Touristik Talk

Wasmitreisen - Das erste Reiseradio für Profis im Internet

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Hintergrund, Klatsch und Service für Touristik-Profis

Karl Born und die Lust im Reisebüro

Mein Lieblingsprofessor saß quasi schon auf gepackten Koffern, als er noch mal seinen Laptop auf den Balkon trug und mit einem letzten Blick auf die untergehende Sonne auf Lanzarote die Skype Verbindung nach Berlin wählte. Ende eines Urlaubs – mit unerwartet vielen Ägypten-umgebucht-irgendwie-irritiert-die-Sanddünen-suchenden-Mitreisenden. Klar, dass wir uns auch über Ägypten noch einmal unterhalten, bevor wir die Reise über die TUI-Kuschel-Lounge-Bar-Design-IPad-Urlaubsberatung und die Lust der Mächtigen auf Hofsänger oder –innen auf das eigentlich wichtige Thema lenken: diese 50. Ausgabe, und wie viel Blut, Schweiß und Tränen mit unser beider montäglichen Newsletter verbunden sind. Nein keine Angst. Wir klagen nicht.

Reiseradio 049 – Eine Sandkiste für den Herrn der Ringe: wie Air New Zealand sich zum Event macht / Vive le Chamapgne! Ein Kessel Buntes aus Frankreich

Es ist sicher keine große Überraschung, dass das Auswärtige Amt nun vor Reisen nach Libyen warnt – was zumindest die touristische Industrie nicht besonders berühren dürfte. Schon mehr die Diskrepanz zwischen der offiziell vom AA bestätigten Ruhe an den touristischen Orten in Tunesien und Ägypten und der quer durch die Parteien im Tourismusausschuss des Deutschen Bundestages geäußerten Meinung, auf keinen Fall jetzt nach Ägypten fahren zu wollen. Liebe Fachpolitiker, wenn ihr als privater Hans Fliegenschiss gefragt werdet, dann könnt Ihr Unsinn reden, so viel Ihr wollt. Aber die touristische Industrie hat schon einen Anspruch darauf, dass das höchste für sie zuständige politische Gremium nicht seit Wochen nur durch Dumpfbacken-Gequatsche auf sich aufmerksam macht. So, musste ich auch mal loswerden.

Diese Woche im Reiseradio geht es vordergründig um zwei touristische Produkte. Ein großes, nämlich das Urlaubsland Frankreich, und ein kleines, spezielles, die Fluglinie Air New Zealand. Nicht wirklich vergleichbar. Aber wir kümmern uns auch weniger um das Produkt, ob es schön, günstig, lohnenswert oder was auch immer ist, sondern um die Art, wie es werbend nach außen angepriesen wird.

Auf der einen Seite haben wir die klassische Sisyphos-Arbeit eines klassischen Fremdenverkehrsamtes. Und da haben es die Franzosen ähnlich schwer, wie ihre Kolleginnen und Kollegen von der DZT. Sie müssen ein ganzes Land mit zig Regionen und zigzig kleinen Highlights werbend präsentieren. Natürlich absolut neutral und gleichberechtigt, da wachen die Kleinst-Fürsten schon sehr eifersüchtig drauf. Das Ergebnis: leider ziemlich langweilig, wenn man es sehr höflich formulieren möchte. In dieser Situation befindet sich seit Jahren Thomas Schmidt, der Frankreichs PR für Deutschland verantwortet. Da braucht man unerschütterliche Zuversicht, die er im Gespräch mit dem Reiseradio auch tapfer beibehielt.

