6.3, nämlich dem Pressezentrum, über die unmögliche aber unverzichtbare ITB ablästern. Haben wir auch getan. Noch nicht ahnend, was sich aus der ersten Erdbebenmeldung aus Japan entwickeln würde. Das sollten Sie wissen, damit Sie sich nicht wundern, dass da vielleicht was fehlt in der Rückschau. Das Gespräch heute neu führen, das ging auch nicht. Karl ist doch ITB-geschädigt und erkrankt. Gute Besserung von hier, mein Lieber. Und nun Feuer frei auf Ehrungen und Irrungen, auf einen Airline-Chef, der Marketing-Millionen für Eitelkeiten verbrennt und einen Gruselstand, der selbst hartgesottene Schönwetter-Touristiker etwas am Glauben zweifeln liess.
Das Reiseradio in den Startlöchern für unsere geliebte ITB, die uns so ans Herz gewachsene Begegnung weltläufiger Menschen zum Wohle der touristischen Völkerverständigung. Ab Mittwoch gibt es dann wieder die volle Ladung, aber wir Journalisten sehen seit einigen Jahren einen Trend. Dass nämlich touristische Institutionen immer weiter nach vorn ausweichen und ihre Botschaft noch vor der Messe loswerden wollen. Vielleicht als kleine Chance, im Wust der Pressekonferenzen nicht unterzugehen mit einer 5-Zeilen-Meldung. Wenn überhaupt.
Auch der Deutsche Tourismusverband beglückt uns mit den Deutschlandzahlen, bevor sie unter dem Funkturm hin und her dekliniert werden. Deutschland ist Spitze, Europameister bei den Übernachtungen. Das wissen wir bereits. Und trotzdem ist DTV-Präsident Reinhard Meyer nicht rundum glücklich. Denn er sieht am Horizont schon das, was viele ahnen: es muss erstens dringend investiert werden in die Hardware, und zweitens dringend geworben werden für die passende Software – sprich für Menschen, die im Tourismus arbeiten möchten. Sonst könnte das attraktive Tourismusziel Deutschland vielleicht schon zu bald sein Siegertreppchen in Europa räumen müssen. Im Interview geißelt er deshalb vor allem politische Gedankenspiele, die Mehrwertsteuer-Reduktion wieder zurückzunehmen. Das sei Gift für die geplanten Investitionen. In dieser Meinung wird er unterstützt von Professor Mathias Feige, der mit seiner dwif Consulting das Sparkassen Tourismusbarometer erstellt und große Modernisierungslücken im ganzen Land sieht. Und auch vom Topmanager des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis, der Hoteliers und Gastronomen geradzu beschwor, seinen Sparkassen die Bude einzurennen für Kredite. Das ist doch mal eine Aussage, nachdem man immer argwöhnte, Kreditsachbearbeiter schließen schnell die Filialtür zu, wenn ein Gastronom oder Hotelier auftaucht. Beide reden gleich im Reiseradio.
Ameland, Sie erinnern sich, ist eines dieser Synonyme für sexuelle Gewalt an Jugendlichen. Nur, dass es in diesem Fall kein Erwachsener war, sondern andere Jugendliche im Ferienlager. Es ist nur eine zufällige Nähe zu diesem damals in seinen Details schockierenden Ereignis, dass ab dieser Woche Jugendleiter und so genannte Teamer mit einer neuen Mappe geschult werden zum Thema Sexualität unter Jugendlichen. Mappe ist gut, es ist ein Ordner mit über 300 Seiten. Denn das Thema ist virulent. Auch wenn Eltern es nicht wahrhaben wollen. Zweidrittel der Jugendlichen wollen außerhalb der Familie Urlaub mit Gleichaltrigen machen, weil es eben auch um ein sexuelles Abenteuer oder ein Frühlingserwachen gehen soll. Ich sprach mit Stephan Schiller vom Bundesforum Kinder- und Jugendreisen, über die ersten Schmetterlingsgefühle, und was Betreuer dagegen unternehmen.. müssen.
Ab Mittwoch ist wieder die ganze Welt zu Gast in Berlin. Und da dachte ich mir, dass ist doch eine gute Gelegenheit, sich mit einer Psychologin und Expertin für Körpersprache darüber zu unterhalten, was man eigentlich alles falsch machen kann, wenn man es mit Menschen zu tun hat aus ganz anderen Kulturkreisen. Also, wenn Sie auf der ITB gute Geschäft machen oder gute Gespräche führen wollen, dann hören sie gleich genau hin, was Monika Matschnig rät.
