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Hintergrund, Klatsch und Service für Touristik-Profis

Karl Born und der Haifisch

Karl Born, mein Lieblingsprofessor, wäre, ernährungstechnisch betrachtet wahrscheinlich ein Delikatessen-Happen für einen gemeinen Hai. Im Gegensatz zu mir, der als Hungerharke, dieses Mal zum Glück, wahrscheinlich verschmäht würde. Nun haben wir beide keinen Weihnachtsurlaub in Ägypten gemacht und können auch keine empirische Erfahrung beisteuern. Aber angesichts der Ruhe über die Feiertage mit fröhlich plantschenden Urlauberscharen am Roten Meer durfte man wohl davon ausgehen, dass Haie tatsächlich Menschen eher verschmähen. Tun sie vielleicht aber doch nicht. Denn wie anders ist es zu verstehen, dass der Gouverneur just nach Ablauf der Urlaubstage auf einmal den Ramsauer gibt, und von größtmöglicher Sicherheit faselt und vorsorglich die Strände wieder sperrt und vom Tauchen verklausuliert abrät? Ich hätte da mal eine Frage, Herr Professor, oder so…

Reiseradio 043 – Skandal um den Traum von einem Schiff – „Stromberg“ lästert über Produzent Rademann und den ZDF-Dreh / Fire and Ice – warum die Isländer ihre Insel besonders im Winter mögen / Das Leben ist ein langer, ruhiger, zugefrorener Fluss – wie Finnland sich jetzt aufs Gemüt auswirkt

Das war ja schon einigermaßen putzig, der BILD-Skandal rechtzeitig zur Ausstrahlung der Bora-Bora-Traumschiff Schnurre am Wochenende. Christoph Maria Herbst, ausgerechnet das Ekelpaket Stromberg, hatte für eine Rolle angeheuert und vor lauter Langeweile in den Drehpausen ein amüsantes, aber bitterböses Buch über den Kahn geschrieben. Das wimmelt natürlich nur vor Klischees über den „Mumienschlepper“… und dürfte in den Marketingabteilungen z.B. von Aida und dem „TUI-Mein Schiff“ nicht nur persönliches Schenkelklopfen verursacht haben. Denn die gängigen Vorurteile über Kreuzfahrten und ihr Publikum werden genussvoll zusammengemixt. Und die Traumwelt der erfolgreichsten Fernsehserie des ZDF gehörig als Kulisse entlarvt. Später in der Sendung schildert Christof Maria Herbst, wie er den Traumschiff Produzenten Wolfgang Rademann zum ersten Mal kennenlernte.

Von Traumschiff zu Expeditionskreuzer. Viel weniger luxuriös, aber dafür um ein Vielfaches kostbarer. Die teuerste Reise, die die TUI verkaufen kann, und ich sage Ihnen, Sie müssen sehr lange dafür sparen, verrät uns gleich Thies Rheinsberg, der Chef des Nordlandspezialisten Wolters Reisen. Und kommt schnell auf den Boden des Verkaufbaren zurück. Denn bei allem Run auf den Norden gibt es Probleme mit dem Verkauf der Ferienwohnungen über einen Veranstalter. Warum Reisebüros das Produkt scheuen, auch dazu mehr gleich im Reiseradio.

Richtung Norden, und dann immer geradeaus. Das stimmt nicht nur in der Werbung für einen Schnaps, sondern derzeit auch als Zielvorgabe für die immer etwas sperrigen Nordland-Produkte der Veranstalter. Zwei stellen wir in der Sendung etwas näher vor: Island und Finnland. Denn Kälte und Schnee können sehr wohl schön sein – auch ohne Aprés-Ski-Zirkus. Wenn man nur weit genug weg kommt von Großstädten, Bahnhöfen, Flughäfen und Autobahnen.

Auch mein Lieblingsprofessor Karl Born kann Schnee nicht mehr sehen, nachdem er seit zwei Wochen sein Haus freischaufelt. Deshalb lästern wir am Schluss natürlich auch ein wenig über den PR-Gau des Traumschiffs und wundern uns über das spontane Plapper-Plapper-Entsetzen über den Vorschlag, statt Nagelscheren Konfiszierung und Oma-Drangsalierung lieber ein Profiling an den Sicherheitskontrollen der Flughäfen anzuwenden.

