Touristik Talk

Wasmitreisen - Das erste Reiseradio für Profis im Internet

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Hintergrund, Klatsch und Service für Touristik-Profis

Reiseradio 164 – Nachhaltigkeit statt Greenwashing / Mein Auto, mein Boot, mein Camper – TUI mischt mit / Tod am Nil – ohne Gäste kein Geld /

Das Reiseradio ist gerade zurück aus Ägypten vom Nil, was nicht nur in dieser Sendung von „Was mit Reisen“, ein Thema ist, sondern auch zu einem schönen Film geführt hat, den Sie auf der Website sehen können. Bei der Rückkehr hatte ich Glück und erreichte mit hängender Zunge noch den Lufthansa-Anschlussflug von Frankfurt nach Berlin. Die letzte Maschine vor dem Streik. Wie schön, so war ich also nicht selbst vom egoistischen Ausstand der Piloten betroffen; so wie tausende unmittelbar und noch mehr mittelbar, weil sie in Sippenhaft genommen wurden – man braucht sie jetzt hier nicht aufzählen…
Man fragt sich wirklich, und jetzt schlüpfe ich mal in die Rolle des Gernot Hassknecht von der heute-Show, in welcher abgehobenen Glaskugel die Piloten ihren arroganten Dünkel ausleben, sie seien etwas Besseres, als die Millionen Arbeiter am Boden. Da wird das Image der tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten mit Lust am Klischee gepflegt, wo mir ein hochdekorierter Lufthansa-Pilot schon vor Jahren sagte, die stressigste und gefährlichste Phase sei für alle Flugzeugführer der Weg von der Landebahn auf einem Großflughafen unfallfrei zum Standplatz. Mit welcher Begründung denken die Herrschaften eigentlich, sie hätten das ewige Recht, sich bereits mit 55 golden alimentiert zur Ruhe zu setzen? Um natürlich als Privatpiloten munter weiterzufliegen. Was soll da zum Beispiel ein Busfahrer denken, der jeden Tag auch die Verantwortung für viele Menschen übernimmt und mit ungleich mehr spontanen Gefahrensituationen konfrontiert ist. Versagen bedeutet Tod. Und für die Angehörigen ist es kein Unterschied, ob der Tote vom Himmel gefallen ist oder im Straßengraben verreckte. Sorry, dass ich es so brutal beschreibe. Es mag ja wirklich in den früheren Jahren mit viel Grundrisiko und der Anforderung, vielleicht permanent technisch improvisieren zu müssen, ein Stresspotential gegeben haben, dass es angeraten schien, mit 55 bereits den wohlverdienten Ruhestand antreten zu dürfen. Da gibt es auch andere Berufe mit ähnlichen harten Belastungen. Aber die Vereinigung Cockpit ignoriert beharrlich, dass die Technik heute die Kunst des Fliegens weitgehend entzaubert hat und auch, dass Menschen mit 55 leistungsfähiger sind als noch vor 40 Jahren. Keine Frage, der Besitzstand soll nicht angetastet werden bei den Altpiloten. Aber das Beharren darauf, die Regelung plus fette Gehaltszulage in alle Ewigkeiten fortzuschreiben, wirkt von außen nur noch als verzweifelte Bissigkeit einer Splitter-Gewerkschaft, die weiss, dass ihre Tage vom Gesetzgeber angezählt worden sind. Mal schauen, ob die Lufthansa bei einem zweiten drohenden Streik dann auch ihr Restpersonal – weil es ja nichts zu tun gibt – in den unbezahlten Ausstand schickt. Dann dürften die Piloten in ihrer schmucken Uniform schnell merken, wie ihr Ansehen tatsächlich ist bei der Belegschaft. Eine solche Demontage ist ihnen nicht zu wünschen. Aber Verständnis für die Forderungen kann es nicht geben.
