Schiffstaufen entwickeln sich immer mehr zur Eigeninszenierung, bei dem der eigentliche Akt des Taufspruchs und der zerschellenden Champagnerflasche eher in den Hintergrund tritt. Eine Show als gesellschaftlicher Event. Und damit dieser nicht nur den geladenen Gästen vorbehalten bleibt, schenkte TUI Cruises den Hamburgern dieses Mal sogar ein Konzert mit Helene Fischer, der Taufpatin. Die Highlights des Tages hier im Film
Das Reiseradio ist gerade zurück aus Ägypten vom Nil, was nicht nur in dieser Sendung von „Was mit Reisen“, ein Thema ist, sondern auch zu einem schönen Film geführt hat, den Sie auf der Website sehen können. Bei der Rückkehr hatte ich Glück und erreichte mit hängender Zunge noch den Lufthansa-Anschlussflug von Frankfurt nach Berlin. Die letzte Maschine vor dem Streik. Wie schön, so war ich also nicht selbst vom egoistischen Ausstand der Piloten betroffen; so wie tausende unmittelbar und noch mehr mittelbar, weil sie in Sippenhaft genommen wurden – man braucht sie jetzt hier nicht aufzählen…
Man fragt sich wirklich, und jetzt schlüpfe ich mal in die Rolle des Gernot Hassknecht von der heute-Show, in welcher abgehobenen Glaskugel die Piloten ihren arroganten Dünkel ausleben, sie seien etwas Besseres, als die Millionen Arbeiter am Boden. Da wird das Image der tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten mit Lust am Klischee gepflegt, wo mir ein hochdekorierter Lufthansa-Pilot schon vor Jahren sagte, die stressigste und gefährlichste Phase sei für alle Flugzeugführer der Weg von der Landebahn auf einem Großflughafen unfallfrei zum Standplatz. Mit welcher Begründung denken die Herrschaften eigentlich, sie hätten das ewige Recht, sich bereits mit 55 golden alimentiert zur Ruhe zu setzen? Um natürlich als Privatpiloten munter weiterzufliegen. Was soll da zum Beispiel ein Busfahrer denken, der jeden Tag auch die Verantwortung für viele Menschen übernimmt und mit ungleich mehr spontanen Gefahrensituationen konfrontiert ist. Versagen bedeutet Tod. Und für die Angehörigen ist es kein Unterschied, ob der Tote vom Himmel gefallen ist oder im Straßengraben verreckte. Sorry, dass ich es so brutal beschreibe. Es mag ja wirklich in den früheren Jahren mit viel Grundrisiko und der Anforderung, vielleicht permanent technisch improvisieren zu müssen, ein Stresspotential gegeben haben, dass es angeraten schien, mit 55 bereits den wohlverdienten Ruhestand antreten zu dürfen. Da gibt es auch andere Berufe mit ähnlichen harten Belastungen. Aber die Vereinigung Cockpit ignoriert beharrlich, dass die Technik heute die Kunst des Fliegens weitgehend entzaubert hat und auch, dass Menschen mit 55 leistungsfähiger sind als noch vor 40 Jahren. Keine Frage, der Besitzstand soll nicht angetastet werden bei den Altpiloten. Aber das Beharren darauf, die Regelung plus fette Gehaltszulage in alle Ewigkeiten fortzuschreiben, wirkt von außen nur noch als verzweifelte Bissigkeit einer Splitter-Gewerkschaft, die weiss, dass ihre Tage vom Gesetzgeber angezählt worden sind. Mal schauen, ob die Lufthansa bei einem zweiten drohenden Streik dann auch ihr Restpersonal – weil es ja nichts zu tun gibt – in den unbezahlten Ausstand schickt. Dann dürften die Piloten in ihrer schmucken Uniform schnell merken, wie ihr Ansehen tatsächlich ist bei der Belegschaft. Eine solche Demontage ist ihnen nicht zu wünschen. Aber Verständnis für die Forderungen kann es nicht geben.