Karl Born und der Traum von einem Schiff

Seit gefühlt 100 Jahren säuselt sich James Last für das Traumschiff in die Ohren feiertäglich gestimmter Fernseh-Kreuzfahrer. So sicher wie Dinner for One gibt es auch auf dem Herz-Schmerz-Dampfer zum Neuen Jahr eine gefühlige Episode vor adrett aufgeräumter Urlaubskulisse. Immer ne Handbreit Wasser unter dem Kiel gilt dabei zwar nicht als Regel für den Tiefgang der Drehbücher, aber Millionen Zuschauer können wohl nicht irren. Und selbst gestandene Schauspieler lassen sich gerne für eine Rolle einfangen. Schließlich darf man als Draufgabe für die Gage noch einige Wochen durchaus angenehm über exotische Wellen dümpeln. Selbst ein Lästermaul wie Harald Schmidt wird dann ganz handzahm und gönnt sich etwas Seichtheit statt Schneematsch und Satireshow. Nur einer nicht, der gute Stromberg, alias Christoph Maria Herbst. Er gibt gerade den Nestbeschmutzer. Eben noch kunstvoll dilettierend als überforderter Familienvater auf Bora Bora, hat er angeblich während der Dreharbeiten – oder besser gesagt, während der unendlich langweiligen Drehpausen – eine bitter-bitterböse Abrechnung geschrieben über diesen Traum von einem Schiff

Das ZDF ist übrigens gar nicht amused über den ach so undankbaren Schauspieler und keilt zurück in Person des Fernsehdirektors Thomas Bellut. Zitat: Herr Herbst ist offenbar Opfer einer ganz besonderen Form der Seekrankheit geworden. Eines der Krankheitsmerkmale: Der Gentleman genießt die Reise und schweigt nicht…

Also, Herr Herbst wäre gesund, wenn er geschwiegen hätte? Oder meint Bellut vielleicht sogar unfreiwillig ehrlich, wenn er verschwiegen hätte, was ihm genießend alles so passierte…?

Anyway, ich hoffe, ich kann Karl Born gleich dazu überreden, auch ein bisschen aufs Wasser zu hauen

Ein Traum von einem Schiff: Eine Art Roman

Reiseradio 042 – Berlin brummt – 20 Millionen Übernachtungen in 2010: Was steckt hinter dem Hype? / Die Kreuzfahrt boomt – Trends, Tonnagen und Toplisten im neuen Kreuzfahrt-Guide / Boris Becker auf der Brücke – der jüngste AIDA Kapitän im Gespräch / Karl Born über Wut-Passagiere im Winter-Wonderland

Nun ja, ein bisschen vorweihnachtlicher Wunderstaub muss ja schon sein – und deshalb lässt der Moderator des Reiseradios es auch ein wenig wichteln. Einen ganz lieben Gruß an alle Reiseprofis – wo immer Sie uns auch zuhören….

Mittlerweile ist es ja schon einigermaßen langweilig, sich über den Winter aufzuregen. Aber das sehen die, die jetzt gerade am Wochenende unterwegs waren, sicher anders. Und deshalb wird das Chaos gerade auf dem Frankfurter Flughafen auch Thema sein bei meinen Bissigen Bemerkungen mit Karl Born am Schluss der Sendung ; genauso, wie die üblichen, sagen wir es mal freundlich, Komfort-Einbußen bei der Deutschen Bahn, die ersten Auswirkungen der Flugstrafsteuer, die von Ryanair brutalstmöglich als Grund für massiven Flugabbau von und nach Deutschland benannt wird. Und auch die Bilanz-Vernebelungskonferenzen der beiden Großen nehmen wir natürlich lästerlich unter die Lupe.