So, und jetzt durchgeatmet und wieder die viel entspannteren Themen unserer Ausgabe 164. Ich habe es schon am Anfang gesagt, Ägypten ist heute eines der Themen. Ganz kurzfristig hatte ich mich entschlossen, auf eines der Nilschiffe zu gehen, die momentan vor allem von FTI mit ihrem Reiseverkaufssender Sonnenklar dem deutschen Teleshopping-Publikum ans sparsame Schnäppchen-Herz gelegt werden. Objektiv bewertet gibt es zwar keinen Grund, den Fluss derzeit zu meiden. Es ist eher das Bauchgefühl, wenn ich das heute so sage, was die Urlauber unruhig werden lässt in Bezug auf Ägypten. Und selbst Kollegen waren skeptisch, ob es ein guter Zeitpunkt sei, da jetzt hinzufahren.  Zusammengefasst: es war eine wunderbare Woche mit traumhaftem Wetter, leeren Tempeln und liebenswürdigen, bemühten Gastgebern. Kein Gefühl von Unsicherheit, zu keinem Zeitpunkt. Ich weiss, dass das nicht aussagekräftig ist, aber es ist eben eine Momentaufnahme. Was das Ausbleiben der Urlauber aber für die Menschen vor Ort bedeutet, darüber unterhalte ich mich mit dem langjährigen Reiseleiter Mohamed Hamza Amin nachher in der Sendung.
Man muss wirklich kein Gutmensch sein, um Nachhaltigkeit toll zu finden. Und man muss nicht überrascht sein, wenn es Umfragen gibt, die die diesbezügliche Stimmungslage erkundigen, dass die Zustimmungswerte enorm sind. Das sind minimale Prozentzahlen von Ignoranten oder lustvollen Provokateuren, die behaupten Umwelt und Nachhaltigkeit sei ihnen schnuppe. Hauptsache Preis und Vergnügen stimmen. Auch in der Touristik hat es in den letzten Jahren einen  klaren Umdenkprozess gegeben. Je hochwertiger ein Veranstalter sich selbst sieht, desto mehr kümmert er sich um diesen Aspekt bei der Reiseplanung; selbst, wenn die Kosten nicht eins zu eins umlegbar sind auf den auch in diesem Segment preissensensiblen Kunden. Doch sind alle grün-nachhaltigen Aktionen auch sinnvoll? Bei machen Aktivitäten sieht es nämlich mehr nach Marketing-Gag, denn gutem, verantwortungsvollen Wirken aus. Das böse Wort des Greenwashings macht auch im Tourismus die Runde. Darüber unterhalte ich mich gleich mit Peter Mario Kubsch vom Veranstalter Studiosus.
Da passt es doch wunderbar zum Thema, dass die TUI all ihre Mietwagen mit CO2 Kompensation vermietet. Sogar angeblich ohne Aufpreis für den Kunden. Die Nummer Eins auf dem Markt leistet sich gerne Nischen. Machen zwar mehr Arbeit, sind vom Ertrag aber auch ungleich höher, als das Butter und Brot Geschäft. Mietwagen sind so ein Segment, Camper oder auch Hausboote. Das so etwas trotzdem sehr sexy sein kann im Verkauf für den Stationären Vertrieb, darüber unterhalte ich mich gleich mit Ilka Lauenroth, die für diese Mobilität bei der TUI verantwortlich ist.