Auf der anderen Seite gibt es so eine neue Art von Guerilla-PR auch im Tourismus. Aktionen, die sich nicht mehr in Prospekten und wohl formulierten Pressemeldungen erschöpfen. Da werden Aktionen entwickelt und Events, die quasi über die Hintertür für ein Urlaubsprodukt werben. Über manches hatten wir im Reiseradio schon berichtet, wie die Frikandeljagd der Holländer, oder den Ein-Jahres-Traumjob der Queenslander. Diese Woche gibt es Sand satt in Frankfurt und Düsseldorf. Mollig warm temperiert und mit allerlei Schabbernack dekoriert im Zeichen Neuseelands. Da herrscht nämlich jetzt kuscheliger Sommer. Marina Noble muss nun mit ihrer Agentur dieses eigentliche Nicht-Ereignis zum Entertainment erklären und in die Medien bringen – auf dass auch ein Brosamen Werbung für den Initiator Air New Zealand abfällt. Das geht nicht mehr allein über klassische Kanäle, sondern nur noch zusammen mit Neuen Medien. Über die Strategie mit einem Glascontainer voller Sand gleich mehr im Gespräch.

Karl Born erholt sich gerade auf Lanzarote. Was natürlich kein Grund ist, dass wir uns nicht am Sonntagabend über die touristische Welt lästernd austauschen. Vom Tourismusausschuss mit seiner beeindruckenden Intellektualität in Punkto Ägypten, über Reiseveranstalter in absolute Krisengebiete bis hin zu Mäusen in der Flugsicherheit reicht das Spektrum. So unkonventionell, wie Sie es jede Woche erwarten können. Schön, dass Sie wieder dabei sind.

Karl Born und das Abenteuer Reise

Urlaub ist Abenteuer, denkt sich der Schweizer Reiseveranstalter Babel Travel und bietet Afghanistan genauso an, wie den Irak, Somalia oder den Sudan. Das sind sicher keine Rundreisen für sensible Naturen, und man sollte gut versichert sein, aber es ist so schön unsinnig, dass es ebenfalls die Hürde geschafft hat ins Reiseradio zu meinem Lieblingsprofessor Karl Born. Denn wir reden heute sehr viel über Abenteuer – bis hin zu abenteuerlichen Dummheit, die Politiker häufiger befällt, wenn sie sich zum politischen Nicht-Thema Tourismus äußern.

Reiseradio 048 – Club und Kuckucksuhr – warum uns die Ausländer lieben: Wirtschaftsminister Brüderle und DZT Chefin Hedorfer zum Rekord im Deutschlandtourismus / Ackern im Urlaub: STA-Travel will jungen Menschen Ferien mit Verantwortung bieten / TUI Murmeltiertag: Karl Born aus der Höhle des Löwen

Das Reiseradio ist auch ziemlich erleichtert, dass die Dinge in Ägypten sich anscheinend zum Guten wenden. Wobei „gut“ natürlich eine etwas hilflose Formulierung ist und den im Tourismus Beschäftigten vor allem am Roten Meer, aber auch entlang des Nils, die Sorge nicht wegnimmt, von was sie in den kommenden Wochen oder Monaten leben sollen. Ein Problem, das ähnlich auch in Tunesien akut bleibt. Nun hat die Reiseindustrie erst einmal schnell umgebucht, das musste sie auch, aber es wäre zu wünschen, dass die beiden Länder schnell wieder eine Chance bekommen. Auch dafür wird die ITB gut sein Anfang März – sofern bis dahin überhaupt wieder jemand das Sagen hat im Tourismus bei den beiden Ländern.

Vielleicht noch ein Satz dazu, wie Marktwirtschaft funktioniert: Die Ausweich-Zielgebiete, glücklich überrascht von den Umbuchungen, entdeckten auch schnell die Notlage und drehten an der Preisschraube. So kann man auch weit entfernt von Revolutionen profitieren

Zum Thema Ägypten und einer, nennen wie es mal vorsichtig „merkwürdigen“, Stellungnahme des Tourismus-Ausschuss-Vorsitzenden Brähmig unterhalte ich mich gleich noch mit Klaus Laepple, dem Boss des Bundesverbandes der Tourismus-Industrie. He was not amused. So viel sei schon gesagt.