Top Thema ist heute eine Zahl 20 Millionen. Und zwar Übernachtungen. Und zwar in Berlin. Das ist in Europa der Bronzeplatz nach London und Paris und zeigt, welche Stadt touristisch das Sagen hat in Deutschland – trotz aller Musical-Metropolen und Weltstadt-mit-Herz-Allüren der Mitbewerber. Die Touristik Werber nehmen die Rosen entgegen, abereigentlich läuft die Stadt fast von allein. Damit das so bleibt, müssen sich Burkhard Kieker und sein Team trotzdem etwas einfallen lassen. Mehr dazu im Gespräch mit ihm.

Wenn man ne Schnurre über Berlin aufnehmen möchte, dann darf Wowi nicht fehlen. Der Regierende Bürgermeister wusste schon immer, dass Berlin sexy ist. Und das Bild von Klaus Wowereit, wie er den Perlwein aus dem Stiletto von Desiree Nick schlürft, machte nicht nur ihn weltbekannt, sondern war auch sicher eine derInitialzündungen für die coole Attraktivität der Stadt. Warum die Völker dieser Welt hierher schauen, das erläutert er uns gleich.

Ein Grund dürften natürlich auch die günstigen Preise sein, was die Geiz-ist-geil-Fraktion freut, aber natürlich dieHoteliers schmerzt. Deren oberster Gralshüter, Dehoga-Präsident Willy Weiland, findet es zwar auch toll, dass so viele Gäste nach Berlin kommen, aber wundern tut er sich auch nicht: Beim Ranking der Hotel-Durchschnittspreise in den weltweit attraktivsten Hauptstädten ist Berlin ganz hinten mit 79 Euro. Nur Warschau ist noch billiger. Im Gespräch mit dem Reiseradio wurmt ihn das zwar, aber er kann natürlich nichts dagegen tun, bei immer mehr Hotelbauten in der Hauptstadt.

Kreuzfahrt boomt. Das wissen Sie als Touristiker natürlich. Aber bei all den Schiffen kann man schon mal leicht denÜberblick verlieren. Und wenn man nur nach dem wohlklingenden Namen geht, dann findet man sich vielleicht auf einem Mega-Cruiser wieder mit tausenden Amis in Badelatschen auch abends am Büffet, und nicht beim gediegenen Captain’s Dinner mit Wunderkerze und Eistorte. Zum Glück gibt es einen Kreuzfahrtguide, dessen 2011er Auflage jetzt gerade in den Buchhandel gekommen ist. Mit dem Autoren Uwe Bahn unterhalte ich mich über Trends und Rankings, und warum die Europa seiner Meinung nicht das beste Schiff der Welt ist.

Und wir haben Boris Becker im Reiseradio. An Bord seiner Yacht. Die ist allerdings ein bisschen groß – selbst für einen Ex-Superstar und nun A-Promi in Gala-Bunte-Maßstäben. Und er hätte auch wahrlich nicht das Patent, oben auf der Brücke zu stehen. Die Yacht heißt nämlich AIDA, und der Kapitän ist leider nur ein Namensvetter. Allerdings ist er mit 30 Jahren auch der Jüngste seiner Gilde, der so einen Cruiseliner durch die Weltmeere führen darf. Grund genug für ein Gespräch auf der Brücke.

Karl Born und die Wut im Winter Wonderland

Es ist mir schon klar: man sitzt hier im Warmen, sieht das Chaos draußen und vor allem im Fernsehen, sieht hilflos herumwuselnde Menschen in Bahnhöfen und Flughäfen, liest Horrorgeschichten von stundenlangem Herumhängen auf den Gleisen ohne Heizung und Strom mit abenteuerlichen Rettungsversuchen – und dann schüttelt man weise sein Haupt und fragt, warum kriegen die das einfach nicht hin? Ist das wirklich die normative Kraft des Faktischen, oder doch eine elende Schlamperei – nicht vom armen Würstchen in Uniform, sondern bei den Bilanz-Gierigen in den Konzernetagen. Ein Fall für Karl Born. Auch, wenn ich seit unserem Vorgespräch schon weiß, dass er gewisse Beißhemmungen hat, sobald man argwöhnen könnte, die Helferlein vor Ort werden jetzt vorgeführt. Werden sie nicht.