Eine Fahrt auf dem Nil – Sehnsuchtsort fast ohne Gäste

Der Nil zwischen Luxor und Assuan mit seinen Tempeln und Königsgräbern am Ufer gehört nicht nur für Liebhaber ägyptischer Kultur zu den absoluten Sehnsuchtszielen. Eine Schiffsreise auf dem längsten Fluss der Welt ist auch eines der touristischen Highlights Ägyptens. Trotzdem ist die Zahl der Urlauber seit der Revolution, also seit 2011, dramatisch eingebrochen. Zwar gab es zwischenzeitlich kurze Phasen leichter Erholung, aber die jüngsten politischen Unruhen und auch der Teroranschlag im entfernten Taba haben im Frühjar 2014 wieder dazu geführt, dass noch nicht einmal zehn Prozent der Nilschiffe in Betrieb sind; und diese sind höchstens halbvoll. Für die Ägypter am Nil, in Luxor und Assuan, die fast alle vom Tourismus leben, ist das eine Katastrophe. „Was mit Reisen“-Reporter Jürgen Drensek war vor Ort und fand leere Tempelanlagen, freundliche Gastgeber und die entspannteste Schiffsreise seines Lebens.

Mission Mittendrin: Reiseleiter

Sommer, Sonne, Party. Jedes Jahr pilgern tausende feierwütige Teenies aus Deutschland nach Lloret de Mar – die Partyhochburg an der katalonischen Mittelmeerküste. Mittendrin: SWR-Reporter Steffen König auf seiner Mission als Reiseleiter. Zwei erfahrene Reiseleiter zeigen Steffen, worauf es bei diesem Job ankommt. Was erst einmal nach Spaß pur klingt, entpuppt sich inmitten tausender feierwütiger Teenies als knallhartes Geschäft. Steffen stürzt in eine Krise. Zu viel Party, zu viel Verantwortung – eine unerwartet harte Erfahrung für den „Mission Mittendrin“-Reporter. Ergebnis hier zu sehen…

Reiseradio 144 – Holly-Award: Hotelempfehlungen mit Schwarm-Intelligenz / Die „beste“ TUI-Reiseleiterin der Welt / Ski Amadé: Wedeln mit 5 Sinnen

Das Reiseradio hat sich bei der Vorbereitung dieser Collection 144 einfach vorgenommen, mal wieder eine Sendung zusammenzustellen, die nach all den Problemen und Herausforderungen der letzten Zeit eher die schönen Seiten der Touristik in den Mittelpunkt stellt: gute Produkte, aufmerksamen Service und gelebtes Gastgebertum und Innovationen, um den Gästen ihren Urlaub noch interessanter zu machen.

Guter Anlass dafür war die aufwändige TUI-Holly-Gala in Hamburg, zu der der Reiseveranstalter seine besten 100 Hoteliers aus aller Welt eingeladen hatte. Und es waren nicht die hundert Herbergen, mit denen man etwa den meisten Umsatz gemacht hat. Der Wettbewerb wird entschieden rein durch die Meinung der Urlauber. Etwa 500.000 Fragebögen werden dazu jedes Jahr ausgewertet nach der Güte der Gästezufriedenheit, und ob man das Hotel auch reinen Herzens weiterempfehlen würde… Vor allem diese Weiterempfehlungsquote hat die größte Aussagekraft. denn wer will seinen guten Bekannten oder Freunden schon von einem Hotel vorschwärmen, von dem man selbst nicht überzeugt ist. Ein Riesenunterschied also zu den Datensammlern von Holiday Check und Co, wo man erstens nicht weiß, ob der Beurteiler wirklich im Hotel war, und zweitens, ob er sich mit seinem Urteil nicht allzu gerne in der Anonymität seines Decknamens versteckt.

Wer die Liste der hundert Besten liest, wird viele übliche Verdächtige entdecken. Hotels, von denen die Touristiker wissen aus langjähriger Erfahrung, dass sie mehr als in Ordnung sind. Und doch gab es auf der Gala so manche Überraschung, als die absoluten Sieger gekürt wurden. Da gab es Häuser, mit denen nur wenige im Saal gerechnet hatten, dass sie die Träger des Super-Hollys würden. Was wieder mal beweist, wie unterschiedlich die Erwartungshaltung des real existierenden Urlaubers zu all den Fachmeinungen unserer Branche sein kann. Die Liste der Sieger und der besten 100 finden Sie übrigens auf der Reiseradio-Website. Und die Hintergründe des Holly Wettbewerbs erklärt gleich die TUI Marketingchefin Stefanie Schulze zur Wiesch.

„Was mit Reisen“ war übrigens indirekt auch ein bisschen beteiligt am Holly dieses Jahr. Ich habe inkognito die Siegerhotels besucht in den letzten Wochen und jeweils geheim einen Film gedreht, mit dem der glückliche Gewinner zu seiner Überraschung auf der Gala präsentiert wurde. (Link zu den Filmen)

Unter anderem führte mich die Reise auf die Malediven, auf die Insel Kuredu. Dort konnte ich eine Mitarbeiterin des TUI-Service beobachten, die für mich genau dem Bild entsprach, das man sich gerne von einer Frau Reiseleiterin macht. Immer lächelnd zu den Gästen, immer da, immer helfend. Was ich nicht wusste – so ist das manchmal in großen Häusern mit vielen getrennten Abteilungen – dass Tina Zündorff von den TUI-Gästen die Note 1.0 für ihre Arbeit bekommen hat, und damit die „beste Reiseleiterin der TUI weltweit“ ist. Das ist zwar nur ein interner, nicht ganz bierernster Wettbewerb, weil eben auch die Arbeitsumgebungen so unterschiedlich sind im TUI-Service, aber ich mache ihn heute einfach mal öffentlich. Mit Tina sprach ich gestern per Skype nachts in ihrer Strandhütte. Am Wochenende also, nach einem langen Arbeitstag im Paradies.