Und logisch spreche ich auch mit meinem Lieblingsprofessor Karl Born über die ITB. Wir haben festgestellt, es ist für uns beide unsere 29. Und Karl sagt jedes Jahr, es sei nun wirklich seine letzte…
„Man sieht sich…“, ist so die meist gesagte Notlüge auf der ITB, wenn man mal wieder gehetzt aneinander vorbeirast durch die Reisewelt in den Messehallen. Und spätestens am Wochenende haben dann die meisten Touristik-Manager den kommunikativen Overkill hinter sich und strecken ermattet die Glieder. Mein Lieblingsprofessor Karl Born tut das jetzt schon seit Dekaden. Und immer wieder schwört er sich: das sei nun aber das letzte Mal gewesen. Ich vermute mal, ich muss diese Moderation nur zur Seite legen. Und wenn das Schicksal uns hold ist, brauche ich mir nächstes Jahr keine Gedanken über eine neue zu machen.
Kleiner Hinweis in eigener Sache – darf vielleicht erlaubt sein: diese Sendung feiert ein bescheidenes Jubiläum – das 50. Reiseradio. Schön, dass Sie wieder dabei sind.
Noch eineinhalb Wochen, und dann geht sie wieder los – die Weltmesse des Tourismus, kurz ITB. Wahrscheinlich werden nahezu hundert Prozent meiner Zuhörer sich auf den Weg nach Berlin machen. Same procedure as every year. Schöne bunte Reisewelt. Und eigentlich wäre sie ein Rundum-Sorglos-Glücklich-Event gewesen bei den Prognosen über die Reiselust, wenn, ja, wenn nicht die Befreiungswelle im nördlichen Afrika als Nebenwirkung das touristische Geschäft ziemlich aus dem „business as usual“ in dieser Saisonzeit gerissen hätte. Nach Tunesien und Ägypten können Urlauber seit dieser Woche zwar wieder reisen, aber die Normalität ist natürlich noch lange nicht eingekehrt. Vor allem hinter den Kulissen. Ich habe mich mit Dr. Martin Buck deshalb vor allem über die Irritationen unterhalten, die immer noch nicht überstanden sind im Hallenblock der arabischen Länder.
Ein kleiner Schritt über die Schwelle, ein großer Schritt für das Dauerthema Reisebüro-Zukunft. Letzte Woche hat in Berlin der neue, sagen wir mal, Flagship-Store der TUI offiziell aufgemacht. Direkt gegenüber von Wunderkind, dem Signaturladen von Wolfgang Joop am Gendarmenmarkt. Jetzt werden Sie sagen, die TUI hatte doch schon längst eine üppige Repräsentanz Unter den Linden. Und jetzt gibt es zwei Antwortmöglichkeiten. „A“ – ja, das Ladenlokal da ist weg. Kommt jetzt so ein gehobener Edel-Fast-Food rein, mit dem man sicher mehr Geld verdienen kann, als mit einem schönen, aber nicht der Wirtschaftlichkeit verpflichtet gewesenen Reisebüro. „B“ – ja, aber das alte Vorzeige-Reisebüro der TUI war einfach nicht mehr zeitgemäß. Und jetzt die Lage ist eigentlich viel schicker, und das Konzept viel moderner. Über die Antwort „B“, und was eigentlich dahintersteckt, rede ich gleich mit dem Chef des TUI Marketings, Michael Lambertz und der Leiterin des Büros, Beate Arnold.
Und natürlich spielt die Neueröffnung des edlen Musterladens für das TUI-Reisebüro der nächsten Dekade auch die Hauptrolle in meinem Skype-Talk mit meinem Lieblingsprofessor Karl Born. Denn der war ja, bevor er sich der Bissigkeit zuwandte, in leitender Vorstandsfunktion bei eben diesem sympathischen, kleinen Reiseveranstalter. Jetzt halten sicher einige in Hannover schon erschrocken die Luft an.. Keine Sorge, liebe TUIaner, Karl mag das Konzept.
Und noch was verrate ich an dieser Stelle: Sie erleben heute eine öffentliche Welt-Uraufführung, weil ja die ganze Welt, theoretisch, dabei sein kann: der neue TUI Song von Patrick Nuo – exklusiv im Reiseradio. Mein kleines Geschenk. Schön., dass Sie dabei sind.