Unser Thema wird sein vor allem die Krisen-Kommunikation. Und dazu passt irgendwie auch die Deutschland-Krise, die Ryanair Leary diese Woche ausgerufen hat und die verwirrenden Bilanzzahlen der beiden großen Veranstalter, und wie verzweifelt die deutschen Töchter klar machen müssen, dass sie eigentlich die tollen Zahlen hatten.

Reiseradio 041 – Hai-Alarm: Was bedeutet der tödliche Angriff für Ägypten im Winter? / Ready for Take Off: Die Luftfahrt will mit einer Stimme sprechen – Interview mit BDL-Präsident Dieter Kaden / Reiselust unterm Funkturm: Nach der ITB ist vor der ITB – Interview mit Messechef Dr. Christian Göke

Reise-Radio nach einer Woche Wetterchaos – oder, vielleicht sollte man besser sagen, Menschenchaos angesichtswinterlicher Verhältnisse, die in dieser Stärke so sehr zum Klimagipfel in Cancun passten. Das ist ja normalerweise so ein Wetter, bei dem Reisebüro-Inhaber glückliche Kleinkinderaugen bekommen, denn nach kalten Füßen und unfreiwilligen Schlitterpartien möchten alle nur weg an den sonnigen Traumstrand. Dumm gelaufen mit der Dramaturgie, dass hungrige Haie an Ägyptens Küste mal testen wollten, wie Menschenfleisch schmeckt. Für den Menschen endet so ein Probebiss leider in der Regel sehr dramatisch. Bei einer deutschen Urlauberin tödlich, weswegenÄgyptens Tourismus-Verantwortliche sich nun am Rand der Panik befinden. In so einer Situation ist es schwer, ein Interview zu führen, denn der journalistische Erkenntniswert würde gegen Null tendieren, würde man jetzt mit hochaufgeregten ägyptischen Touristikern oder lokalen Honoratioren reden. Da scheint Abwiegeln und Schönreden die erste Pflicht. Ich habe stattdessen am Rande einer Weihnachtsfeier Mario Köpers, den Pressesprecher der TUI nach den direkten Auswirkungen befragt. Neben dem zu erwartenden PR-Sprech, um einen wichtigen touristischen Partner nicht zu verschrecken, ist da auch viel Nachdenkliches zwischen den Zeilen zu hören. Und Manuela Kirschner, eine liebe Kollegin und Tauchexpertin, die mit der Unterwasserkamera in allen Weltmeeren unterwegs ist, hilft mit bei derInformation, die jetzt das beste Mittel gegen Panik ist

Bei der Einführung der Flugsteuer waren es vor allem die unmittelbar Betroffenen aus der Luftfahrt, die ein sagen wir mal suboptimales Bild abgaben. Das war eine Kakophonie der egoistischen Interessen. Flughafen mit viel Fracht gegen Flughafen mit Billigfliegern. Grenznahe Flughäfen gegen solche in der Mitte des Landes, Linienflieger mit viel Langstrecke und Hub in Deutschland gegen die mit solchen im nicht zu fernen Ausland – Jeder ahnte, dass die Steuer wohl kaum zu verhindern ist, aber wenigstens der Konkurrent sollte stärker getroffen werden… Damit soll jetzt Schluss sein: endlich gibt es nur einen Branchenverband, der mit einer Stimme redet: den Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft – kurz BDL. Und diese eine Stimme wird zunächst einmal Dieter Kaden sein,Gründungspräsident und Chef der Deutschen Flugsicherung. Eines seiner ersten Interviews in der Präsidialfunktion gab er diese Woche dem Reiseradio.

Nach der ITB ist vor der ITB. Diese Woche traf sich der Beirat dieser Weltleitmesse für eine Bestandsaufnahme. Etwas reduziert, denn, siehe oben, Deutschland war durch Schneeflocken ziemlich lahmgelegt. Ihr Moderator war mit dabei. Ganz offiziell als Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten. Und als solcher darf er zwar nicht unmittelbar aus der vertraulichen Sitzung berichten, aber hinterher durchaus Dr. Christian Göke von der Messe Berlin interviewen.