So, und jetzt durchgeatmet und wieder die viel entspannteren Themen unserer Ausgabe 164. Ich habe es schon am Anfang gesagt, Ägypten ist heute eines der Themen. Ganz kurzfristig hatte ich mich entschlossen, auf eines der Nilschiffe zu gehen, die momentan vor allem von FTI mit ihrem Reiseverkaufssender Sonnenklar dem deutschen Teleshopping-Publikum ans sparsame Schnäppchen-Herz gelegt werden. Objektiv bewertet gibt es zwar keinen Grund, den Fluss derzeit zu meiden. Es ist eher das Bauchgefühl, wenn ich das heute so sage, was die Urlauber unruhig werden lässt in Bezug auf Ägypten. Und selbst Kollegen waren skeptisch, ob es ein guter Zeitpunkt sei, da jetzt hinzufahren. Zusammengefasst: es war eine wunderbare Woche mit traumhaftem Wetter, leeren Tempeln und liebenswürdigen, bemühten Gastgebern. Kein Gefühl von Unsicherheit, zu keinem Zeitpunkt. Ich weiss, dass das nicht aussagekräftig ist, aber es ist eben eine Momentaufnahme. Was das Ausbleiben der Urlauber aber für die Menschen vor Ort bedeutet, darüber unterhalte ich mich mit dem langjährigen Reiseleiter Mohamed Hamza Amin nachher in der Sendung.
Man muss wirklich kein Gutmensch sein, um Nachhaltigkeit toll zu finden. Und man muss nicht überrascht sein, wenn es Umfragen gibt, die die diesbezügliche Stimmungslage erkundigen, dass die Zustimmungswerte enorm sind. Das sind minimale Prozentzahlen von Ignoranten oder lustvollen Provokateuren, die behaupten Umwelt und Nachhaltigkeit sei ihnen schnuppe. Hauptsache Preis und Vergnügen stimmen. Auch in der Touristik hat es in den letzten Jahren einen klaren Umdenkprozess gegeben. Je hochwertiger ein Veranstalter sich selbst sieht, desto mehr kümmert er sich um diesen Aspekt bei der Reiseplanung; selbst, wenn die Kosten nicht eins zu eins umlegbar sind auf den auch in diesem Segment preissensensiblen Kunden. Doch sind alle grün-nachhaltigen Aktionen auch sinnvoll? Bei machen Aktivitäten sieht es nämlich mehr nach Marketing-Gag, denn gutem, verantwortungsvollen Wirken aus. Das böse Wort des Greenwashings macht auch im Tourismus die Runde. Darüber unterhalte ich mich gleich mit Peter Mario Kubsch vom Veranstalter Studiosus.
Da passt es doch wunderbar zum Thema, dass die TUI all ihre Mietwagen mit CO2 Kompensation vermietet. Sogar angeblich ohne Aufpreis für den Kunden. Die Nummer Eins auf dem Markt leistet sich gerne Nischen. Machen zwar mehr Arbeit, sind vom Ertrag aber auch ungleich höher, als das Butter und Brot Geschäft. Mietwagen sind so ein Segment, Camper oder auch Hausboote. Das so etwas trotzdem sehr sexy sein kann im Verkauf für den Stationären Vertrieb, darüber unterhalte ich mich gleich mit Ilka Lauenroth, die für diese Mobilität bei der TUI verantwortlich ist.
Das Reiseradio muss sich immer noch ein bisschen am NPS, dem Net Promoter Score, abarbeiten. Dies ist ein Index, der aussagt, wie viele Kunden eines Unternehmens so zufrieden sind, dass sie es ihren guten Freunden weiterempfehlen würden. Wahrscheinlich ist es der wichtigste Index überhaupt; denn ohne Kundenbindung und Flüsterpropaganda gibt es kein Wachstum. Gerade im Tourismus, wo vielerorts immer noch das Denken herrscht, du musst nur laut genug den billigsten Preis herausschreien in der Werbung, dann wird schon bei dir gebucht.