Von der Wärme in die Kälte. Die Wintersaison naht ja in Riesenschritten. Das heißt, in der PR laufen sich jetzt vor allem die Betreiber von Skiliften und Schneeschaukeln warm. Eine solche ist das Gebiet Ski Amadé, das größte seiner Art in den österreichischen Alpen, an dem viele Gemeinden beteiligt sind. Dort gibt es gerade ein unerwartetes Luxusproblem. Der Ausbau und die Modernisierung der vielen Lifte hat dazu geführt, dass die Skifahrer immer weniger anstehen müssen. Ergo haben sie mehr Zeit auf der Piste, ergo sind sie eher müde und suchen nach angenehmer Unterbrechung des Berg-rauf-Berg-runter. So kommt es also, dass man in Phase zwei nun viel mehr ins Erlebnis investieren muss, um die Gäste den Winterurlaub mit allen fünf Sinnen genießen zu lassen. Wie das gehen soll, erklärt uns gleich Dr. Christoph Eisinger von Ski Amadé.

Reiseradio 129 – Special Ägypten: Was will die touristische Industrie von Mursi? / Wie überlebt ein Reiseleiter? / Wie schlägt sich Robinson? / Bleibt Golf Islam-tauglich? / Was macht die TU Berlin am Roten Meer? / Wie füllt sich ein Sharaton Miramar? / Ich hatte eine Wohnung in El Gouna

Das Reiseradio ist wieder frisch zurück aus Ägypten, wo ich mich für Sie mal kurz vor der ITB umgeschaut habe für einen Bericht aus Erster Hand. Und eine Besonderheit gibt es bei dieser Ägypten-Spezialausgabe von „Was mit Reisen“: Auf der Website finden Sie auch zwei extra für Touristiker von mir neu gedrehte Filme über Kairo und Luxor. Mit aktuellen Bildern vom angeblich unsicheren Tahir-Platz bis zur Besucher-Leere in den Tempelanlagen am Nil.

Wie fühlte ich mich nun vor Ort? Die kurze Antwort lautet: absolut sicher, ohne jede Einschränkung. Das hört sich natürlich schrecklich nach PR-Geschwurbel an. Zumal, wenn ich auch noch zugeben muss, bei meinem Recherche-Aufenthalt Gast der ägyptischen Regierung gewesen zu sein. Aber ich kann journalistisch aus der Lebenswirklichkeit eines touristischen Besuchers einfach kein anderes Statement geben. Selbst in Kairo auf dem Tahir-Platz, also direkt vor dem Ägyptischen Museum, fühlte ich mich allein bei einem etwa einstündigen Aufenthalt niemals unwohl. In Luxor bedrückte allenfalls die wirtschaftliche Notlage vieler Ägypter, nachdem der Nil-Tourismus um etwa 80 Prozent eingebrochen ist. Na, und am Roten Meer, wo man eh schon immer nur Ägyptische Lebensart in homöopathischen Dosen finden konnte, fühlte ich mich komplett out of space irgendwelcher politischen Auseinandersetzung – die es in den Städten im Norden durchaus gibt. Ich habe mich natürlich gefragt, ob ich die letzte mediale Hiobsbotschaft auch berücksichtigen müsste: den tragischen Absturz des Heißluft-Ballons. Ich habe mich dagegen entschieden, da es sich nach jetzigem Kenntnisstand um ein trauriges Unglück gehandelt hat, und nicht um eine direkte Folge einer schlampig gewordenen Gästebetreuung.

Kernpunkt dieses Reiseradios sind sieben Gespräche mit Menschen in Ägypten. Ich sprach zum Beispiel mit dem Chairman der ägyptischen Vereinigung der Reiseagenturen, Hossam Gouda; selbst auch mit seinem Unternehmen Statthalter für Thomas Cook – er beschreibt unter anderem touristische Feste mit Wein, Weib und Gesang, die sogar auf Einladung der Muslimbrüder organisiert werden konnten in Hurghada.

Nach dem Rückzug von Aldiana am Roten Meer interessierte es mich natürlich, wie sieht es bei Robinson aus, ca 20 Kilometer entfernt? Und war etwas überrascht über eine fast Zweidrittel-Belegung in der absoluten Nebensaison mit einem – so erschien es – „Business as usual“ für Clubchef Patrick Brändle.

Auch in El Gouna blieben alle Sorgen des Landes konsequent außerhalb der Gated Community. Das was sich da in über 20 Jahren entwickelt hat auf dem einstmals öden Sandstreifen am Meer, gilt heute als Best Practise Beispiel für ägyptische Stadtplanung. Nicht zuletzt deshalb hat die TU Berlin dort einen Campus. Nebenbei einen in einer Qualität, dass sich die Studierenden in Berlin die Finger danach lecken würden.

