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Das Reiseradio ist zurück von der TUI-Programmpräsentation auf Mallorca. Die fand statt im riesigen BLAU Resort in Portopetro – das jetzt als Pura Vida für eine der neuen TUI Hotelkonzept-Projekte steht. Eine schöne, sehr weitläufige Anlage mit genug Raum für die beiden Erlebniswelten Pura und Vida. Wird auch noch Thema sein in dieser Sendung, was hinter diesen Kunstworten steckt. Ein Beruhigendes war jedenfalls zu sehen: es gibt anscheinend genügend Liegen – was ja nicht unwichtig ist angesichts der internationalen Zusammensetzung der Gäste. Denn wie durften wir gerade lesen dank der bahnbrechenden Forschung der Universität Oxford? Deutsche und Engländer könnten gar nicht anders, als um die Sonnenbetten zu kämpfen. Die Deutschen, weil sie einen Freud’schen Zwang haben, Territorialmarken zu setzen, und die Briten aus Frust darüber, dass sie es einfach nicht schaffen, so früh aufzustehen wie die Krauts. Der Tipp aus der Universität: jeder Nation ihren eigenen Pool geben. Nun gibt es an dieser Südwestecke von Malle Pools genug, und gefühlt empirisch liegen die Brits auch lieber am Aktiv-Plantschbecken und die Fritz-Fraktion am Erwachsenen-Ruhepool. Und alle sind Pura Vida glücklich J
Für Wassergenuss gab es angesichts strammer Termine rund um die TUI Programmpräsentation zwar kaum Gelegenheit, dafür aber für neue Lifestyle-Erkenntnisse. Der Marktführer baut noch konsequenter um – weg vom austauschbaren Ferien-Immobilien-Vermittler hin zum Erlebnis-Produzenten. Und andere Schranken zur Lebenswirklichkeit eines großen Teils der Gesellschaft sind auch endgültig gefallen: Online wird der Vertriebskanal der Zukunft. Allen beruhigenden Signalen zum Trotz, dass natürlich weiter der stationäre Vertrieb die Stütze des Geschäfts sei.
Online und Multimedialität gehören einfach immer mehr zum Lifestyle der künftigen TUI Gäste. Die bisher technisch und taktisch gebotene Zurückhaltung, ja, Angst, den Kunden dort abzuholen, wo er sich am liebsten aufhält – und wenn es am Computer ist – gilt nicht mehr. Selbst Reisen für 20.000 Euro werden in einem Bilder- und Filmrausch online beworben; wohl wissend, dass auch sie – vielleicht noch mit Hilfe des spezialisierten, hochprofessionellen Callcenters – von IT, Medien und Finanzwelt-Profiteuren am Ende durchaus online gebucht werden.
Die Kataloge bekommen QR-Codes für einstimmende Filme, Hotels werden über denselben Weg online ausführlicher präsentiert, neue Angebote kümmern sich nicht mehr um die starre Jahreseinteilung in zwei Katalogwelten.
Was auf Mallorca vom Marktführer, und zum letzten Mal vom scheidenden Geschäftsführer Dr. Volker Böttcher, präsentiert wurde, ist fast schon eine Revolution für den Vertrieb der Zukunft, wenn man die Zwischentöne richtig interpretiert: ein letzter Aufruf an die Reisebüros: Macht mir, oder Ihr macht Euch bald überflüssig.
Im Brot und Butter Geschäft gab es keine spektakulären Neuigkeiten bei der TUI. Etwa vier Prozent Umsatz-Steigerung durch starken Zuwachs auf der Fernstrecke als Kompensation für das weggebrochene Griechenland-Geschäft. Das ist wahrlich keine sexy Neuigkeit. Aber dafür das neue Top-Produkt, das deutlich macht, dass die Luft ganz oben nie zu dünn wird für Konsumangebote an die Besserverdienenden.
„Michael Poliza Experiences“ ist seit Mallorca die exklusivste Reisemarke, die es auf dem etablierten deutschen Veranstaltermarkt gibt. Reiseerlebnisse mit Wow!-Effekt, die inklusive Flug bei etwa 15.000 Euro beginnen. Das könnte man als PR-Gag abtun. Aber die TUI hat tatsächlich Jogi Löw auf den Fußballplatz zurückgeschickt und setzt nun auf den Globetrotter und Naturfotografen Michael Poliza als Testimonial für einzigartigen Urlaub. Das ist bemerkenswert. Denn zum ersten Mal wird bei ca 600 Veranstaltermarken konsequent auf einen Namen gesetzt. Darüber mehr in dieser Sendung von Michael Poliza selbst, der uns erklärt, welche Reisen er für die TUI ausgearbeitet hat, und die sich wahrscheinlich kein Reiseradio Hörer wird leisten können… Aber wir werden von ihnen träumen.