Und mit meinem Lieblingsprofessor Karl Born werde ich am Ende der Sendung natürlich wieder mal die touristische Woche Revue passieren lassen – in einem großen Bogen zwischen Busenwunder, Nacktscanner, Baywatch,Haiattacke, Flitterwochen-Mord und dem guten Gasthof zum Löwen und dem Schloss am See.

Karl Born und der Baywatch-Busen

Manchmal ist es eine Gratwanderung, wenn ich am Sonntag all die Meldungen durchschaue, die ich im Laufe der Woche so gesammelt habe für mein sonntägliches Skype-Gespräch mit Karl Born. Denn eigentlich soll es ja am besten einebittersüße Lästerei werden über die wunderbare Welt des Tourismus. Doch manchmal gibt es auch Ereignisse, da muss man hoffentlich gleich die Kurve bekommen zwischen Schenkelklopfen und ironisch-beobachtender Distanz. Hoffentlich gelingt uns das gleich bei unserer Tour zwischen Baywatch-Baby, Hai-Panik und Flitterwochen-Mord

Reiseradio 040 – Free the Bus – Fernreise statt Kaffeefahrt – Die Busunternehmen wollen der Bahn Konkurrenz machen – Nachgefragt bei Michael Svedek / Breathe the Air – Grüne vermuten giftige Dämpfe in Flugzeugen – Interview mit Markus Tressel / Save the Pott – was wird aus dem Ruhrgebiet nach der europäischen Kultursause? Fragen an Axel Biermann von Ruhr-Tourismus / Pimp the Pilot – lästerliche Bemerkungen mit Karl Born

Das gruselige Wetter, Schneechaos und die Aufregung vom Wochenende wegen der Spontan-Unverfrorenheit der spanischen Fluglotsen. Manchmal ist man auch wirklich froh, nicht reisen zu müssen. Deshalb bleiben wir thematisch in dieser Sendung etwas tourismuspolitischer und auch Fazit-ziehend. Topthema ist heute der Bus. Ein nicht gerade erotisches Reisemittel. Aber vielleicht eines mit Zukunft. Es geht um das Linienbusfahren in Deutschland. Bis auf die Berliner, die das aus ihrem Viermächtestatus heraus immer schon praktizierten, dürften die meisten Deutschen noch nie etwas von einer innerdeutschen, flotten Busverbindung von Stadt zu Stadt gehört haben. Kein Wunder: es gibt sie auch nicht. Eine Verordnung von Anno Toback verbietet nämlich die Konkurrenz zur bundeseigenen Bahn. DieseVerordnung soll fallen auf Grund des Koalitionsvertrages von CDU/CSU und FDP, aber die Bahn hat in der Berliner Ministerialbürokratie noch etliche willige Vollstrecker, die alles tun, um die Liberalisierung des Busfernverkehrs zu torpedieren. Das ist ein ziemlicher Krimi hinter den Kulissen mit harten Bandagen. Wir unterhalten uns mit Michael Svedek von der Deutschen Touring über den steinigen Weg, der zur schnellen Asphalt-Schiene werden soll.

Der WWF hat ausgerechnet, dass 14 Tage Urlaub an der Ostsee etwa 258 Kilogramm CO2 kosten. Der gleiche Urlaub auf der Deutschen Lieblingsinsel Mallorca müsste aber schon mit 1.221 Kilo berechnet werden. Und wer sich in Mexikodie Sonne auf den Bauch scheinen lässt, sündigt mit 7.218 Kilogramm CO2. Kein Wunder, dass grüne Tourismuspolitik eher die erdgebundenen Ziele propagiert. Und bei aller Liebe zur Naherholung, das hört sich nicht sehr lustvoll an. Und beim Urlaub-Machen verstehen die Deutschen wenig Spaß. Kein Wunder, dass der tourismuspolitische Sprecher der Grünen, Markus Tressel, nicht die Lieblingsansprechpartner für die Reiseindustrie ist. Im Reiseradio erläutert er seine Thesen – und erschreckt ein wenig mit der gewagten These, die Bundesregierung setze dieGesundheit der Flugpassagiere aufs Spiel. Warum? Das erfahren Sie im Gespräch.