Zusammengefast: ich unterhalte mich mit Heba Aguib, der deutsch sprechenden ägyptischen Leiterin des TU-Campus, Franz Kielnhofer, dem österreichischen Direktor des Sheraton, Georgina Cole, einer Engländerin, die seit neun Jahren als Single in El Gouna lebt, und Scott Christenson, dem Leiter des Golf-Courses, der während der Revolution in Kairo war. Und in Luxor traf ich Abdul Rahim, einen ägyptischen Reiseleiter, der seit 18 Jahren deutsche Touristen führt – aber so eine Krise noch niemals erleben musste.

Viel Gedankenfutter also für Diskussionen darüber, wie man als touristische Industrie mit einem Land umgeht, das schon viele, viel ernstere Krisen meistern musste im Verhältnis zu seinen ausländischen Gästen, das aber gerade aus viel kleinerem Anlass eine Durststrecke erleidet, die kaum noch verkraftbar ist.

Reiseradio 051 – Deutschland-Barometer – DTV sorgt sich trotz Rekords um Service-Qualität / Sparkassen öffnen die Tresore: Hoteliers, investiert! / Romantik statt Sex – neue Ausbildung für Jugendreiseleiter / Keine Fettnäpfchen: wie man sich im Ausland benimmt

Das Reiseradio in den Startlöchern für unsere geliebte ITB, die uns so ans Herz gewachsene Begegnung weltläufiger Menschen zum Wohle der touristischen Völkerverständigung. Ab Mittwoch gibt es dann wieder die volle Ladung, aber wir Journalisten sehen seit einigen Jahren einen Trend. Dass nämlich touristische Institutionen immer weiter nach vorn ausweichen und ihre Botschaft noch vor der Messe loswerden wollen. Vielleicht als kleine Chance, im Wust der Pressekonferenzen nicht unterzugehen mit einer 5-Zeilen-Meldung. Wenn überhaupt.

Auch der Deutsche Tourismusverband beglückt uns mit den Deutschlandzahlen, bevor sie unter dem Funkturm hin und her dekliniert werden. Deutschland ist Spitze, Europameister bei den Übernachtungen. Das wissen wir bereits. Und trotzdem ist DTV-Präsident Reinhard Meyer nicht rundum glücklich. Denn er sieht am Horizont schon das, was viele ahnen: es muss erstens dringend investiert werden in die Hardware, und zweitens dringend geworben werden für die passende Software – sprich für Menschen, die im Tourismus arbeiten möchten. Sonst könnte das attraktive Tourismusziel Deutschland vielleicht schon zu bald sein Siegertreppchen in Europa räumen müssen. Im Interview geißelt er deshalb vor allem politische Gedankenspiele, die Mehrwertsteuer-Reduktion wieder zurückzunehmen. Das sei Gift für die geplanten Investitionen. In dieser Meinung wird er unterstützt von Professor Mathias Feige, der mit seiner dwif Consulting das Sparkassen Tourismusbarometer erstellt und große Modernisierungslücken im ganzen Land sieht. Und auch vom Topmanager des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Dr. Karl-Peter Schackmann-Fallis, der Hoteliers und Gastronomen geradzu beschwor, seinen Sparkassen die Bude einzurennen für Kredite. Das ist doch mal eine Aussage, nachdem man immer argwöhnte, Kreditsachbearbeiter schließen schnell die Filialtür zu, wenn ein Gastronom oder Hotelier auftaucht. Beide reden gleich im Reiseradio.

Ameland, Sie erinnern sich, ist eines dieser Synonyme für sexuelle Gewalt an Jugendlichen. Nur, dass es in diesem Fall kein Erwachsener war, sondern andere Jugendliche im Ferienlager. Es ist nur eine zufällige Nähe zu diesem damals in seinen Details schockierenden Ereignis, dass ab dieser Woche Jugendleiter und so genannte Teamer mit einer neuen Mappe geschult werden zum Thema Sexualität unter Jugendlichen. Mappe ist gut, es ist ein Ordner mit über 300 Seiten. Denn das Thema ist virulent. Auch wenn Eltern es nicht wahrhaben wollen. Zweidrittel der Jugendlichen wollen außerhalb der Familie Urlaub mit Gleichaltrigen machen, weil es eben auch um ein sexuelles Abenteuer oder ein Frühlingserwachen gehen soll. Ich sprach mit Stephan Schiller vom Bundesforum Kinder- und Jugendreisen, über die ersten Schmetterlingsgefühle, und was Betreuer dagegen unternehmen.. müssen.