Wie schön, denkt man sich da, wenn sich einer aufmacht, die guten alten Werte einer geschäftlichen Beziehung wieder mit Bedeutung aufzuladen. Dieser eine ist Christian Clemens, der CEO der TUI Deutschland, der das seit seinem Amtsantritt wie ein Mantra vor sich herträgt. Ein Schelm, wer vermutet, die TUI macht das nur, weil sie sich eh schon auf dem Spitzen NPS innerhalb der touristischen Unternehmen in Deutschland eingerichtet hat. Aber der Ansatz ist aus Verbrauchersicht natürlich nur zu begrüßen. Alle Anstrengungen, die ein Unternehmen macht, um seine Kunden oder Gäste zufrieden zu stellen, könnte man kaum kritisieren. Vielleicht sollte die TUI dem BGH wegen ihres gerade dort verlorenen Prozesses bezüglich des fast schon zum Gewohnheitsrecht mutierten Veränderns von zugesagten Flugzeiten deshalb auch lieber dankbar sein: Die obersten Richter haben ihnen quasi einen Weg gezeigt, den NPS weiter zu verbessern: bei einem Qualitätsveranstalter könnte der nun richterliche Zwang doch zu einem Markenzeichen werden, seinen Kunden nicht nur verbindliche, sondern oben drauf noch angenehme Flugzeiten zu garantieren. Als USP quasi gegenüber Billigheimern, die die Leute plötzlich und unerwartet morgens um 6 oder noch früher auf den Runway schicken… Dann klappt es auch mit der Weiterempfehlen-Rate… Über die Anstrengungen mit dem Net Promoter Score, Wachstums-Strategien, den Ausbau der differenzierten Produkte und das neue Verhältnis zum Vertrieb spreche ich in dieser Ausgabe von „Was mit Reisen“ mit Christian Clemens.
Jeder, der schon mal in Thailand mit dem Ausflugsboot durch die Phang Nga Bucht schipperte, vorbei an all den skurrilen Napfkuchen-Inseln, kennt das eigentliche Ziel der Exkursion: das Inselchen Khao Phing Kan. Es ist nett anzuschauen mit seinem vorgelagerten Nadelfelsen, keine Frage. Auch wenn der Anblick etwas getrübt wird durch die Hinterlassenschaften im smaragdgrünen Wasser, die viele tumbe Touristen hinterlassen, aber durchaus auch die nicht gerade Umwelt-sensiblen Thais selbst. Was ist nun so besonders an diesem Punkt, dass alle dort ankern müssen? Drumherum gibt es nämlich viel schönere grün-bewachsene Grottenfelsen, und man wäre fast allein. Die Antwort besteht, wie die meisten Hörer des Reiseradios wissen, aus nur drei Ziffern: 007. James Bond, aka Roger Moore hat sich hier mit dem Bösewicht 1972 gezofft. Mit dem Mann mit dem Goldenen Colt. Über 40 Jahre ist das her. Aber die Strahlkraft als touristische Attraktion ist immer noch ungebrochen. Warum ich das erzähle: Weit weg vom Geheimdienst ihrer Majestät hat jetzt auch Bayern Tourismus entdeckt, dass Filmkulissen und Drehorte wunderbare Blaupausen sind für touristisches Marketing. Und deshalb soll das Filmland Bayern ab der kommenden Saison glänzen. Da muss es auch gar nicht der Hollywood-Blockbuster sein. Die Bayern denken volksnah und in Kategorien von TV-Dramoletten. Wer nachmittags vor der Flimmerkiste nur häufig genug bayerisches Bühnenbild zu sehen bekommt, der will auch in seinen Ferien an den Originalschauplatz. Über dieses kreative Marketing, dass nachgerade genial wäre, wenn die bayerische Filmförderung dezidiert Beautyshots in den Drehbüchern der TV-Serien vorschreibt für die Zukunft, spreche ich im Reiseradio mit Jens Huwald, dem Chef von Bayern Tourismus.
Von Bayern ist es nicht mehr allzu weit nach Kärnten, südlich der Alpen. Diesen Winter mehr als gesegnet mit Schnee. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt, und deshalb habe ich mich mit Ute Zaworka von der Kärnten Werbung getroffen. Die kam natürlich mit 100 Prospekten und 1000 Urlaubsideen. Ich hatte eine halbe Stunde Zeit zum Querlesen und vergnügtem Kopfschütteln über manche absurde Idee von Urlaubswerbern – und für Sie haben wir das jetzt noch mal als Beratungs-Essenz in wenigen Minuten zusammengefasst, warum Kärnten ganz schön sein dürfte, wenn bald wieder die sprichwörtlich südliche Sonne dort scheint.