Topthema in diesem Reiseradio ist der Deutschland-Tourismus. Denn das alte Schnarchziel ist munterer als je zuvor. Gerade die ausländischen Gäste lieben uns – Rekord 20 Jahre nach der Wiedervereinigung: über 60 Millionen Übernachtungen von Menschen ohne deutschen Personalausweis. Was sie hier suchen, die Kuckucksuhren oder die Clubszene von Berlin – darüber spreche ich mit Wirtschaftsminister Rainer Brüderle – dem obersten Touristiker in der Regierung. Und mit der DZT-Chefin Petra Hedorfer wollen wir das auch erkunden. Sie verantwortet ja die tägliche Arbeit, Deutschland sexy zu machen für den Urlaub. Mit Themen, die für manchen manchmal leicht unsexy wirken.

In den letzten Ausgaben des Reiseradios haben wir uns intensiv mit dem Familienurlaub beschäftigt und auch mit den Reisewünschen von Jugendlichen, die irgendwann mal keinen Bock mehr darauf haben, gemeinsam mit den Eltern unterwegs zu sein, sondern lieber mit Gleichaltrigen – Stichwort RUF Jugendreisen als Beispiel für darauf spezialisierte Veranstalter. In dieser Sendung wird unsere Zielgruppe etwas älter: Schule vorbei, volljährig, Student, wenig Geld, große Neugierde und auch große Ideale. Da bucht man vielleicht nicht unbedingt bei den großen Veranstaltern, sondern will individuell unterwegs sein. Und da holt sie STA-Travel ab. Was aus dem Selbsthilfeprojekt australischer Studenten geworden ist, erfahren Sie im Gespräch mit dem Geschäftsführer Andreas Siegmann.

Karl Born, mein Lieblingsprofessor und ehemaliger TUI-Vorstand, ist auch TUI-Kleinaktionär. Deshalb war er für das Reiseradio auf der Hauptversammlung und wird mir am Ende der Sendung, und Ihnen natürlich auch, Insiderinformationen anvertrauen, was der touristische Murmeltier-Tag in Hannover an Erkenntnissen brachte. Über Ägypten reden wir natürlich auch, über Mallorca als Sexfalle und über die schnöde Abkehr der Urlauber von Nachhaltigkeit, sobald sie Geld dafür ausgeben müssen.

Karl Born und der TUI-Murmeltiertag

Natürlich mache ich gleich mit Karl Born eine nicht Nach-, aber Zwischenlese zum Thema Ägypten, wir reden über die Gefahr, vor der man die Rote-Meer-Badeurlauber dringend beschützen musste und der sie nun ganz anders auf Mallorca ausgesetzt sind – der gefährlichsten Insel des Mittelmeers. Aber die eigentlich Höhle des Löwen, in die sich mein Lieblingsprofessor gewagt hat, war das Congress Centrum Hannover, wo die TUI Hauptversammlung stattfand diese Woche. Die Schlachten am Büffet, die Scharmützel am Mikrophon, die Show neuer Strategien und der schöne Schein einer russischen Zukunft. Darauf einen verbalen Wodka. Nasdrowje!

Reiseradio 047 – Ägyptens Haie sauer auf Westerwelle – kein Frischfleisch mehr am Roten Meer / Hans Georg Koch (DRV) zur Reisewarnung / Dschungelcamp in Asia? Ess-Reise mit Sternekoch Tim Raue / Windrose – Richtung Luxus und dann immer geradeaus: Wybcke Meier und Dr. Hans Peter Holzinger

Das Reiseradio auf gepackten Koffern für Ägypten… Nein, natürlich nicht. Ginge ja auch gar nicht; selbst, wenn ich wollte. Und momentan habe ich das Gefühl, dass ich schon aus Trotz wollen würde. Ich hatte nur eben ein Gespräch mit einem Freund, der am Roten Meer eine Tauchbasis betreibt und mir erzählte, wie frustriert seine Mitarbeiter seien. Es sei alles komplett friedlich, und doch verwandeln sich zunehmend die Resort-Enklaven in Geisterdörfer, weil die Urlauber mit sanftem Druck zur Ausreise gedrängt werden und niemand mehr ins Land kommt. Seitdem Außenminister Guido Westerwelle die fast-Reisewarnung ausdrücklich auch auf die Urlaubsgebiete am Roten Meer ausgeweitet hat, sind die Ägypter, und da gerade die Kleinen Leute, verzweifelt. Keine Urlauber, keine Arbeit. Das ist deshalb auch unser Schwerpunktthema heute. Gleich im Gespräch, Hans Georg Koch, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes, der diese Entscheidung – wenn auch in diplomatisch verbindlichen Worten – überhaupt nicht nachvollziehen kann. Und natürlich ist Guido -wir retten Urlauber aus Ägypten- Thema bei meinem Lieblingsprofessor Karl Born. Weniger diplomatisch verbindlich. Aber etwas anderes dürfen Sie ja auch nicht erwarten bei unserer kleinen Lästerei.