Ab Mittwoch ist wieder die ganze Welt zu Gast in Berlin. Und da dachte ich mir, dass ist doch eine gute Gelegenheit, sich mit einer Psychologin und Expertin für Körpersprache darüber zu unterhalten, was man eigentlich alles falsch machen kann, wenn man es mit Menschen zu tun hat aus ganz anderen Kulturkreisen. Also, wenn Sie auf der ITB gute Geschäft machen oder gute Gespräche führen wollen, dann hören sie gleich genau hin, was Monika Matschnig rät.

Und logisch spreche ich auch mit meinem Lieblingsprofessor Karl Born über die ITB. Wir haben festgestellt, es ist für uns beide unsere 29. Und Karl sagt jedes Jahr, es sei nun wirklich seine letzte…

Reiseradio 047 – Ägyptens Haie sauer auf Westerwelle – kein Frischfleisch mehr am Roten Meer / Hans Georg Koch (DRV) zur Reisewarnung / Dschungelcamp in Asia? Ess-Reise mit Sternekoch Tim Raue / Windrose – Richtung Luxus und dann immer geradeaus: Wybcke Meier und Dr. Hans Peter Holzinger

Das Reiseradio auf gepackten Koffern für Ägypten… Nein, natürlich nicht. Ginge ja auch gar nicht; selbst, wenn ich wollte. Und momentan habe ich das Gefühl, dass ich schon aus Trotz wollen würde. Ich hatte nur eben ein Gespräch mit einem Freund, der am Roten Meer eine Tauchbasis betreibt und mir erzählte, wie frustriert seine Mitarbeiter seien. Es sei alles komplett friedlich, und doch verwandeln sich zunehmend die Resort-Enklaven in Geisterdörfer, weil die Urlauber mit sanftem Druck zur Ausreise gedrängt werden und niemand mehr ins Land kommt. Seitdem Außenminister Guido Westerwelle die fast-Reisewarnung ausdrücklich auch auf die Urlaubsgebiete am Roten Meer ausgeweitet hat, sind die Ägypter, und da gerade die Kleinen Leute, verzweifelt. Keine Urlauber, keine Arbeit. Das ist deshalb auch unser Schwerpunktthema heute. Gleich im Gespräch, Hans Georg Koch, der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes, der diese Entscheidung – wenn auch in diplomatisch verbindlichen Worten – überhaupt nicht nachvollziehen kann. Und natürlich ist Guido -wir retten Urlauber aus Ägypten- Thema bei meinem Lieblingsprofessor Karl Born. Weniger diplomatisch verbindlich. Aber etwas anderes dürfen Sie ja auch nicht erwarten bei unserer kleinen Lästerei.

Wenn ein Koch des Jahres eine Gruppen-Reise begleitet, dann ist zumindest eines sicher, es wird nicht schlecht gegessen unterwegs. Wenn dieser Koch Tim Raue heißt, dessen Michelin-Stern dekorierte Küche in Berlin die wohl radikalste asiatisch-inspirierte in Deutschland ist, und die Reise nach China und Japan geht, dann sollten die Teilnehmer mutige Esser sein. Im PR-Geschwurbel würde man sagen, sie sollten kulinarisch aufgeschlossen sein. Mehr über diese leckere Reise im Gespräch mit Tim Raue.

Die Reise wird übrigens von Windrose organisiert, diesem kleinen, feinen Veranstalter aus Berlin, der in Deutschland durchschnittlich die teuersten Reisen verkauft, und das Jahr für Jahr erfolgreicher. Es wird wahrscheinlich nie ein XTra Windrose geben oder die Notwendigkeit, sich perfekter in die Preisvergleichsportale hinein zu manipulieren. Wenn die X-Produkte das Ende, dann ist Windrose der Anfang der touristischen Nahrungskette. Selbst, wenn tausendjährige Eier im Programm gelegt werden, sind sie golden. Über das Konzept von Windrose spreche ich gleich mit dem Gründer Dr. Hans-Peter Holzinger und der neuen Geschäftsführerin Wybcke Meier. Sie kommt übrigens von Öger, was programminhaltlich ein gewisses Umdenken erfordert haben dürfte.