Das Reiseradio wundert sich, wie viele in diesen Tagen etwas über die Geheimdienste dieser Welt. Da hat man sich gerade mit der Faust in der Tasche dem anscheinend Unvermeidlichen gebeugt, dass unser Privatleben keinen Pfifferling mehr wert ist und die Kameraden von Horch und Guck jede unserer Bewegungen in ihrer unersättlichen Datenkrake speichern. Und nun verfolgen wir ungläubig – und die Angehörigen verzweifelt – seit Tagen, dass mal eben so ein komplettes Großraumflugzeug trotz kleinteiligster Satellitenüberwachung verloren gehen kann…
Auf der anderen Seite haben die Mitarbeiter des zweifellos anerkannt effizienten und absolut qualifizierten deutschen Geheimdienstes anscheinend – oder doch vielleicht nur scheinbar – ein Telefonat abgefangen, in dem ägyptische Terroristen ansatzweise irgendwas planen würden in Bezug auf touristische Einrichtungen. Das wäre natürlich die größte anzunehmende Katastrophe für das Land. Nur: komischerweise haben die befreundeten und nicht gerade als amateurhaft geltenden Dienste in Paris und London – und auch Moskau – wohl nichts dergleichen gehört. Ja, selbst, nachdem die Deutschen ihnen großzügig ihre Auswertung übermittelten, sahen sie offensichtlich noch keinen Grund zum Eingreifen…
Womit wir jetzt eine etwas absurde Situation haben: die deutschen Veranstalter mussten auf ausdrücklichen Wunsch des Auswärtigen Amtes den Sinai sogar bis Ende April aus dem Programm nehmen – ergo, diese Destination ist bis zum Spätherbst quasi touristisch tot – wogegen eben erwähnte Nationen die Sinai-Strandhotels weiter zum Sonnen und Tauchen freigegeben haben. Irgendwie fällt es mir schwer, zu glauben, andere Geheimdienste wären robuster in der Sorge um ihre Landsleute.
Anyway, in diesem Reiseradio habe ich auch Oliver Dörschuck, den touristischen Chef der TUI Deutschland, gefragt, wie er die Entwicklung für Ägypten einschätzt. Er bleibt optimistisch; kein Wunder angesichts der höchsten Gästezufriedenheit von allen Destinationen, die vom großen Veranstalter abgedeckt werden. Stellvertretend für die Branche, denn Urlaubstrends kümmern sich nicht um Markennamen, habe ich mit Oliver Dörschuck auch über seine Prognosen geredet, wie das Veranstalter-Geschäft sich entwickeln wird in den nächsten Monaten. Bis hin zum komplett ticketlosen Reisen. Mit interessanten Erkenntnissen.
Unsere beiden südlichen Nachbarn Österreich und Schweiz kommen in diesem Reiseradio ausführlich zu Wort. Für beide sind wir Deutschen der wichtigste Quellmarkt. Kein Wunder, dass die touristischen Vertretungen sehr viel Aufwand treiben, die Deutschen als Gäste für ihre schönen Länder zu überzeugen. Nach den jüngsten politischen Aufgeregtheiten bei den Eidgenossen haben die Österreicher da momentan etwas bessere Karten. Dabei ist man sich in Wien in der Zentrale der Österreich-Werbung durchaus seiner Stärken bewusst. Wie sonst könnte Petra Stolba, die Chefin, sonst den Mut haben, auf der ITB im Kern zu verkünden, eigentlich brauche man derzeit gar kein Motto: Österreich in sich selbst sei Argument genug. Das ruft doch danach, in einem Reiseradio-Gespräch hinterfragt zu werden.