Wenn ein Koch des Jahres eine Gruppen-Reise begleitet, dann ist zumindest eines sicher, es wird nicht schlecht gegessen unterwegs. Wenn dieser Koch Tim Raue heißt, dessen Michelin-Stern dekorierte Küche in Berlin die wohl radikalste asiatisch-inspirierte in Deutschland ist, und die Reise nach China und Japan geht, dann sollten die Teilnehmer mutige Esser sein. Im PR-Geschwurbel würde man sagen, sie sollten kulinarisch aufgeschlossen sein. Mehr über diese leckere Reise im Gespräch mit Tim Raue.

Die Reise wird übrigens von Windrose organisiert, diesem kleinen, feinen Veranstalter aus Berlin, der in Deutschland durchschnittlich die teuersten Reisen verkauft, und das Jahr für Jahr erfolgreicher. Es wird wahrscheinlich nie ein XTra Windrose geben oder die Notwendigkeit, sich perfekter in die Preisvergleichsportale hinein zu manipulieren. Wenn die X-Produkte das Ende, dann ist Windrose der Anfang der touristischen Nahrungskette. Selbst, wenn tausendjährige Eier im Programm gelegt werden, sind sie golden. Über das Konzept von Windrose spreche ich gleich mit dem Gründer Dr. Hans-Peter Holzinger und der neuen Geschäftsführerin Wybcke Meier. Sie kommt übrigens von Öger, was programminhaltlich ein gewisses Umdenken erfordert haben dürfte.

Karl Born und unser Guido

Ägypten und die sozusagen Reisewarnung für das Rote Meer – Teil zwei. Denn logischerweise gab es keinen Auftritt in dieser Woche, der mehr nach den Haltungsnoten und Lästereien schreit, als der unseres angesehenen, kompetenten und charmanten Außenministers. Aber ich glaube, mein Lieblingsprofessor Karl Born hat ihn nicht wirklich in sein Herz geschlossen…

Reiseradio 046 – Bei 1,2 Fly rutschen nicht nur die Preise: Splash-Parks für Familien / Neckermann Family Clubs mit Ablenk-Animation fürs Eltern-Kuscheln / Kinderlandverschickung – RUF mag jetzt auch große Kleine / Alternativlos – die Lästerei mit Karl Born

Das Reiseradio heute ist familienfreundlich. Oder besser gesagt, wir gehen der Frage auf den Grund, wie Familien sich den idealen Urlaub vorstellen. Und da fängt es schon an. Die Familie ist das unbekannte Wesen im Tourismus – weil sie von Patchwork bis plärrender Großfamilie jede Größe und soziale Klasse einnehmen kann.

Die Antwort für die perfekten Familien-Ferien fällt entsprechend Interessen-getrieben aus. Oliver MüllerDukat, der für die TUI die Familien von unten her abschöpft, sieht bei 1,2 Fly vor allem den value for money. Klar, wer schon einmal als Familienoberhaupt mit 2.500 Euro brutto anfing zu rechnen, was zwei Wochen kosten inklusive tausend Extrawünschen, der ist schon urlaubsreif, bevor es losgeht. Bei 1,2 Fly soll es günstig und gut sein. Aber auf keinen Fall langweilig. Zum Glück ist Oliver Müller Dukat begeisterter Rutschen-Fan. Davon profitieren jetzt die Budget-Familien.