Fast ein Jahr lang war jetzt das Ruhrgebiet die Europäische Kulturmetropole. Und hat es damit eigentlich zum ersten Mal geschafft, flächendeckend in den Reiseteilen der Zeitungen und in den Katalogen der Veranstalter aufzutauchen. Dafür gab es ja auch genügend Remmidemmi. Und alles wäre wunderschön, wenn ein Remmidemmi nicht so tragisch geendet hätte. Trotzdem ist die Bilanz von ruhr2010 erfolgreich. Und deshalb beschleicht Axel Biermann, den Geschäftsführer von Ruhr-Tourismus auch ein leicht mulmiges Gefühl, wenn er an 2011 denkt. Aufwachen ohne Kater und frisch in den neuen Tag, das ist die Parole. Ist es auch die Wirklichkeit?

Zwischen Höhen und Tiefen grasen Karl Born und ich in unserer kleinen Lästerei am Schluss mal wieder das touristische Geschehen ab. Die spanischen Fluglotsen bekommen da genauso eines auf den Deckel, wie schlaftrunkene oder volltrottelige Piloten. Und wir machen uns Gedanken über die Bahnhofs-Posse in Stuttgart und, wie lange es noch dauern mag, bis London nur noch Zweigstelle von TUI und Thomas Cook ist, aber nicht mehr Konzernzentrale der Veranstaltertöchter…

Karl Born und lavierende Schlawiner

Zum Glück gibt es keinen Mangel an skurrilen touristischen Meldungen im Verlauf der Woche, die allesamt gut sind für eine kleine Lästerei zum Schluss mit Karl Born. Und manchmal sind die Themen auch nur geeignet zum Lospoltern, wie derwilde Streik der überbezahlten spanischen Fluglotsen, die am Wochenende wieder mal tausende von Urlaubern in unerträgliche Geiselhaft genommen haben. Aber auch unfähige Kopiloten, lavierende Schlichter oder schlichte Schlawiner und mit dem Hund wedelnde Veranstalter-Schwänze fordern meinen Lieblingsprofessor immer wieder zu bissigen Bemerkungen heraus

Reiseradio 039 – DRV Jahrestagung in Agadir – Stimmen, Hintergründe, Kommentare / Erstes Präsidenten-Interview mit Jürgen Büchy und letztes mit Klaus Laepple / Michael Frenzel über die teure Liebe der Veranstalter zum DRV / Marokkos Tourismusminister im Regen / Südkoreas Urlaubs-Werber voller Zuversicht / Karl Born allein zu Haus

Das Reiseradio zurück von der touristischen Perle des Atlantiks. Also zumindest aus marokkanischer Sicht. Zurück aus Agadir, dem maghrebinischen Urlaubs-Hotspot der späten Siebziger Jahre, dessen Liebreiz sich heute erst auf den zweiten Blick erschließen mag – trotz großer Anstrengung, alles etwas aufzuhübschen.

Anyway: Agadir war die pompöse Kulisse für ein Dramolette der besonderen Art: der Deutsche Reiseverband, kurzDRV, wählte seinen neuen Präsidenten. Und wie das in deutschen Vereinen so üblich zu sein scheint, wenn zwei Kandidaten zur Wahl stehen, wird es schnell persönlich und ehrpusselig in der wackeligen Kulisse.

Das Ergebnis werden Sie vielleicht schon wissen: denkbar knapp mit 55 Prozent siegte der ursprünglich einzige Kandidat, Jürgen Büchy – noch Top-Manager bei der Deutschen Bahn. Der unterlegene, wie eh und je schillernde, rhetorisch brillante Ex REWE, Ex LTU und noch mal eineinhalb Seiten touristischen Lebenslauf präsentierende Jürgen Marbach hatte zwar die vermutete Mehrheit der Einzelstimmen in Agadir erkämpft, aber wer die Stimmenpakete der Konzerne nicht komplett hinter sich bringt, muss sich eben mit 45 Prozent zufrieden geben.