Die Schweizer, obschon landschaftlich mindestens ebenso gesegnet, haben es deutlich schwerer in Deutschland – dem teuren Franken sei’s gedankt. Da muss man seine Besonderheiten schon filigraner und mit mehr Aufwand herausarbeiten, damit der Preis keine so große Rolle mehr spielt gegenüber all den konkurrierenden Destinationen. Die Mannschaft um Jörg Krebs scheint das nicht schlecht hin zu bekommen. Zumindest aus Reise-Journalisten-Sicht. Einmal im Jahr fragt der srt-Verlag in der Medienbranche rund, welche Ländervertretung denn wohl den besten und professionellsten Job macht. Sie ahnen es nach der Vorrede: die Schweizer. Wie sie das tun, darüber unterhalte ich mich mit Jörg Krebs.
Aber es gibt ja nicht nur Ländervertretungen, so genannte NTOs, sondern auch eine Unmenge von Agenturen, die sich allesamt bemühen, für ihre touristischen Kunden einen Krumen Aufmerksamkeit zu erhaschen. Auch da gibt es, wen wundert es, große Unterschiede in der Qualität als Dienstleister für die Journalisten, die vom srt-Verlag abgefragt werden. Es ist ja eine durchaus offen angesprochene Herausforderung im Tourismus, dass sich Journalisten und die Industrie nahe kommen müssen, weil ohne Unterstützung der Branche fast keine Recherchereisen mehr möglich wären. Da muss das Verhältnis zwischen PR und Journalisten sehr sensibel austariert sein, um noch ein nötiges Maß an Unabhängigkeit zu garantieren. Besonders geschätzt wird in diesem Zusammenhang die Arbeit von Noble Kommunikation. Mit der Chefin Marina Noble unterhalte ich mich über die Arbeit einer Agentur heute, und wie man die Balance zwischen Auftraggeber und Journalisten hält.
Für Menschen, die auf Teneriffa eine stilvolle Unterkunft suchen, ist es seit vielen Jahrzehnten ein Evergreen: das Botanico Hotel in Puerto de la Cruz. Eigentlich fehlt ihm alles, was Reissbrett-Planer für erfolgreiche Touristikplanung als Essentials sehen würden: die Strandlage, die gute und ebenerdige Erreichbarkeit, eine bauliche Urlaubsphantasie, eine moderne Buffet-Kulinarik.. Und trotzdem behauptet das Botanico gepflegt konservativ und mit gutem Service seit langer Zeit Spitzenpositionen auf Bewertungsportalen. Jürgen Drensek hat sich das Haus, das gerade mit dem TUI-Holly 2013 für vorbildliches Umweltbewusstsein ausgezeichnet wurde, für den „Was mit Reisen“-Check einmal genauer angesehen.
Bei aller theoretischen Genialität der Grundidee, ist es sicher das Hotelprojekt der TUI, das sich am schwersten in einem Satz erklären lässt: Puravida. Obwohl von derselben DNA gespeist, ist es kein Ferienclub, aber eben auch nicht einfach ein fast-luxuriöses Resorthotel. Es bietet Action und Entspannung parallel, es soll weltläufig sein und zeitgeistig. Alles positiv belegte Schlagworte, die mit Leben gefüllt werden müssen. Das Puravida Resort Seno bei Sarigerme an der lykischen Küste hat das Potential, ein Best Practise für diese Urlaubsidee zu sein. die TUI-Gäste haben ihm jedenfalls 2013 die Holly-Auszeichnung für das beste Hotel im Östlichen Mittelmeer verliehen! Jürgen Drensek hat es dem „Was mit Reisen“-Check unterzogen.