Volker Schmidtgen, der bei Thomas Cook die Konzeptprodukte betreut, muss sich als Nichtfamilienmensch trotzdem in diese Zielgruppe hineinversetzen. Vielleicht ist das auch der sublim versteckte Grund, warum bei den neuen Neckermann Familiy Clubs, die Kinderbetreuung so ausgeweitet wurde, dass die Eltern vor allem abends viel Zeit für sich haben. Natürlich nur, um in Ruhe zu essen. Ein Schelm, wer anderes denkt.

Aber genau daran denken, behaupte ich einfach mal ohne gesicherte Umfrage-Erkenntnisse, viele Eltern, die auch ganz gerne mal ohne Gefahr aus dem Nachbarzimmer – wenn es das überhaupt gibt, und nicht das lusttötende Beistellbett – kuscheln möchten. Die sind dann im nächsten Jahr mit großer Begeisterung bei den Jugendreise-Veranstaltern wie RUF. Behauptet zumindest Dirk Föste von eben diesem. RUFs Spezialgebiet sind tolle Ferien für Kinder ohne Eltern. Was das bedeutet, und wie man die von den Eltern für sich selbst ersehnte Romantik möglichst bei den Jugendlichen unterbindet, bevor die Herzen und anderes zu sehr glühen, das erfahren Sie auch gleich im Reiseradio.

Natürlich ist Karl Born wieder dabei. Ich dachte mir einfach, wir nehmen das Unwort des Jahres… alternativlos, und durchsuchen damit die Meldungen dieser Woche nach Skurilitäten, bei denen es keine Alternative gab, als sie genüsslich lästernd zu sezieren.

Karl Born ist für alternativloses Lästern

Warum entdeckt man vor der Saison auf einmal 11.000 Ratten vor Mallorca? Warum entdeckt man nach der Saison die Kadaver-Ursache für die selbst provozierten Hai-Angriffe in Ägypten? Warum sollen Reisebüro-Expedienten Lust haben, Traumschiff-Statisten zu werden? Warum entwickelt ein Tourismusminister anscheinend Expertise im Drogenschmuggel? Warum ist ein Hotel aus Müll Kunst, ein schmutziges Hotelzimmer aber Ärgernis? Und warum ist es so unsagbar ärgerlich, wenn ein geschasster Bahnmanager, der die Deutsche Bahn fast an den Rand des Kollapses geführt hat, behauptet, sie doch nur gerettet haben zu wollen?

Bei manchen Themen der Woche ist es einfach alternativlos. Karl Born und ich müssen sie verwursten.

Und ach ja, sorry in eigener Sache… Ich war noch etwas in Urlaubsstimmung… Und hab doch wirklich vergessen, mein Studiomikro anzuknipsen. Zum Glück war das Mikro von der Webcam noch an. Und zum größeren Glück kommt Karl klar und scharf wie immer über den Sender.

Reisreadio 045 – Tunesien – Aufruhr in Aladins Wunderland / Pura Vida – das neue Hotelkonzept für die „Ich-Will-Alles-Generation“ / Cook Sport Club – schöner schwitzen mit Frank Busemann / Magic Life – wir können alles, außer Klein-sein

Diese Woche noch einmal Reiseradio, frisch produziert aus Amerika, und zwar aus dem manchmal kühlen, aber doch überwiegend sonnigen South Beach Miami. Sonniger Urlaub, das war wohl auch die Intention fast aller Touristen, die an diesem Wochenende fast fluchtartig aus dem Reiseland Tunesien – ja, man muss es fast schon so sagen – evakuiert wurden.