Dr. Volker Böttcher gibt sein letztes Interview in alter Funktion. Fernreise-Chef Steffen Boehnke zeigte zum ersten Mal Andrucke der neuen Fernreise-Kataloge, die auch mächtig von den hyper-exklusiven Erlebnissen des Michael Poliza profitieren. Und Stefanie Schulze zur Wiesch, bei der TUI verantwortlich für all die neuen Konzepthotels, versucht, am lebenden Objekt Pura Vida auf Mallorca, zu erklären, wo denn der Unterschied liegt zu anderen Hotelmarken. Eine Frage, die auch die meisten Expedienten sicher noch nicht sattelfest beantworten können.
Wenigstens ein paar Minuten mitträumen, wie Naturerlebnisse sein können, wenn man sich der neuen Topmarke aus Hannover anvertraut.
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Manchmal sind es ja Kunstformulierungen, die haarscharf am Label „Bösdeutsch“ vorbeischrammen, weil sie bewusst vernebeln, anstatt klar zu benennen. „Freisetzen“ statt „Entlassen“ ist so ein Beispiel. Aber auch im Reisebereich zum Beispiel die Schwurbelwörter Klimaneutral oder Luftverschmutzungsrechte suggerieren Gutes, wo schlechte Verursachung getarnt wird. Das ZDF hat vor Jahren die leicht angestaubte und fragwürdige Etikettierung ihrer Sozial-Lotterie „Aktion Sorgenkind“ aufgehübscht durch „Aktion Mensch“. Freigiebig sein durch verbalen Wohlfühlfaktor.
Ein ähnliches Phänomen beobachten wir gerade bei einem anderen, sehr wichtigen Aspekt von Reisen: dem Behinderten-gerechten Tourismus. Die Sorglos-Branche hat nämlich leichte Berührungsängste gegenüber allem, was Wohlgefälligkeit stören könnte. Im Anglo-Amerikanischen Raum wird deshalb vermeintlich politisch korrekt gleich ganz glattgebügelt. Es geht nur noch bei der Zielgruppe um Menschen mit „special needs“. Und bei uns wird das Problem jetzt auch geweitet, um es schöner benennen zu können: aus Behinderten-gerecht wird Barriere-frei. Und schon gibt es keinen Widerhaken mehr im Kopf.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat jetzt ein Projekt angeschoben, Barrierefreiheit zum Markenzeichen des Deutschland-Tourismus zu machen. Das hört sich erstmal wunderbar an, aber ist natürlich – wenn schon keine Mogelpackung, dann doch erst ein bescheidener Anfang. Denn in Schritt 1 geht es nur um Papier und Standards und Label. Bis Ende 2013 sollen das „Deutsche Seminar für Tourismus“ in Kooperation mit der „Nationalen Koordinationsstelle Tourismus für Alle“ (auch wieder so eine freundliche Vernebelung) erst mal einen Wissenspool aufbauen. Dann waren ja Wahlen, und dann sieht man weiter. Oder auch nicht. Ich sprach mit Staatssekretär Ernst Burgbacher und DSFT Geschäftsführer Rolf Schrader über diesen Versuch der Sensibilisierung und Qualifizierung. Und dann noch mit einem Praktiker eines Unternehmens, wo Barrierefreiheit schon längst praktiziert wird: Heiko Kain, dem Direktor Sales und Marketing des Berliner Scandic Hotels. Wirtschaftlich sehr erfolgreich übrigens – womit es für die Reisebranche noch interessanter wird.
Am Samstag war Showtime auf Gleis 11 des Berliner Hauptbahnhofs. Seit Ewigkeiten zum ersten Mal stand der legendäre Orient Express wieder in der Hauptstadt – bereit zur Fahrt nach Venedig mit dem kleinen Umweg über Hamburg. Die beiden Veranstalter Windrose und Lernidee hatten zahlungskräftige Reisende für diesen Nostalgietraum begeistern können. Bis Hamburg fuhr ich mit, als halbblinder Passagier in der Wurzelholz-Kabine von Lernidee-Geschäftsführer Thorsten Haferkamp. Und nutzte direkt mal die Gelegenheit für ein Gespräch über 25 Jahre Spezialistentum vorwiegend auf der Schiene.
In der letzten Sendung gab es viel schmunzelndes Feedback über die Nippelstory der Original Mozartkugel und die geschmacklich interessante Bosnia Wurst aus Salzburg. Heute lege ich noch eins nach: die Linzer Torte. Angeblich die älteste Torte der Welt. Verteufelt von den Liebhabern der Cremeschnitten und Sahnebomben, aber fast so erfolgreich, wie die Sachertorte. Und weil so robust, auch perfekt für den Versand geeignet. Der originale Linzer Konditor Leo Jindrak lüftet das süße Geheimnis.
Ende des Monats klingt es ganz anders im Südtiroler Bozen: Dann ist nämlich Jazzfestival, und kitschige Heimatkapellen haben Spielverbot auf den Musikbrettern und in den Clubs der Stadt. Wir haben schon einmal Klaus Widmann getroffen, den unermüdlichen Spiritus Rector der musikalisch so anspruchsvollen Veranstaltung, und mit ihm ein bisschen philosophiert, wie viel schräge Töne das aufgeräumte Südtirol so verträgt.