Wow!, da haben wir ja mal wieder ne DRV Tagung erlebt, die neben dem gewohnt-gediegenen Staatsschauspiel auf der Bühne jede Menge Soap auf den Gängen bot. Wenn man Anhänger von Verschwörungstheorien wäre, müsste man an kunstvoll gesponnene Intrigen im Stil etwa der Borgias denken. An eine konspirativ-konzertierte Strafaktion gegenüber einem übermütigen Mitspieler. Eine feinnervig angedachte Disziplinierungsmaßnahme gewissermaßen, die allerdings irgendwann aus dem Drehbuch rutschte und eine selbstverzehrende Eigendynamik entwickelte, die auch keinen Cliffhanger mehr zuließ für eine nächste Episode. Alle hockten da am letzten Abend, etwas ermattet, bei den Klängen der wunderbaren Salzburger Philharmoniker; bezeichnenderweise beim Soundtrack „Piraten der Karibik“…
Aber der Reihe nach. Im ersten Akt wurde FTI gleich mal wegen ihres Ausscherens in der Ägypten-Frage schon in der ersten Stunde des Kongresses coram publico zweimal in die Schäm-Ecke geschickt; von wegen mangelnder Solidarität mit der Branche. Da sah man in der Kaffeepause bereits bei Gunz, Schiller und Co erstaunlich verkniffene Minen und trotzige Unterlippen, weil der DRV und die Wettbewerber nicht etwa den Mut fanden, rückblickend auf der Bühne die eigene, etwas unglückliche Rolle beim Polittheater des Auswärtigen Amtes zu hinterfragen, sondern lieber Geschlossenheit und Gehorsam einforderten. Eine Petitesse, wollte man da noch denken, lösbar bei einem Bier am Abend.
Aber Vorhang auf zum zweiten Akt am nächsten Morgen. Eine Räuberpistole im Handelsblatt. Gerüchteweise solle sich FTI in finanzieller Schieflage befinden. Dieses Gerücht wurde zwar noch innerhalb desselben Artikels (!) faktisch widerlegt – und das alleine ist schon journalistisch bemerkenswert und berufsethisch verhaltensauffällig – aber die Schnurre erzielte den gewünschten Explosionseffekt. Schließlich wurden Fachjournalisten schon seit Wochen aus den Reihen der Marktteilnehmer hinter vorgehaltener Hand mit äußerst vagen Andeutungen gefüttert. Parallel gab es mal wieder eine der mittlerweile schnell entstehenden Erregungsspiralen im Stationären Vertrieb. Da mutierten bei Facebook und Co unternehmerisch durchaus legitime Umsteuerungs-Anweisungen des Marktführers aus Hannover auf eigene Reise-Produkte im Stille-Post-Prinzip zu vorgeblich fürsorglichen Warnungen, lieber nicht Kunden bei den Münchenern einzubuchen. Man wisse ja nicht, wie da die Entwicklung weitergehe… Déjà Vu 2012, Thomas Cook. Derselbe Autor, dieselbe Zeitung. Manche dachten auch sofort: dieselben Gerüchte-Durchlauferhitzer…?
Nun waren die Minen bei FTI nicht mehr nur genervt, wie sich die Hörer des Reiseradios nur allzu gut vorstellen können. Verschränkte Arme, rote Köpfe und ernste Gespräche in den Gängen, während auf der eigentlichen Bühne das ehrbare Thema Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung versuchte, Aufmerksamkeit zu erhaschen.
Glück im Unglück für FTI, dass der Artikel während der DRV-Tagung erschien. Schlechtes Timing, wenn man argwöhnen wollte, da sollte im Hintergrund ein böses Spiel inszeniert werden. Denn, da alle vermuteten Akteure an einem Ort zusammenhockten, konnte der Blindgänger kontrolliert entschärft werden.
Was bleibt nun übrig von all der künstlichen Aufregung? Für mich ein neues Gefühl für die Branche, die auf einmal so erscheint, wie die Musterfamilie in der gruselig-akkuraten Vorgarten-Siedlung, deren menschliche Abgründe und Verwerfungen aber hinter der heilen Fassade der sonnigen Lebensfreude, für die man steht, für einiges Erschrecken sorgen. Vorhang. Die Staatsschauspieler, denn alle Achtung, das müssten sie sein, wenn all ihre Empörung nur gespielt gewesen wäre, verbeugen sich in der Festspielstadt.
Zum Mithören im Reiseradio: Ralph Schiller von FTI über Krise und Kollegialität. Jürgen Büchy, übrigens mit geradezu sozialistischem Ergebnis von 99,68 Prozent wiedergewählter DRV-Präsident, über seinen Konflikt zwischen Dirigent und Dompteur. Und natürlich auch, aus Gründen der Dokumentation und der Dichte an interessanten Themen, noch die Nachlese aus der Sommerprogramm-Präsentation der DER Touristik mit Sören Hartmann und Michael Frese.