Das Erfreuliche an der Seifenoper: Es ging nicht um den Schönen oder das Biest… Beide Kandidaten sind absolut honorig. Und der DRV wird nach der Ära Laepple nun einen neuen Präsidenten haben, der sehr eigene und zukunftsweisende Akzente setzt für die Reisebranche

Das erste Interview nach seiner Wahl gab Jürgen Büchy dem Reiseradio. Klar, präzise und zupackend. Gleich mehr nach der Musik.

Zehn Jahre hat Klaus Laepple den DRV geführt. Zwei Jahre steht er noch an der Spitze des BTW, des Bundesverbandes der Tourismuswirtschaft. Sicher nicht leise. Laepple ist ein Mann mit Ecken und Kanten und Charakter. Ein wirklicher Typ. Nicht zu bremsen, wenn er auf der Bühne ein Mikro zu fassen bekommt. So ein Mann polarisiert. Doch unbestreitbar würde es den DRV vielleicht heute nicht mehr geben in seiner Bedeutung, wenn Klaus Laepple ihn nicht 2000 vor dem drohenden Konkurs gerettet hätte. Im Reiseradio sein großes Abschiedsinterview. Kein Blick zurück im Zorn, aber durchaus deutlich zwischen den Zeilen.

Wie sehr beim DRV sich intern die Machtverhältnisse verschoben haben, konnte man bei der Verabschiedung Laepples erkennen. Der mächtigste Mann im Tourismus, Michael Frenzel von der TUI hält die Laudatio. Der zweimächtigste, Peter Fankhauser von Thomas Cook überreicht das Geschenk. Im Interview mit dem Reiseradio macht Michael Frenzel deutlich, warum den Veranstaltern das Wohl des DRV lieb und auch durchaus teuer ist.

Der Tourismusminister Marokkos, Yassir Zenagui, konnte einem leid tun. Da möchte der Mann die Schönheit des Landes beschwärmen und die für Urlauber so wichtige Sonne – und draußen schüttet es aus vollen Eimern. Er trug es mit Fassung- und durchaus mit Humor im Interview.

Da hatte es der zweite professionelle Lobhudler einfacher: Charm Lee, der Cheftouristiker Südkoreas. Er ist Gastgeber des DRV im kommenden Jahr, und durfte das ferne Land schon mal eindrucksvoll präsentieren. Kleiner Schönheitsfehler: zur Zeit die Schlagzeilen wegen des Scharmützels mit Nordkorea. Im Interview gleich sehrbemerkenswerte Begründungen, warum man sich deswegen überhaupt keine Sorgen zu machen braucht.

(ab 05:35) Bei der letzten Kaffeepause, etwa eine Stunde vor Bekanntgabe des streng geheim gehüteten Wahlergebnisses,zitterten ihm schon leicht die Hände. Fünf Stunden zwischen Wahl und Ergebnis – das offenbart die hochkomplizierte Arithmetik im DRV. Jürgen Büchy, mal als einziger und vermeintlich Wunschkandidat des Vorstandes ins Rennen gegangen, war sichtlich angespannt. Für den DRV bereits den hochbezahlten Job bei der Bahn geschmissen, musste er nach einer fulminanten – und wahrscheinlich von Kommunikationsberatern dramaturgisch perfekt inszenierten – Rede seines „Freundes“ Jürgen Marbach tatsächlich fürchten, als siegreicher Zweiter aus dem Rennen zu gehen. Mit viel Erfahrungen über die Ranküne-Fähigkeiten des DRV, aber bald arbeitslos.

Als gegen 17 Uhr Wahlleiter Gerhard Heine das knappe Ergebnis der siegreichen 1245 Stimmen verkündete, war die Erleichterung im Gesicht greifbar. Doch kurze Zeit später saß mir wieder ein in sich ruhender, rhetorisch brillanter Manager Jürgen Büchy gegenüber. Die Erfahrungen bei der Bahn scheinen für das Leben zu stählen.