Mein Lieblingsprofessor saß quasi schon auf gepackten Koffern, als er noch mal seinen Laptop auf den Balkon trug und mit einem letzten Blick auf die untergehende Sonne auf Lanzarote die Skype Verbindung nach Berlin wählte. Ende eines Urlaubs – mit unerwartet vielen Ägypten-umgebucht-irgendwie-irritiert-die-Sanddünen-suchenden-Mitreisenden. Klar, dass wir uns auch über Ägypten noch einmal unterhalten, bevor wir die Reise über die TUI-Kuschel-Lounge-Bar-Design-IPad-Urlaubsberatung und die Lust der Mächtigen auf Hofsänger oder –innen auf das eigentlich wichtige Thema lenken: diese 50. Ausgabe, und wie viel Blut, Schweiß und Tränen mit unser beider montäglichen Newsletter verbunden sind. Nein keine Angst. Wir klagen nicht.
Es ist sicher keine große Überraschung, dass das Auswärtige Amt nun vor Reisen nach Libyen warnt – was zumindest die touristische Industrie nicht besonders berühren dürfte. Schon mehr die Diskrepanz zwischen der offiziell vom AA bestätigten Ruhe an den touristischen Orten in Tunesien und Ägypten und der quer durch die Parteien im Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages geäußerten Meinung, auf keinen Fall jetzt nach Ägypten fahren zu wollen. Liebe Fachpolitiker, wenn ihr als privater Hans Fliegenschiss gefragt werdet, dann könnt Ihr Unsinn reden, so viel Ihr wollt. Aber die touristische Industrie hat schon einen Anspruch darauf, dass das höchste für sie zuständige politische Gremium nicht seit Wochen nur durch Dumpfbacken-Gequatsche auf sich aufmerksam macht. So, musste ich auch mal loswerden.
Diese Woche im Reiseradio geht es vordergründig um zwei touristische Produkte. Ein großes, nämlich das Urlaubsland Frankreich, und ein kleines, spezielles, die Fluglinie Air New Zealand. Nicht wirklich vergleichbar. Aber wir kümmern uns auch weniger um das Produkt, ob es schön, günstig, lohnenswert oder was auch immer ist, sondern um die Art, wie es werbend nach außen angepriesen wird.
Auf der einen Seite haben wir die klassische Sisyphos-Arbeit eines klassischen Fremdenverkehrsamtes. Und da haben es die Franzosen ähnlich schwer, wie ihre Kolleginnen und Kollegen von der DZT. Sie müssen ein ganzes Land mit zig Regionen und zigzig kleinen Highlights werbend präsentieren. Natürlich absolut neutral und gleichberechtigt, da wachen die Kleinst-Fürsten schon sehr eifersüchtig drauf. Das Ergebnis: leider ziemlich langweilig, wenn man es sehr höflich formulieren möchte. In dieser Situation befindet sich seit Jahren Thomas Schmidt, der Frankreichs PR für Deutschland verantwortet. Da braucht man unerschütterliche Zuversicht, die er im Gespräch mit dem Reiseradio auch tapfer beibehielt.
Auf der anderen Seite gibt es so eine neue Art von Guerilla-PR auch im Tourismus. Aktionen, die sich nicht mehr in Prospekten und wohl formulierten Pressemeldungen erschöpfen. Da werden Aktionen entwickelt und Events, die quasi über die Hintertür für ein Urlaubsprodukt werben. Über manches hatten wir im Reiseradio schon berichtet, wie die Frikandeljagd der Holländer, oder den Ein-Jahres-Traumjob der Queenslander. Diese Woche gibt es Sand satt in Frankfurt und Düsseldorf. Mollig warm temperiert und mit allerlei Schabbernack dekoriert im Zeichen Neuseelands. Da herrscht nämlich jetzt kuscheliger Sommer. Marina Noble muss nun mit ihrer Agentur dieses eigentliche Nicht-Ereignis zum Entertainment erklären und in die Medien bringen – auf dass auch ein Brosamen Werbung für den Initiator Air New Zealand abfällt. Das geht nicht mehr allein über klassische Kanäle, sondern nur noch zusammen mit Neuen Medien. Über die Strategie mit einem Glascontainer voller Sand gleich mehr im Gespräch.
Karl Born erholt sich gerade auf Lanzarote. Was natürlich kein Grund ist, dass wir uns nicht am Sonntagabend über die touristische Welt lästernd austauschen. Vom Tourismusausschuss mit seiner beeindruckenden Intellektualität in Punkto Ägypten, über Reiseveranstalter in absolute Krisengebiete bis hin zu Mäusen in der Flugsicherheit reicht das Spektrum. So unkonventionell, wie Sie es jede Woche erwarten können. Schön, dass Sie wieder dabei sind.