Tunesien ist in der Klassifizierung der Veranstalter eher eine unbeschwerte Badedestination. Etwas aus der Mode gekommen, aber immer noch beliebt – vor allem bei denjenigen, die auch auf den Preis schauen müssen. Und nun war auf einmal nichts mehr mit Aladins Billigparadies und der WunderlampeVerstörende Bilder in den Nachrichten, eskalierende Ausschreitungen und brutale Polizeieinsätze, Brände, Tote, Verletzte. Dieses Mal entscheid Thomas Cook als Erster: die Urlauber müssen raus. Nicht, weil Neckermann Gäste besonders ängstlich sind, sondern weil die Lage einfach nicht mehr zu überblicken war. Mittlerweile dürften alle Touristen wieder daheim sein. Im Reiseradio gleich Mathias Brandes, der Kommunikations-Chef von Thomas Cook, über die dramatischen Stunden der Entscheidung am Freitag.

Schwerpunkt im Reiseradio sind diese Woche aber neue Hotelkonzepte der Veranstalter. Der Markt ist komplizierter geworden. Früher gab es Sterne zur Orientierung. Und dann gab es noch so Exoten, wie die Ferienclubs. Heute wird der Urlauber quasi seziert, um herauszufinden, wo er denn wirklich gerne seine Ferien verbringt. Lebensstile, Werte und Bedürfnisse werden dabei erforscht; genauso wie soziodemografische Daten. Und wenn alles gut geht, dann backen die Veranstalter aus den Erkenntnissen Hotel- und Angebotswelten, die perfekt zur jeweiligen Zielgruppe passen. Die Hotelsterne sind nur noch Nebensache dabei.

Ein völlig neues Produkt verlässt in wenigen Wochen den Ofen der TUI in Hannover: die Pura Vida Hotels. Das ist neben Sensimar schon wieder so eine Begrifflichkeit, die auch aus der Design-Lebensmittelwelt stammen könnte. Aber es ist ein Hotelkonzept, das großes Potential hat, wenn es sich tatsächlich so umsetzen lässt, wie es am Design-Reissbrett geplant wurde. Ein Hotel, wo man alles findet, von Aktivität bis kuscheliger Romantik und Zweisamkeit, räumlich getrennt und doch vereint – für die ich-will-alles-Generation. Ob da wirklich mehr draus werden kann, als nur Marketinggeklingel, dazu befrage ich gleich die verantwortliche TUI-Managerin Stefanie Schulze zur Wiesch.

Auch bei Thomas Cook gibt es ein interessantes neues Hotelkonzept. Wer bisher nämlich im Urlaub sportlich aktiv sein wollte, der konnte entweder golfen, oder, wenn sein Sexleben noch in Ordnung war, in den Gesund & Glücklich Anlagen die drei Säulen Bewegung, Ernährung und Erholung mit relativ wenig Anstrengung erleben. Nun gibt es ab der Sommersaison 10 Cooks Sport Clubs. Und da wird geschwitzt. Dafür sorgt schon der sportliche Chefcoach Frank Busemann; immerhin Silbermedaillen-Gewinner bei Olympia im Zehnkampf. In habe ich gleich am Mikrophon, und er erklärt, welches Trainingsprogramm auf die ambitionierten Gäste zukommt.

Zwei Premium-Clubmarken sind in Deutschland fest etabliert: Robinson und Aldiana. Club Med, die Urmutter, tut sich nach wie vor schwer. Und dann gab es noch die etwas ulkige Marke aus Österreich: Magic Life, mit den zu späterer Stunde immer etwas zu lauten, angeschickerten, weil all-inclusiv, Wienern an der Club Bar. Mittlerweile ist Magic Life komplett TUI. Und das heißt man muss die Marke vorsichtig positionieren, damit sie einerseits Robinson nicht angreift, aber nach unten noch Abstand lässt zu den vielen Ferienhotels, die mittlerweile auch mächtig Clubleben imitieren. Wie das funktionieren soll, darüber habe ich mich mit der TUI-Projektleiterin Maike Möllemann unterhalten.

Und mit Karl Born geht es nachher natürlich auch um Tunesien, um eine ziemlich freche Kundenfang-Aktion des Deutschen Anwalt-Vereins auf Kosten der Reiseindustrie, um die wundersamen Karriere-Mäandrierungen eines Jürgen Marbach, um Katzenberger und Hotel-Pornos, was man jetzt aber nicht unbedingt in einem Atemzug denken soll…. 🙂